Unsere Tools-Auswahl (Teil 3)

Tools-Auswahl
Bild: Melanie Matutis – Clearingstelle Medienkompetenz (unter Verwendung der Logos von Gather.town und wonder)

Seit über zwei Jahren pflegt die Clearingstelle Medienkompetenz eine Mindmap mit einer ständig erweiterten Übersicht über Tools, Apps, Plattformen und Links. Aber bei mittlerweile über 350 Links geht der Überblick schon mal verloren: Was soll ich nehmen? Was ist empfehlenswert – nicht zuletzt unter Datenschutz-Gesichtspunkten? Womit kann ich Teilnehmende gut aktivieren? Daher  präsentieren wir in einer kleinen Artikel-Reihe unsere Favoriten, die sich in den letzten Monaten (oder Jahren) in vielen Veranstaltungen bewährt haben. Board.net, Oncoo, Tricider und Flinga hatten wir uns bereits in Teil 1 angeschaut, in Teil 2 TaskCards, schicks.digital, Dudle.drs und Miro lite vorgestellt. In diesem Beitrag geht es nun um etwas andere Videokonferenzen – beispielsweise für informellen Austausch.

Gather.Town

Erfahrungen mit Videokonferenz-Tools haben seit der Corona-Pandemie wohl die meisten schon gemacht und dabei festgestellt: Die Dynamik und Flexibilität von Face-to-Face-Kommunikation, wo Menschen Grüppchen bilden und durcheinanderreden, ist hier leider nicht gegeben. Diese Flexibilität will das recht junge Programm Gather.Town ermöglichen. Es bietet ohne Anmeldung für bis zu 25 Teilnehmende kostenlos einen passwortgeschützten Raum zum virtuellen Austausch. In diesem bewegen sie sich als kleine Pixelgrafik-Avatare, die ganz in der Tradition von PC-Spielen mit den Pfeiltasten gesteuert werden. Ähnlich wie auch bei wonder.me (siehe unten) kann man sich mit diesen Avataren aktiv zu anderen Personen hin- oder von ihnen wegbewegen. Kommen sich mindestens zwei Avatare nah, öffnet sich eine Videokonferenz – die beiden können sich also gegenseitig hören und sehen. Entsprechend bricht die Verbindung ab, sobald die Gesprächspartner:innen bzw. deren Avatare sich räumlich voneinander entfernen.

Es stehen verschiedene Raumvorlagen für unterschiedliche Einsatzszenarien zur Auswahl, auch eigene Räume können gestaltet werden. Dabei lassen sich z.B. auf Tischen auch Materialien oder Spiele als Links ablegen und für eine gemeinsame Nutzung zur Verfügung stellen. Wer zu einer Zusammenkunft in Gather.Town einlädt, benötigt einen Account. Alle anderen können per Link eingeladen werden.

Bei Gather.Town handelt es sich um das Angebot eines amerikanischen Unternehmens, dessen Server sich außerhalb der EU befinden. Damit entsprechen die Datenschutzbestimmungen von Gather.Town – wie auch bei anderen, zum Teil auch weit verbreiteten Social-Media-Anwendungen oder Videokonferenz-Anbietern – nicht den Datenschutzanforderungen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Der Anbieter gibt allerdings an, keine Text-, Audio- oder Videodaten zu speichern.

Ein Live-Walktrough bietet einen guten ersten Eindruck der Funktionalitäten. Auch der Zertifikatskurs #mepps hat Corona-bedingt schon Erfahrungen mit diesem Tool gesammelt.

Screenshot Gather.town
Gather.town. Mit Avataren im virtuellen Raum unterwegs
Screenshot: Clearingstelle Medienkompetenz

wonder.me

Auf dynamische Gruppengespräche und informellen Austausch setzt auch das Tool wonder.me – vormals Yotribe. Es handelt sich um einen virtuellen Raum, in dem sich Menschen treffen und unterhalten können. Es kommt gänzlich ohne Spieloptik daher. Wer bei wonder.me einen Raum einrichten möchte, benötigt einen Account. Alle anderen können per Link eingeladen werden. Sobald man den digitalen Raum betritt (eine Webcam ist zwingend nötig!), zeigen die Profilbilder der Teilnehmenden, an welchem Ort die Personen sich befinden. Sind beispielsweise im Vorfeld bereits thematische Bereiche im virtuellen Raum definiert worden, bewegt man das eigene Profilbild an die gewünschte Stelle und es beginnt eine Videokonferenz mit den anderen Personen, die sich am gleichen Ort befinden. Daneben bzw. dazwischen sind aber auch spontane Zusammentreffen möglich. Denn wie bei Gather.Town beginnt eine Videokonferenz automatisch durch räumliche Annäherung, entsprechend führt das Wegbewegen des eigenen Profilbildes zum Abbruch des Gesprächs.

Eine Broadcast-Funktion ermöglicht, alle im Raum Anwesenden zu adressieren – unabhängig vom jeweils konkreten Ort. Bestehende Kleingruppengespräche werden dafür blockiert. So lässt sich die Broadcast-Funktion als virtuelle Bühne betrachten, die beispielsweise für Begrüßungen und Podiumsdiskussionen eingesetzt werden kann. Die Festlegung von Eisbrecher-Fragen durch den Meeting-Host, die beim Eintritt in den Raum beantwortet werden müssen, soll den Gästen die Gesprächsaufnahme erleichtern. Zu beachten ist, dass eine Teilnahme nur mit Kamera möglich ist.

Der Betreiber Wonder ist eine GmbH mit Sitz in Berlin. Nach Angaben der Betreiber ist die Datenverarbeitung DSGVO-konform. Aktuell ist das Tool kostenlos, Ende 2021/Anfang 2022 soll es laut Wonder-Website ein auf Nutzung basiertes Preissystem geben – eine kostenlose Variante soll dennoch bestehen bleiben.

informeller Austausch und digitale Veranstaltungen mit wonder.me
Bildquelle: wonder.me
Wichtiger Faktor: Zeit

Sowohl Gather.Town als auch wonder.me eignen sich als reine Videokonferenzsoftware mit der Möglichkeit, Breakout-Rooms zu bilden. Darüber hinaus ermöglichen Sie auch digitale Veranstaltungen oder Messen. Beim Einsatz der beiden Tools ist unbedingt darauf zu achten, dass genügend Zeit eingeplant wird für freie Gespräche in den Kleingruppen. Wie bei Face-to-Face-Veranstaltungen dauert das „Eingrooven“ ein bisschen – bei einem angeregten Gespräch hingegen vergisst man auch gerne mal die Zeit. Und wenn gewünscht ist, dass die Teilnehmenden sich in Gruppen immer wieder mischen muss dafür entsprechend Zeit eingeplant werden. Ein zweiter Hinweis in Zeiten von zwangsläufigen Videokonferenzen: Um für diese Browser-basierten Tools Kamera und Mikrofon freigeben zu können, müssen alle Teilnehmenden eine eventuell laufende andere Videokonferenz verlassen. Es ist also nicht möglich, „mal eben“ aus Zoom, WebEx und Co. nach Gather.town oder Wonder.me zu wechseln. Unter Umständen stellt dies für Nutzer:innen eine Hürde da; im Zweifelsfall gilt es auch dafür Zeit einzuplanen.

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