Unsere Tools-Auswahl: Nützliches für den Umzug nach Mastodon (Teil 14)

Bild: Melanie Matutis – Clearingstelle Medienkompetenz (unter Verwendung der Logos von Mastodon, Fediverse Party, Debirdify, Fedilab, Tusky)

Seit über zwei Jahren pflegt die Clearingstelle Medienkompetenz eine Mindmap mit einer ständig erweiterten Übersicht über Tools, Apps, Plattformen und Links. Aber bei mittlerweile über 450 Links geht der Überblick schon mal verloren: Was soll ich nehmen? Was ist empfehlenswert – nicht zuletzt unter Datenschutz-Gesichtspunkten? Womit kann ich Teilnehmende gut aktivieren? Daher präsentieren wir in einer kleinen Artikel-Reihe unsere Favoriten, die sich in den letzten Monaten (oder Jahren) in vielen Veranstaltungen bewährt haben. Der vierzehnte Teil unserer Reihe legt den Fokus auf Apps und nützliche Tools, die den Umzug von Twitter zu Mastodon bzw. überhaupt den Einstieg dort erleichtert. Alle bisherigen Beiträge der Tools-Reihe sind am Ende der Seite verlinkt.

Spätestens seit Elon Musk den Kurznachrichtendienst Twitter gekauft hat, ist die Unzufriedenheit der Nutzer:innen groß. Viele von ihnen kehren Twitter den Rücken und suchen nach einer Alternative. Und die gibt es schon ein paar Jahre und sie nennt sich Mastodon (wie die Heavy-Metal-Band und das ausgestorbene Urzeitwesen). Anders als Twitter ist Mastodon jedoch kein zentrales Netzwerk, sondern besteht aus vielen verschiedenen Knotenpunkten, die Instanzen genannt werden. Diese Instanzen sind Teil eines noch größeren Netzwerks, des sogenannten Fediverse  – Teil 8 unserer Tools-Reihe beschäftigt sich damit. Was auf den ersten Blick kompliziert erscheinen mag, spielt vor allem bei der Einrichtung eine Rolle und lässt sich schnell lösen. Welche Apps und Tools dabei helfen, stellen wir in diesem Beitrag vor.

Instanz wählen

Die oben genannte Dezentralität sorgt dafür, dass – anders als bei Twitter und Co. – vor der Anmeldung noch die Frage nach der passenden Instanz steht. Auch wenn es grundsätzlich möglich ist, Beiträge der anderen Instanzen zu sehen, können sich die Instanzen in einigen Details voneinander unterscheiden. Eine Instanz beispielsweise erlaubt nur Anmeldungen von Bundesbehörden, auch die Moderationsregeln können je nach Instanz etwas anders sein. Andere Instanzen haben eine regionale oder thematische Ausrichtung. Aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Instanz sind Mastodon-Profilnamen auch zweigliedrig und bestehen aus dem eigenen Namen und dem der Instanz, z. B. @clearingstellemedienkompetenz@kirche.social.

Mit Mastodon Near Me lassen sich regionale Mastodon-Instanzen auf einer Openstreetmap-Karte finden
Bild: eigener Screenshot

Die Seiten instances.social oder fediverse.party schlagen auf Basis von Sprache und Größe sowie der eigenen Vorlieben passende Instanzen vor. Regionale Instanzen lassen sich auf dieser Karte finden. Deutschsprachige Instanzen bündelt diese Liste. Ein Vorab-Blick auf die jeweilige Timeline (dazu „/public/local“ beziehungsweise „/explore“ an die URL anfügen) kann bei der Entscheidung helfen, ob die Gemeinschaft passt. Ein „/about“ hinter der URL zeigt bei vielen Instanzen Informationen zu Betreibern und den Moderationsregeln an (s. auch heise.de). Denn prinzipbedingt sind die Betreiber einer Instanz auch für die dort geltenden „Spielregeln“ verantwortlich, die sich von Instanz zu Instanz unterscheiden können. Hilfreich zu wissen kann sein, dass es für das Fediverse Personenverzeichnisse wie fediverse.info, Mastodir oder Trunk gibt.

Für Twitter-Nutzer:innen kann darüber hinaus auch Debirdify (siehe unten) eine Orientierungshilfe bei der Instanz-Wahl sein. Denn das Tool, mit dem sich Twitter-Kontakte bei Mastodon finden lassen, zeigt auch an, auf welchen Instanzen sich die eigenen Bekanntschaften so tummeln.

Mastodon-Apps

Neben der Web-Version gibt es kostenlose Apps für Android und iOS. Darüber hinaus gibt es verschiedene Drittanbieter-Apps, mit denen sich Mastodon nutzen lässt. Denn da Mastodon quelloffen ist, haben Entwickler:innen entsprechende Apps dazu erstellt. Eine gute Übersicht über alle diese Apps findet sich auf joinmastodon.org. Hier kann auch nach Betriebssystem gefiltert werden.

Laut einem Vergleichstest in der Fachzeitschrift c’t 2023 (Heft 1) ist die offizielle Mastodon-App für den Einstieg gut geeignet. Wer mehr als nur Basisfunktionen sucht, wird vermutlich eher bei den Drittanbieter-Apps wie Twidere, die sich vor allem an Umsteiger richtet, die noch bei Twitter bleiben wollen, oder Fedilab fündig. Letztere kostet allerdings im Playstore 2,59 Euro, aber nicht im alternativen F-Droid-Store. Der Preis für die Funktionsvielfalt sind die umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten, die für Einsteiger:innen eventuell erschlagend wirken. iOS-Nutzer:innen bietet Metatext eine weitere (kostenfreie) Alternative für iPad oder iPhone. Unter Android ist schließlich die ebenfalls kostenfreie App Tusky eine weitere Alternative, die ebenfalls im Google Play-Store sowie bei F-Droid erhältlich ist.

Von Twitter zu Mastodon

Wer von Twitter nach Mastodon umziehen will, hat vermutlich über die Zeit bereits viele Kontakte gesammelt. Diese bei Mastodon zu suchen, ist sehr aufwändig, zumal gar nicht gesagt ist, ob sie auch wirklich (schon) dort sind. Für das Problem der Recherche gibt es jedoch entsprechende Werkzeuge, die diese Arbeit übernehmen, beispielsweise Debirdify und Fedifinder.

Diese Tools durchsuchen nach entsprechenden Zugriff auf das Twitterkonto die Profile der Kontakt-Accounts dahingehend, ob dort Mastodon-Profilnamen hinterlegt sind. Aus den gesammelten Daten erstellen sie eine csv-Datei, die dann in der eigenen Mastodon-Instanz importiert werden kann. Dies gilt übrigens nicht nur für die Kontakte, sondern auch für andere Listen, wie beispielsweise blockierte oder stumm gestellte Accounts.

Tipp: Einfach beide Werkzeuge benutzen und den Vorgang auch nach ein paar Tagen erneut wiederholen – denn schließlich wechseln aktuell immer mehr Menschen von Twitter auf Mastodon. Dass Twitter nun viele Verlinkungen zu Mastodon als „potenziell schädlich“ einstuft und deren Veröffentlichung verbietet, scheint dafür zu sprechen, dass dieser Trend auch von Twitter-Chef Elon Musk mit Sorge gesehen wird.

Movetodon zeigt auf Mastodon gefundene Twitter-Kontakte an. In einer Übersicht lässt sich Accounts folgen.
Bild: eigener Screenshot

Auch mit Movetodon geht das – nach Zugriff auf Twitter und Mastodon wird eine Übersicht der gefundenen Kontakte im Web-Browser angezeigt. Anders als bei den beiden genannten Tools lässt sich hier differenziert entscheiden, einzelnen Accounts zu folgen – oder es eben zu lassen.

Twitter und Mastodon parallel bespielen

Auch wenn Twitter gerade ein rapides negatives Wachstum vorlegt und zunehmend als problematischer Umfeld gelten kann, ist es unter Umständen ratsam, den eigenen Account dort nicht gleich zu löschen. Andernfalls könnten Dritte oder Bots den übernehmen. Wer Twitter also (noch) nicht den Rücken kehren möchte, kann sich mit Crosspostings Arbeit abnehmen. Crossposting bedeutet, eine Nachricht in gleicher Form bei Twitter und bei Mastodon zu veröffentlichen. Das geht mit Werkzeugen wie crossposter.masto.donte.com.br oder Moa Bridge. Netzolitik.org weist jedoch darauf hin, dass diese Tools aktuell starkes Wachstum verzeichnen und so auch an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen können – Geduld ist also gefragt.

Weitere Artikel

In diesen Artikeln gibt es weitere hilfreiche Tipps und Erklärungen zu Mastodon und den ersten Schritten dort.

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