Audio-Aufnahme und -Bearbeitung: Unsere Tools-Auswahl Teil 15

Gezeichneter Laptopbildschirm auf einem Schreibtisch, auf dem die Logos der Audio-Bearbeitungsprogramme Audacity, Tenacity, Ardour und Hindenburg zu sehen sind. Darüber die Schrift "Tools-Auswahl"
Bild: Melanie Matutis – Clearingstelle Medienkompetenz (unter Verwendung der Logos von Audacity, Tenacity, Ardour und Hindenburg)

Seit über fünf Jahren pflegt die Clearingstelle Medienkompetenz eine Mindmap mit einer ständig erweiterten Übersicht über Tools, Apps, Plattformen und Links. Aber bei mittlerweile über 450 Links geht der Überblick schon mal verloren: Was soll ich nehmen? Was ist empfehlenswert – nicht zuletzt unter Datenschutz-Gesichtspunkten? Daher präsentieren wir in einer kleinen Artikel-Reihe unsere Favoriten, die sich in den letzten Monaten (oder Jahren) in vielen Veranstaltungen bewährt haben. Der fünfzehnte Teil unserer Reihe legt den Fokus auf nützliche Apps und Programme für die Audio-Aufnahme und -Bearbeitung. Alle bisherigen Beiträge der Tools-Reihe sind am Ende der Seite verlinkt.

Lange Zeit war Audacity der Quasi-Standard, wenn es um die Aufnahme und -Bearbeitung von Audio-Dateien im Non-Profit-Bereich ging. Es ist kostenlos, Open Source und für Windows, Mac OS und Linux erhältlich. Allerdings ist das Programm Anfang 2021 durch die amerikanische Muse Group aufgekauft worden. Dabei gab es einige Aufregung um fragwürdige Änderungen im Datenschutz, was an vielen Stellen zu einem Wegfall der Empfehlung von Audacity führte. Das Management hat aber auf die massive Kritik reagiert und die Telemetrie-Dienste von Google und Yandex nicht weiter eingebunden. Die aktuelle Datenschutz-Erklärung verspricht eine Nutzung der Netzwerk-Funktionen nur für die Suche nach Updates und Fehlermeldungen.
Wer das Programm nutzen möchte, muss aus einem anderen Grund dennoch aufpassen: die Original-Downloads finden sich bei audacityteam.org; alternative Downloads bieten seriöse Anbieter wie heise.de. Die Seite audacity.de suggeriert dagegen nur eine Verbindung zum Programm, bietet aber einen mit Malware verseuchten Installer!

Tenacity

Aufgrund der Kritik an Audacity entstand Tenacity als Ableger (Fork) von Audacity aus dem Quelltext von Audacity im Jahr 2021; die Software wurde mit besonderer Rücksicht auf den Datenschutz weiterentwickelt. Der Audioeditor unterstützt 32-Bit-Qualität und lässt sich durch Plug-ins erweitern, wobei Tenacity die Schnittstellen VST, LV2 und AU unterstützt. Auch wenn die offizielle Website tenacityaudio.org bisweilen nicht erreichbar ist, muss sich niemand eine Version für sein Betriebssystem aus dem Quellcode kompilieren. Denn das Team bietet nach Zusammenschluss mit Saucedacity und Umzug zu Codeberg auf einer eigenen Seite auch jeweils aktuelle Releases (derzeit die Beta-Version von 1.3) für Windows, MacOS und Linux.

Screenshot der tenacity-Website
Screenshot der tenacity-Website (eigener Screenshot)

Ardour

Ardour versteht sich als digitale Audio-Workstation für Aufnahme, Bearbeitung und Mixing mit Schnittstellen für professionelle Plugins (VST, LADSPA, LV2). Die Software orientiert sich am Profi-Programm Pro Tools und erlaubt beliebig viele Audio- und MIDI-Spuren.

Während die Linux-Version sowie der Quelltext kostenfrei erhältlich sind, bedarf es für die Versionen für Windows und macOS einer Einmalzahlung (Spende) oder des Abschlusses eines Abos. Umfang und Dauer der Updates sind dabei vom gewählten Bezahlmodell und Preis abhängig.

Screenshot der Ardour-Website
Screenshot der Ardour-Website (eigener Screenshot)

Weitere Audio-Bearbeitungsprogramme

  • Oceanaudio ist ein kostenloses Programm zur Audio-Bearbeitung, das für Windows, Mac OS X und Linux erhältlich ist.
  • Auch Waveosaur bietet Möglichkeiten zur Audio-Aufnahme und Bearbeitung (WAV und MP3). Die kostenfreie Software kommt ohne Installation aus, verfügt aber sogar über Schnittstellen zu VST-Plugins und ASIO-Treiber. Die letzte (englischsprachige) Version vom Juli 2020 ist als 32- und 64-bit-Variante für Windows verfügbar (Stand: 03/2023).
  • Garageband ist eine kostenlose App für Audio-Aufnahmen, die es allerdings nur für iOS gibt.
  • Nur für Android hingegen erhältlich ist die kostenlose App für Audio-Aufnahme und -Bearbeitung WaveEditor.

Podcasting und Hörbücher

Konkret für die Aufnahme und Verbreitung von Podcasts bieten sich Programme wie Anchor an. Die kostenlose App für Apple und Android hat Anbindung an Plattformen zur Veröffentlichung. Das Tool gehört zur Spotify und unterliegt den Datenschutzbestimmungen des Unternehmens. Zur Nutzung ist eine Registrierung nötig. Spreaker Studio ist eine weitere kostenlose Android-App zur Podcast-Produktion.

Hindenburg hingegen ist eine professionelle, kostenpflichtige Audioschnitt-Software mit Fokus auf Podcasting. Es gibt Rabatte für Bildungseinrichtungen, die grundsätzlich die Pro-Version erhalten. Für Einzelanwender:innen gibt es eine Lite-Version mit einigen Funktionseinschränkungen. Die Software ist verfügbar für Mac und Windows und kann 30 Tage uneingeschränkt getestet werden. Von Hindenburg ist mit Narrator eine spezielle, ebenfalls kostenpflichtige Software zur Herstellung von Hörbüchern (Audiobooks) verfügbar. Die Ergebnisse können für alle verbreiteten Hörbuch-Formate ausgegeben werden. Eine uneingeschränkte Testversion für 30 Tage ist verfügbar.

Schließlich bietet Zencastr (nicht zu verwechseln mit der Podcast-Plattform Zencast!) die kostenlose Möglichkeit, bis zu zwölf Teilnehmende online in einen bis zu zwei Stunden dauernden Podcast einzubinden – und das bei hoher Audioqualität.

Noch mehr Tools:

 

Edit 27.03.2023: Links und Formulierungen zu Audacity überarbeitet nach Hinweisen durch den Entwickler.

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