App an: Augen zu, Ohren auf!

Nahaufnahme: ein Kind hält sich die Hand zum Ohr, damit es besser hören kann.
Bild: © Finanzfoto – Fotolia.com

Geräusche-Quiz schult auditive Wahrnehmung

Stellen Sie sich mal eine Tankstelle vor. Wie sieht sie aus? Wie riecht es dort?  Und: Wie hört sich eine Tankstelle an? Auf die ersten beiden Fragen lassen sich schnell Antworten finden: Ein leuchtendes Tankstellen-Dach, Zapfsäulen und ein Kassenhäuschen, begleitet von einem stechenden Benzingeruch. Aber wie hört sich eine Tankstelle an? Nehmen wir alltägliche Geräusche noch wahr und können sie sicher zuordnen? Können wir uns auf unsere Ohren überhaupt noch verlassen?

Mit der Ohrenspitzer-App, einem Geräusche-Quiz, können Sie genau das testen: Spielerisch können die eigenen Ohren und die Orientierung durch den Hörsinn getestet werden. Ziel ist es, das aktive Zuhören zu fördern, denn Zuhören geht über die rein physiologische Fähigkeit des Hörenkönnens hinaus. Zuhören ist Bestandteil des Kommunikationsprozesses, der dazu dient Bedeutung herzustellen. Diese Unterscheidung, zwischen dem Hörenkönnen und dem aktiven Zuhören, wird als auditive und auditive Wahrnehmung bezeichnet. Die Fokussierung auf die Sensomotorik berührt eine Dimension der Medienkompetenz, die häufig vernachlässigt wird: die Ästhetische Kompetenz.

Aus fünf Kategorien, z.B. Haushalt, Tiere und Verkehr, können die Spieler des Quiz Geräusche auswählen. Dabei können sie zwischen fünf Schwierigkeitsstufen wählen: Je schwieriger das Geräusch, desto mehr Punkte gibt es. Das Hundegebell in der Kategorie „Tiere“ ist schnell erraten, für das richtige Erraten gibt es hier 20 Punkte. Die Brotschneidemaschine in der Kategorie „Haushalt“ ist dagegen schon etwas kniffliger, dafür gibt es aber auch 80 Punkte. Kindern wird die intuitive Bedienung erleichtert, da sich die App nur weniger Worte bedient und zur Auflösung der Geräusche Fotos zum Einsatz kommen. Auch Erwachsenen ist die Oberfläche schnell vertraut, schließlich ist diese ganz im Stile der legendären Risiko-Wand von Wim Thoelke.

 

Zielgruppe sind Kinder (und Erwachsene) ab fünf Jahren, gespielt werden kann in den zwei Variationen leicht (für 5- bis 8jährige) und schwer (ab ca. 8 Jahren). Mindestens zwei Spieler treten gegeneinander an. An einen Beamer angeschlossen, ist das Quiz auch als Gruppenspiel für Schulklassen und Kindergruppen geeignet. Spielen die Kinder alleine, ohne Moderator, tippen sie ihre Lösung selbst ein. Da aber das Zuhören im Mittelpunkt steht und Frustrationen durch Rechtschreibfehler vermieden werden sollen, sind in der Datenbank Varianten mit „Tippfehlern“ hinterlegt. Diese Datenbank wird ständig erweitert. „Das Spiel, macht ganz besonders viel Spaß, wenn Kinder gegen Erwachsene antreten. Aber auch die Kinder in den Schulklassen wollten immer wieder spielen“, so Birgit Hock von der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS) über die bisherigen Erfahrungen mit der App.

Der Einsatz der App in der Schule hat, über die Schulung der auditiven Wahrnehmung hinaus, noch einen Mehrwert: Die Internetnutzung über mobile Endgeräte nimmt rasant zu. Diese sinnvoll einzusetzen ermöglicht es auch schon den jüngeren Mediennutzern Erfahrungen mit dem Umgang mit Apps zu sammeln. Dass dieses Geräusche-Quiz, auf dem die App basiert, sinnvoll ist, darüber hat SIN – Studio im Netz e.V. befunden und die Stiftung MKFS dafür mit dem „Pädi“-Gütesiegel ausgezeichnet.

Die  Ohrenspitzer-App ist aber nur ein Teil des Projektes „Ohrenspitzer“. Seit 2003 steht die Förderung des aufmerksamen Zuhörens mit unterschiedlichen Methoden im Mittelpunkt. „Ohrenspitzer“ stellt Rezensionen und Bewertungen zu Hörbüchern und -spielen, sortiert nach Zielgruppen und Thema, bereit und passend dazu Hörbögen. Diese enthalten neben Informationen über das Hörspiel, Anregungen zur kreativen Arbeit um die Aufmerksamkeit auf gesprochene Inhalte zu fördern. Darüber hinaus stellt das Projekt Schulen „Hörkoffer“ zur Verfügung. Mit den Materialien, die darin enthalten sind, können Kinder zu aktiven Gestaltern werden, eigene Hörspiele produzieren und auf Geräuschejagd gehen.

Erhältlich ist die kostenlose App in den beiden großen App-Stores von Google und Apple.

 

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