Was macht die KI mit der Medienpädagogik?

Fünftes Alumni-Treffen mit Vorträgen und Barcamp

Die vier frisch zertifizierten Alumni mit Kursleitung
Vier frisch zertifizierte Alumni mit Zertifikaten und Kursleitung. | Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

Rund 25 Teilnehmende aus mittlerweile fünf Kurs-Durchgängen des Zertifikatskurses Medienpädagogische Praxis #mepps trafen sich am 11. und 12. Oktober 2019 im Katholisch-Sozialen Institut (KSI) in Siegburg, um sich gemeinsam über aktuelle Entwicklungen fortzubilden, die für die Medienpädagogik relevant sind, und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.

Ein Novum war in diesem Jahr, dass aus dem im Juni beendeten fünften Kursdurchgang noch vier Projektpräsentationen ausstanden, die zu Beginn des Treffens nachgeholt wurden. Nach den erfolgreichen Projektpräsentationen konnten die vier neuen Alumni ihre Zertifikate in Empfang nehmen.

Um ein Kennenlernen der Teilnehmenden untereinander aus fünf Jahrgängen, verschiedenen Arbeitsfeldern und quer durch das ganze Bundesgebiet, von Kiel bis Rosenheim und von Aachen bis Berlin, zu ermöglichen, leitete Kerstin Heinemann (JFF) ein fachlich wie menschlich grundiertes Speeddating an. Medienpädagogische Kompetenzen kamen dabei erwartungsgemäß leichter ins Spiel als geografische Kenntnisse der Teilnehmenden.

Den ersten Vortrag des Wochenendes hielt die Informatikerin Prof. Dr. Doris Aschenbrenner, Assistant Professor am Department of Design der TU Delft, mit Schwerpunkt Robotik. Sie stellte unter dem Titel „KI – Was ist da dran (für die Medienpädagogik)?“ zunächst einmal grundsätzlich infrage, ob Künstliche Intelligenz (KI) wirklich eine angemessene Übersetzung des amerikanischen Artificial Intelligence (AI) sei. Denn das Erkennen von Mustern könnten entsprechende Maschinen gut – zumindest, solange die Rahmenbedingungen nicht zu komplex werden. Mit Intelligenz oder gar Bewusstsein hat dies aber nichts zu tun. Und was KI überhaupt sei, muss bis auf Weiteres offen bleiben, denn eine konsistente Definition gibt es bislang nicht.

Porf. Dr. Doris Aschenbrenner - KI - was ist dran
Prof. Dr. Doris Aschenbrenner | Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

In praktischen Beispielen konnten die Teilnehmenden lernen, was KI mit Big Data macht und wie Deep Learning funktioniert. Für die Medienpädagogik ist es wichtig, bitte erst einmal zu verstehen, was die Technik kann. Im Übrigen gilt es, denn bleibenden Vorsprung des Menschen zu fördern – und dazu braucht es Bildung. Denn nur so lassen sich die Stärken des Menschen gegenüber den Maschinen bewahren, die auch weiterhin nicht wirklich kreativ sein und etwas Schönes erschaffen können. Auch zu Empathie, Intuition und echter Intelligenz werden Maschinen absehbar nicht fähig sein, so Aschenbrenner.

Von Barcamp bis Neuregelung des Jugendmedienschutzes

Der Samstag wurde eröffnet mit dem mittlerweile traditionellen #mepps-Alumni-Barcamp. Dieses bot wie jedes Jahr Gelegenheit, sich zu aktuellen Fragen und Aufgaben kollegial auszutauschen. Die Themen reichten diesmal von digitalen Tools über Bildung auf Social Media und den Moodle-Einsatz in der außerschulischen Jugendarbeit bis zu einem Crashkurs Sketchnotes und Thesen zu KI und Digitalität.

Den zweiten Vortrag des Wochenendes hielt Dr. Anna Grebe, Leiterin des Projekts Gutes Aufwachsen mit Medien. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und will einerseits Eltern und pädagogische Fachkräfte bei ihrer Erziehungsverantwortung im digitalen Zeitalter unterstützen. Andererseits bietet sie Kindern und Jugendlichen altersgerechte Zugänge zur Medienwelt, z.B. durch Vernetzung geeigneter Seiten für Kinder.

Dr. Anna Grebe - #mepps Alumni KI GamM
Dr. Anna Grebe, Projektleiterin der Initiative „Gutes Aufwachsen mit Medien“ | Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

Grebe stellte das Initiativbüro in Berlin bei der Stiftung Digitale Chancen als zentrale Netzwerkstelle vor sowie die wesentlichen Netzwerk-Partnerinnen, mit denen Angebote wie lokale Netzwerke und Webinare umgesetzt werden.
Mit Blick auf den Jugendmedienschutz forderte sie, diesen vom Kind her zu denken und nicht nur durch regulatorische Maßnahmen umzusetzen. Zu der seit Jahren laufenden Debatte zur Neuregelung des Jugendmedienschutzes stellte sie Vorschläge für bundesgesetzliche Änderungen vor. Dazu gehört neben der Orientierung an der UN-Kinderrechtskonvention vor allem, dass die Alterskennzeichen moderner und nachvollziehbarer sowie Vorsorgepflichten der Anbieter von (digitalen) Medien konsequent durchgesetzt werden.

 

Das Alumni-Trefffen ist ein Angebot für Absolvent*innen des Zertifikatskurses Medienpädagogische Praxis. Diese sind einmal jährlich eingeladen, sich bei einem Treffen mit den vorherigen Jahrgängen zu vernetzen, Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen austauschen, und sich zu jeweils wechselnden Schwerpunktthemen kontinuierlich weiter fortbilden.

Der Zertifikatskurs Medienpädagogische Praxis (#mepps) für Multiplikator*innen ist ein bundesweites Blended-Learning-Angebot der Clearingstelle Medienkompetenz in Kooperation mit dem MedienKompetenzZentrum des Erzbistums Köln im KSI. Mitträger sind die Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) und das Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF). Als Kooperationspartner sind darüber hinaus die Caritas im Ruhrbistum sowie die Freiwillige Selbstkontrolle der Multimediadiensteanbieter (fsm) beteiligt. Der sechste Durchgang ist am 07.10.2019 mit einem Online-Prolog gestartet. Die erste Präsenzphase findet im November 2019 statt. Bewerbungen für den siebten Kursdurchgang sind ab Februar 2020 über einen Online-Bewerbungsbogen möglich.

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