Hi, A.I.

Hi, A.I. - Liebesgeschichten aus der Zukunft - KI
Bild: kfw

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:

Ein Film von Isa Willinger

Länge: 88 Minuten

Erscheinungsjahr, Produktionsland: 2019, Deutschland

Produktion: Kloos & Co. Medien

empfohlen ab 14 Jahren (FSK 12)

Schuljahre: Sekundarstufe I: ab Klasse 8/9 und Sek. II

KI, also Künstliche Intelligenz (engl. Artificial Intelligence, AI) – wird immer mehr zum Thema im gesellschaftlichen Alltag. In Japan werden „humanoide Roboter“, autonome Maschinenwesen, in Hotellobbys, Einkaufzentren und Seniorenheimen längst im Dauerbetrieb erprobt. Der bildmächtige und überdies filmhistorisch affine Dokumentarfilm beobachtet das Aufeinandertreffen von Menschen und Maschinen mit großer Aufmerksamkeit, ohne schulmeisterliche oder moralische Besserwisserei, dafür aber mit subtiler Ironie. Am Beispiel einer sprechenden Sexpuppe und eines Androiden spürt der leise Film dem Stand einer Menschheitsrevolution nach, bei der sich auch ethische Fragen im Umgang mit den Maschinenwesen kaum mehr von der Hand weisen lassen. (filmdienst)

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Künstliche Intelligenz
  • Digitalisierung
  • Mensch-Maschine-Kommunikation
  • Algorithmen
  • Wertebildung
  • Datensicherheit

Künstliche Intelligenz als Chance?

Denkende Maschinen mit eigenem Bewusstsein, Künstliche Intelligenz (KI) oder soziale Roboter – für Science-Fiction-Liebhaber sind das schon längst vertraute Vorstellungen. Und auch die Realität holt mit großen Schritten auf. Ob in der Automobilindustrie, im Operationssaal oder in Dating-Formaten zur Partnersuche: wir sind umgeben von Algorithmen und lernenden Systemen – und täglich kommen neue hinzu. Schon das Wissenschaftsjahr 2019 widmete sich dem Thema der Künstlichen Intelligenz. Und auch zahlreiche Spielfilme haben sich bereits vor Jahrzehnten die Fragen gestellt, die uns heute akut beschäftigen. So etwa der Filmklassiker „Blade Runner“ (1982), in dem ein Androiden-Jäger um einen neuen Blick auf künstliche Menschen ringt. Ähnliche Erfahrungen stehen uns ebenso bevor, glaubt man dem Oscar-nominierten Spielfilm „I, Robot“ mit Will Smith von 2004. Er taucht ein in die Zukunft, in der Mensch und Roboter mit großen Schritten aufeinander zu gehen.

Der vorliegende Film behandelt das konkrete Zusammenleben von Menschen und humanoiden Robotern in unseren Tagen. Dabei stehen im Zentrum Fragen nach der Zukunft des Menschen in einer Welt, in der Robotik und künstliche Intelligenz einmal überall präsent sind. In den zwei Hauptsträngen des Films geht es zum einen um eine ältere Frau, die einen Roboter namens Pepper von ihrem Sohn geschenkt bekommt. Zum anderen ist ein US-Amerikaner mit seiner Roboter-Partnerin auf einen Road Trip durch Kalifornien unterwegs.

Ungeachtet der Frage, ob es so etwas wie künstliche Intelligenz wirklich gibt oder ob es sich dabei nur um einen „Werbebegriff für leistungsfähige Statistiksysteme“ (Jürgen Geuter) handelt: Bereits heute ergänzen, unterstützen und entlasten KI-basierte Anwendungen den Menschen in zahlreichen Tätigkeitsfeldern. Aktuell stellt sich dabei jedoch vermehrt die Frage, wo Grundlagen der Ethik im Bereich Künstliche Intelligenz ansetzen müssen, um Unsicherheiten und Risiken im Umgang damit zu reduzieren. Dieser Herausforderung widmet sich auch der Film „Hi, A.I.“ Schließlich ist das auch der Name einer Roboterfrau im Film.

Zum Einsatz in der (außerschulischen) Medienarbeit mit Jugendlichen:

Wie humanoide Robotik umsetzbar ist, wird uns und alle Beteiligten am Entwicklungsprozess sicher noch eine Weile beschäftigen. Gerade im Bereich der (Fließband-)Produktion finden sich viele Gründe, die einen Einsatz von KI-basierten Anwendungen sinnvoll erscheinen lassen. Allerdings ergibt sich daraus, dass Roboter dem Menschen Arbeit abnehmen, auch die Situation, dass sie ihn überflüssig machen. Angesichts von Prognosen, dass alleine in Deutschland über 3 Millionen Arbeitsplätze entfallen könnten, sind die Diskussionen dazu in der Öffentlichkeit nachvollziehbar. Was macht uns dann eigentlich noch aus und was begründet unseren Vorrang, wenn Maschinen doch effizienter, leistungsfähiger und damit besser zur Erledigung aller möglichen Aufgaben geeignet sind?

Um Bedenken und Ängste bezüglich KI zu reduzieren, müssen die Schnittstellen zwischen Maschine und Mensch transparent gemacht werden. Es muss klar sein, wie ein technisches System zu Entscheidungen und welche Schäden aus eventuellen Fehlentscheidungen resultieren. Letztendlich muss vor allem vereinbart sein, welche Aufgaben eine KI-basierte Anwendung erledigen kann und auch darf und welche eben nicht. Hier ist der Mensch in der Entwicklung der KI in der Verantwortung!

Roboter und KI als Projektionsfläche

Der Film zeigt sehr plastisch, dass wir Wesenhaftigkeit auf die Geräte projizieren und sie mit Namen benennen und sie so „humanisieren“. Damit bietet er zahlreiche Anknüpfungspunkte für die (medien-)pädagogische Arbeit mit Jugendlichen. Es bietet sich sowohl in schulischen als auch außerschulischen Handlungsfeldern an, den Film in voller Länge (88 Minuten) zu sichten. Die Thematik des Films ist gerade für junge Menschen bestens geeignet, sind sie doch von den künftigen (technischen) Entwicklungen direkt betroffen. Außerdem bietet sie ausreichend Diskussionsstoff um der Zielgruppe ins Gespräch zu kommen. Impulsfragen können hierbei sein: Wie „lernen“ Maschinen? Haben sie eigene Rechte? Haben sie ein Bewusstsein und wir haben es nur noch nicht bemerkt? (fragt der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger) Warum ist die Mensch-Maschine-Kommunikation so kompliziert? Woher kommt das Unbehagen, sich eine Zukunft mit humanoiden Robotern vorzustellen?

Zum Einsatz in der Arbeit mit Eltern oder mit LehrerInnen und PädagogInnen:

Schließlich sind diese zum Teil theoretischen, zum Teil praktisch-philosophischen Fragen, die mit dem Film Hi, A.I. verknüpft sind, auch relevant für die Arbeit mit Eltern oder mit LehrerInnen und PädagogInnen. Entsprechende Gesprächsmethoden können analog angewendet werden. Gerade Erwachsene stehen den fortschreitenden Entwicklungen von KI-basierten Anwendungen oft skeptischer gegenüber als junge Menschen. Ein Grund dafür ist u.a., dass die Digitalisierung in allen Lebensbereichen für Heranwachsende heutzutage zur Normalität und Selbstverständlichkeit geworden ist. Für Erwachsene ist dies jedoch etwas biographisch Neues – und sie unterliegen bisweilen dem ahistorischen Fehlurteil, das jeweils Neue bzw. die veränderte Lebenswirklichkeit als Fehlentwicklung gegenüber dem bisher als Normal erlebten zu betrachten.

Andererseits können sie normative Fragen anders einordnen und Entwicklungen wie den digitalen Wandel in einem Gesamtkontext verorten. Und neben aller Technikbegeisterung stellen sie vielleicht eher die zentrale Frage nach der Menschenwürde. Schließlich ist es Aufgabe von Erwachsenen, Eltern, LehrerInnen und PädagogInnen, Kinder und Jugendliche für eine Welt zu qualifizieren, die bis jetzt bestenfalls in Ansätzen bekannt ist. Und dazu benötigen sie ihrerseits eine geklärte Haltung und Werte.

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

  • Die Teilnehmenden überlegen in Einzel- oder Gruppenarbeit, wo uns im Alltag überall Künstliche Intelligenz begegnet. Nach wenigen Minuten der Ideensammlung werden die Ergebnisse laut vorgelesen. Die Gruppe wird erstaunt darüber sein, an wie vielen Orten und Lebensbereichen KI bereits in unserem Alltag vorkommt.
  • Unmittelbar anschließend an den Film kann die Frage gestellt werden, wer mit einer Roboter-Partnerin wie Harmony zusammen sein möchte oder wer für seine Eltern einen Pepper anschaffen würde? Was spricht dafür? Was dagegen? Welche Anforderungen sehen die Teilnehmenden auf sich zukommen? Wo könnten Probleme in der Interaktion und Kommunikation auftreten? Können Roboter tatsächlich Menschen ersetzen – z.B. bei völlig überlasteten Pflegekräften für zusätzliche Interaktion mit den Patienten sorgen?
  • Insbesondere im Ethik- bzw. Religionsunterricht können SchülerInnen sich die Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was sie im Leben wirklich glücklich macht. Die Ergebnisse können anonym in ein Wunschglas gelegt werden, das von der Klasse selbst entworfen wird. Zu Beginn einer jeden folgenden Stunde kann ein Schüler oder eine Schülerin ein Zettel aus dem Wunschglas ziehen und ihn laut vorlesen.
  • Außerdem können die Jugendlichen eine Talkshow inszenieren, in der sie als Befürworter und Gegner von KI-basierten Anwendungen agieren. Bevor es losgeht, sollen sich die TeilnehmerInnen entsprechende Szenarien und Argumente überlegen. Möglich ist auch, die Talkshow mit einer Kamera aufzunehmen und die Bilder anschließend gemeinsam auszuwerten. Alternativ kann die Gruppe in zwei Hälften geteilt werden. Eine Gruppe argumentiert Pro, die andere Contra KI-basierten Anwendungen.
  • Reallife Challenge: das Kartenspiel empfiehlt sich im Rahmen einer Klassengruppe. Hierbei geht es um die Sensibilisierung für die Bedeutung persönlicher Daten und Nutzung von digitalen Spielen. Mehr Informationen dazu unter mekomat.de.
  • Weitere Materialien und Anregungen zum Thema finden sich ebenfalls in unserer Materialdatenbank mekomat.de, z.B. „KI – Künstliche Intelligenz“, „Künstliche Intelligenz: „We Need to Talk, A.I.“, „Machine Learning“oder „Wie wir leben wollen. Chancen und Risiken der digitalen Zukunft“.

Für wen?

LehrerInnen, Eltern und Jugendliche ab 14 Jahren

Bezugsmöglichkeiten:

Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter filmwerk.de möglich. Hier sind ebenfalls einige unterstützende Arbeitshilfen zu finden.

Fazit:

Der Film „Hi, A.I.“ empfiehlt sich außerordentlich gut für die (medienpädagogische) Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen zu den Themen künstliche Intelligenz, Mensch-Maschine-Kommunikation, Digitalisierung, soziale Robotik etc. Ein besonderer Pluspunkt sind die Vielfalt der Themen sowie die thematische Aktualität.

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