Ex Machina

Ex Machina
Bild: kfw

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:

Ein Film von Antti Heikki Pesonen

Länge: 108 Minuten

Erscheinungsjahr, Produktionsland: 2018, Vereinigtes Königreich

Produktion: Andrew Macdonald, Allon Reich

empfohlen ab 12 Jahren, FSK 12

Schuljahre: Sekundarstufe I: ab Klasse 7 und Sek. II

Als Programmierer Caleb in der Firmen-Lotterie einen Besuch beim mysteriösen Chef seines Online-Unternehmens gewinnt, denkt er, er bekommt ein paar Tage Auszeit. Doch Chef Nathan, der zurückgezogenen in einer riesigen, modernen Villa mitten in den Bergen wohnt, hat andere Pläne mit Caleb. Dieser soll einen von Nathan entwickelten und mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Roboter namens Ava darauf testen, ob dieser auch über ein Bewusstsein verfügt. Bald beginnt nicht nur zwischen den Männern ein psychisches Duell.

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Künstliche Intelligenz
  • Mensch-Maschine-Kommunikation
  • Digitalisierung
  • Digitaler Pranger
  • Soziale Robotik
  • Wertebildung
  • Datensicherheit

Alles nur Zukunftsmusik?

Obwohl es für Science-Fiction-Liebhaber schon längst vertraute Vorstellungen sind, wenn denkende Roboter mit eigenem Bewusstsein mit Menschen kommunizieren, sieht die Realität anders aus. Wenn auch die Entwicklungen in den vergangenen Jahren zeigen, dass es für sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend mehr Anwendungsgebiete gibt, wirken humanoide Roboter wie z.B. Atlas, ASIMO oder Pepper oft wie etwas, dessen tatsächliche Etablierung in unserem Alltag noch in einer fernen Zukunft liegt.

Dabei findet sich KI mittlerweile zwecks Sprach-, Text- oder Gesichtserkennung in jedem neueren Smartphone. Auch in Suchmaschinen erleichtern lernende Algorithmen den Umgang mit der im Internet vorhanden Informationsflut; in Bildbearbeitung hilft KI bei komplexen Retuschen. Künstliche Intelligenz ist also keineswegs „Zukunftsmusik“. Sie umgibt uns in unseren Lebensbereichen häufiger als wir denken – und häufiger als wir zu wissen glauben. Ob in der Automobilindustrie, im Operationssaal oder in Dating-Formaten zur Partnersuche: wir sind umgeben von Algorithmen und lernenden Systemen – und täglich kommen neue hinzu. Oft nehmen wir die dahinterliegenden Mechanismen gar nicht als solche wahr. Das liegt mitunter daran, dass vielen das Hintergrundwissen über die verschiedenen Anwendungen fehlt oder sie diese nicht explizit hinterfragen.

Ungeachtet der Frage, ob es so etwas wie künstliche Intelligenz wirklich gibt oder ob es sich dabei nur um einen „Werbebegriff für leistungsfähige Statistiksysteme“ (Jürgen Geuter) handelt: Bereits heute ergänzen, unterstützen und entlasten KI-basierte Anwendungen den Menschen – und das, wie beschrieben, in zahlreichen Tätigkeitsfeldern. Aktuell stellt sich dabei jedoch vermehrt die Frage, wo Grundlagen der Ethik und deren praktische Anwendung bzw. Umsetzung im Bereich Künstliche Intelligenz ansetzen müssen, um Unsicherheiten und Risiken im Umgang damit zu reduzieren. Dieser Herausforderung widmet sich auch der vorliegende Film „Ex Machina“.

Zum Einsatz in der (außerschulischen) Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen

In Ex Machina geht es um das konkrete Zusammentreffen von Menschen und humanoiden Robotern in unseren Tagen. Dabei stehen im Zentrum Fragen nach der Zukunft des Menschen in einer Welt, in der Robotik immer menschenähnlicher wird und Maschinen sogar über ein eigenes Bewusstsein verfügen. Mit dem Einsatz von KI und Maschinen mit eigenem Bewusstsein geht es daher auch immer um ethische Fragen des Robotereinsatzes.

Die Anknüpfungspunkte des Films sind insbesondere für eine jüngere Zielgruppe interessant, denn die Themen von Ex Machina liefern eine spannende Aktualität. Sind es doch gerade Heranwachsende und junge Menschen, welche die (technischen) Entwicklungen im Bereich von KI und sozialer Robotik noch miterleben und –prägen werden. Für sie ist die Digitalisierung in allen Lebensbereichen zur Normalität und Selbstverständlichkeit geworden.

Außerdem bietet der Film ausreichend Diskussionsstoff, um mit der Zielgruppe ins Gespräch zu kommen. Impulsfragen können hierbei sein: Wie „lernen“ Maschinen? Haben sie eigene Rechte? Haben sie ein Bewusstsein und wir haben es nur noch nicht bemerkt? (fragt der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger). Warum ist die Mensch-Maschine-Kommunikation so kompliziert? Woher kommt das Unbehagen, sich eine Zukunft mit humanoiden Robotern vorzustellen? Die Informatikerin Katharina Zweig von der TU Kaiserslautern schreibt zu der Frage, ob es eine starke KI überhaupt geben wird, „dass die Antwort auf diese Frage nahezu irrelevant ist: Wir müssen uns der Diskussion stellen, ob es sie geben sollte“1.
Auch die Rolle von Caleb kann näher beleuchtetet werden. Zwar ist er ein kluger Programmierer, aber wie steht er dem scheinbar übermächtigen Nathan oder der charmant-raffinierten Ava gegenüber? Sieht er vielleicht bei aller technischen Begeisterung auch die Bedrohung, die von einer derart weit fortgeschrittenen Künstlichen Intelligenz ausgeht?

Zum Einsatz in der Arbeit mit Eltern oder mit LehrerInnen und PädagogInnen

Grundsätzlich gelten die Themen des Films auch für die Arbeit mit Eltern oder mit LehrerInnen und PädagogInnen und können analog angewendet werden. Anhand einer Diskussion können einzelne Positionen zu den Aspekten Künstliche Intelligenz, soziale Robotik oder dem Zusammenleben von Mensch und Maschine festgemacht werden. Welche Stellung beziehen sie als Erwachsene bzw. Erziehungsberechtigte zu den technischen Entwicklungen? Was für eine Haltung vermitteln sie ihren Kindern bzw. Schutzbefohlenen?

Im Gegensatz zu einer jüngeren Zielgruppe, können Erwachsene die normativen Fragen, welche mit dem Film verknüpft sind, anders einordnen. Auch Entwicklungen wie den digitalen Wandel können sie in einem Gesamtkontext sehen und verorten. Und neben aller Technikbegeisterung stellen sie vielleicht eher die zentrale Frage nach der Menschenwürde. Schließlich ist es Aufgabe von Erwachsenen, Eltern, LehrerInnen und PädagogInnen, Kinder und Jugendliche für eine Welt zu qualifizieren, die bis jetzt bestenfalls in Ansätzen bekannt ist. Und dazu benötigen sie ihrerseits eine geklärte Haltung und Werte. Auch, wenn die Entwicklungen diesbezüglich für Erwachsene jeweils neu sind, sollten sie nicht dem Fehlurteil unterliegen, veränderte Lebenswirklichkeiten als Abweichung oder Fehlentwicklung zu sehen. Ein generelles Ziel sollte darin bestehen, für eine fundierte ethische (und theologische) Bewertung der ― nicht nur technischen ― Entwicklungen einzutreten. Damit ergeben sich unmittelbar Ansätze für eine wertorientierte medienpädagogische Bearbeitung.

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

Wunschglas

Insbesondere im Ethik- bzw. Religionsunterricht können SchülerInnen sich die Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was sie im Leben wirklich glücklich macht. Die Ergebnisse können anonym in ein Wunschglas gelegt werden, das von der Klasse selbst entworfen wird. Zu Beginn einer jeden folgenden Stunde kann ein Schüler oder eine Schülerin ein Zettel aus dem Wunschglas ziehen und ihn laut vorlesen.

Roboter gefällig?

Unmittelbar anschließend an den Film kann die Frage gestellt werden, wer mit einer Roboter-Partnerin wie Ava oder Kyoko zusammen leben möchte? Was spricht dafür? Was dagegen? Welche Anforderungen sehen die Teilnehmenden auf sich zukommen? Wo könnten Probleme in der Interaktion und Kommunikation auftreten? Können Roboter tatsächlich Menschen ersetzen – z.B. bei völlig überlasteten Pflegekräften für zusätzliche Interaktion mit den Patienten sorgen?

Wo überall?

Die Teilnehmenden überlegen in Einzel- oder Gruppenarbeit, wo uns im Alltag überall Künstliche Intelligenz begegnet. Nach wenigen Minuten der Ideensammlung werden die Ergebnisse laut vorgelesen. Die Gruppe wird erstaunt darüber sein, an wie vielen Orten und Lebensbereichen KI bereits in unserem Alltag vorkommt.

Passende Materialien

Weitere Materialien und Anregungen zum Thema finden sich ebenfalls in unserer Materialdatenbank mekomat.de, z.B. „KI – Künstliche Intelligenz“, „Künstliche Intelligenz: We Need to Talk, A.I.“, „Machine Learning“oder „Wie wir leben wollen. Chancen und Risiken der digitalen Zukunft“. Zudem lassen sich bei dem vorliegenden Film thematische Parallelen erkennen zu unser Filmtipp „Hi, A.I.“ (Februar 2020). In Letzterem geht es um das konkrete Zusammenleben von Mensch und Maschine in unseren Tagen.

Für wen?

LehrerInnen, Eltern, Jugendliche ab 12 Jahren

Bezugsmöglichkeiten:

Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter oekumenischer-medienladen.de möglich. Hier sind ebenfalls einige unterstützende Arbeitshilfen zu finden.

Fazit:

Der Film „Ex Machina“ erzählt eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt. Denkende Maschinen mit eigenem Bewusstsein und soziale Robotik: was bislang hauptsächlich für Science-Fiction-Liebhaber vertraute Vorstellungen sind, könnte bald zur Realität werden. Durch die thematische Aktualität und die Vielfalt der Themen empfiehlt sich Ex Machina außerordentlich gut für die (medienpädagogische) Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen zu den Themen künstliche Intelligenz, Mensch-Maschine-Kommunikation, Digitalisierung, soziale Robotik etc.

 


1 Zweig, Katharina (2019): Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl. Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können. München: Heyne 2019, 270. (zurück nach oben)

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