Welcome to Sodom – dein Smartphone ist schon hier

Welcome to Sodom (Ausschnitt Titelbild)
Bild: kfw

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:
Ein Film von Florian Weigensamer und Christian Krönes
Länge: 92 Minuten
Produktion: Blackbox Film & Medienproduktion GmbH
Empfohlen ab 14 Jahren, FSK 6
Schuljahre: Sekundarstufe I: ab Klasse 9 und Sekundarstufe II

Smartphones, Laptops und smarte Fernseher sind mittlerweile feste Bestandteile in unserem alltäglichen Leben. Und die Entwicklungen rund um die verschiedenen Geräte sind in den letzten Jahren unglaublich schnell vorangeschritten. Immer wieder kommen neue Modelle mit neuen Funktionen auf den Markt, was dazu verleitet, alte Geräte durch neue ersetzen zu wollen.

Doch was passiert eigentlich mit den elektronischen Geräten, die wir nicht mehr brauchen und wegwerfen? Wie und wo werden diese entsorgt? Das meiste landet auf Müllhalden für Elektroschrott; Müllhalden wie Sodom. Der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ gibt Einblicke in das Leben derer, die versuchen durch die Arbeit im Wohlstandsmüll ihr Überleben zu sichern. Im Fokus stehen dabei weniger die Mechanismen des illegalen Elektroschrotthandels, sondern vielmehr die Lebensumstände und Schicksale einzelner Menschen. Der Titel des Films verweist auf die biblische Erzählung von Sodom und Gomorrha (Gen 18-19), zwei Städte, die aufgrund der Sünden ihrer Bewohner von Gott vernichtet werden.

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Digitalisierung
  • Globalisierung
  • Konsum
  • Wegwerfgesellschaft
  • Recycling, Nachhaltigkeit
  • Umweltzerstörung
  • Menschenrechte

Zum Einsatz in der (außerschulischen) Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen:

Umweltschutz, Klimawandel und Nachhaltigkeit sind heutzutage als gesellschaftliche Themen verbreitet und akzeptiert wie noch nie. Immer häufiger gehen vor allem junge Menschen auf die Straße, um ein Zeichen gegen den Klimawandel und für Nachhaltigkeit zu setzten.

In Deutschland ist es eine Selbstverständlichkeit, immer die Wahl zwischen einer Vielzahl von verschiedenen Produkten und Angeboten zu haben. Dabei ist es egal, ob es sich um Lebensmittel oder Elektrogeräte handelt. Laut The Global E-Waste Monitor 2017 produzierte allein Deutschland 1,9 Millionen Tonnen an Elektroschrott. Das sind 22,8 kg Kilogramm pro Einwohner! Und dabei ist vielen bei dessen Entsorgung gar nicht bewusst, welche negativen Folgen der hohe Konsum für andere nach sich zieht. Denn was passiert mit meinem Smartphone oder meiner Mikrowelle, nachdem ich diese entsorgt habe? Wird das meiste nicht recycelt?

Der Film thematisiert genau diese Fragen und die mit unserem Konsumverhalten verbundenen negativen Auswirkungen für andere, vor allem für diejenigen Menschen, die auf Mülldeponien wie Sodom arbeiten. Sie sind die Verlierer der digitalen Revolution. Dabei werden neben Themen wie Digitalisierung, Umweltverschmutzung auch Themen wie etwa Religion und Sexualität angesprochen. So schafft der Film auch in Bezug zu Menschenrechten ein realistisches und klares Bild. Dadurch bietet er zahlreiche Anknüpfungspunkte für die thematische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Handlungsraum.

Unser Konsum und die Folgen

Durch gezielte Fragestellungen können Diskussionen und Debatten angeregt und Kinder und Jugendlichen für wichtige Themen sensibilisiert werden. So kann zum Beispiel im Klassenverband erörtert werden, welche Bewegungen, es auch im näheren Umfeld, aktuell gibt (z.B. „Fridays for Future“). Dabei sollten die konkrete Meinung bzw. Haltung und die Ziele der Bewegung im Mittelpunkt stehen. Mit Blick auf Nachhaltigkeit können konkrete Fragen formuliert werden, z.B. wie schädlich ist Plastik für die Umwelt und wie kann ich meinen Plastikmüllanteil reduzieren? Wie können wir dazu beitragen, dass Deponien wie Sodom überflüssig werden?

Rund um die Themengebiete wäre es zudem denkbar, ExpertInnen einzuladen. Sie bieten Kindern und Jugendlichen einen direkten Bezug zum jeweiligen Thema und ermöglichen einen noch intensiveren Einblick hinter die Arbeit rund um Recycling oder Bewegungen wie „Fridays for Future“.

Schließlich haben Kinder Freude an Making-Aktivitäten, bei denen durch Upcycling aus vermeintlichem Müll nützliche neue Geräte oder Kunstgegenstände gebastelt werden.

Zum Einsatz in der Arbeit mit Eltern oder mit LehrerInnen und PädagogInnen:

Nachhaltigkeit ist auch bei Erwachsenen ein Thema und so beschränkt sich die Einsatzmöglichkeit des Films keineswegs nur auf die Zielgruppe der Heranwachsenden. Denn auch Erwachsene nutzen digitale Endgeräte und bestimmen durch ihr Kaufverhalten das Angebot. Hinzu kommt, dass Eltern, LehrerInnen und PädagogInnen wichtige Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche sind. Daher sollten Erwachsene in der Lage sein, in Bezug auf eine nachhaltige Lebensweise als Vorbild agieren zu können.

Auf Mekomat.de finden sich dazu passende Materialien, die dabei helfen können, mit Jugendlichen die Themen des Films anzusprechen bzw. zu bearbeiten, wie z.B. die Broschüre: „Das Leben eines Smartphones“ oder auch unser Artikel zum Thema „Nachhaltigkeit beim mobilen Alleskönner“.

Anknüpfungspunkte für die aktive Medienarbeit:

  • Unmittelbar vor der Sichtung des Filmes überlegen die Teilnehmenden, wer Zuhause welche digitalen bzw. elektronischen Haushalts- oder Kommunikationsgeräte hat und wie viele davon in letzter Zeit durch neuere Modelle ersetzt wurden. Anschließend und als Einleitung zum Film sollen die Teilnehmer ihre Vorstellungen äußern, was mit den alten Geräten ihrer Meinung nach passiert und wo diese letztendlich landen.
  • Denkbar wäre auch ein Besuch auf einem Wertstoff. Dabei kann zum Beispiel jeder selbst etwas zum Verwerten mitbringen, wie etwa ein Stück Kupfer. So erfahren Jugendlichen hautnah, welchen Wert Rohstoffe haben. Gleichzeitig wird deutlich, wie die Standards für Recycling bei uns aussehen – und warum es in anderen Teilen der Welt Deponien wie Sodom gibt.
  • Upcycling ist eine Methode im Kreativ- und Making-Bereich: aus vermeintlichem Müll entstehen attraktive und nützliche neue Gegenstände. Zahlreiche Anregungen finden sich z.B. in der Broschüre „Making-Aktivitäten mit Kindern“.
  • Bye, Bye Alufolie: Nach der Sichtung des Films und der Auseinandersetzung mit dessen Inhalten nehmen sich die SchülerInnen der Klasse eine Challenge bzw. ein Klassenziel vor. Konkret kann es zum Beispiel darum gehen, einen Monat lang keine Alufolie mehr zu verwenden. Weder für die Schulbrote noch zum Abdecken von Speisen. Stattdessen nutzen wir nachhaltige Alternativen wie zum Beispiel Faltenbeutel oder Brotdosen (wenn bereits vorhanden). Nach einem Monat oder nach der Hälfte der Zeit erfolgt eine Auswertung und Reflexion der TeilnehmerInnen. Ein mögliches Ergebnis könnte sein, künftig in der Schule auf Alufolie oder Plastik komplett zu verzichten.

Filmische Methoden

  • Produzieren eines Erklärvideos: In Gruppen von drei bis fünf Personen überlegen sich die SchülerInnen eine Methode und ein inhaltliches Konzept, zu dem sie selbst ein Erklärvideo entwickeln können. Bereits mit wenigen Hilfsmitteln können die SchülerInnen ein informatives und gelungenes Erklärvideo erstellen. Eine möglichst einfache Methode ist die sogenannte „Legetrick-Technik“. Dafür müssen zunächst Zeichnungen, Bilder oder Gegenstände z.B. aus Knetgummi oder ähnlichen Materialien erstellt werden, welche dazu geeignet sind, das Thema visuell zu vermitteln. Alternativ lassen sich auch Lego- oder Playmobil-Figuren nutzen. Anschließend werden die Materialien in den Aufnahmebereich einer laufenden Kamera gelegt, verschoben bzw. wieder entfernt. Parallel fungiert eine weitere Person als SprecherIn, welche/r den Themeninhalt vorträgt. Es ist auch möglich, den Sprechtext separat aufzunehmen und dem Video später hinzuzufügen. Für diese Methode benötigt man lediglich eine Kamera (ggf. über Smartphone oder Tablet), Stifte und Papier. Ein Stativ ist von Vorteil. Folgende Themen könnten dabei zur Auswahl stehen: Nachhaltigkeit, Elektroschrott, Wegwerfgesellschaft, Konsumverhalten etc.
  • Alternativ können die Teilnehmenden gemeinsam einen Kurzfilm nach der Stop-Trick-Methode erstellen. Dazu werden Gegenstände, Figuren oder Bilder bzw. Zeichnungen im Sichtfeld der Kamera positioniert und fotografiert. Nach jeder Veränderung der Position einer Figur fotografieren wir das dadurch neu entstandene Bild.

Für wen?

LehrerInnen, Eltern und Jugendliche ab 14 Jahren

Bezugsmöglichkeiten:

Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter filmwerk.de möglich. Hier sind ebenfalls einige unterstützende Arbeitshilfen zu finden.

Fazit:

Die Idee der Nachhaltigkeit aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen rückt ebenso wie Klimaschutz immer stärker in unser Bewusstsein. Dafür sorgen nicht zuletzt globale Bewegungen wie die der „Fridays for Future“, welche von SchülerInnen und Studierenden ausgeht, die möglichst umfassende, zeitnahe und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen fordern. Zudem scheint allmählich ein Umdenken in der Gesellschaft stattzufinden. Auch hier fließen Aspekte der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes bei einem Produkt immer stärker in die Kaufentscheidung mit ein. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die aufgezeigten Entwicklungen ebenfalls flächendeckende Veränderungen bei den Herstellern hervorrufen werden.

Welcome to Sodom eignet sich mit seiner aktuellen und spannenden Thematik zum Einsatz in der schulischen sowie außerschulischen Medienarbeit und in der Arbeit mit PädagogInnen, um über die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Wegwerfgesellschaft etc. ins Gespräch zu kommen.

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