Nachhaltigkeit beim mobilen Alleskönner?

Mini-Bauarbeiter auf einem Smartphone-Bildschirm
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Im September 2017 stellte Apple, die 2007 als „Erfinder“ des Smartphones wesentlich zur mobilen Kommunikation beitrugen, sein neuestes Gerät, das iPhone 8 vor. Noch am selben Abend wurde bereits das Erscheinen des rundum erneuerten iPhone X für November 2017 angekündigt. Die Konkurrenz ist ähnlich schnell mit ihren Neuerscheinungen. Beim Kunden wird zwar teilweise über den raschen Wandel gewitzelt, trotzdem legen viele Wert darauf, auf dem jeweils aktuellen Stand der Technik zu bleiben – zumal Updates der Betriebssysteme teilweise für zwei Jahre alte Geräte von den Herstellern nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Welche Auswirkungen diese Form der Wegwerfgesellschaft für die Natur und deren Ressourcen hat bleibt dabei leider zweitrangig.

Erschreckende Entwicklung

Durch den rasanten technischen Fortschritt sowie schnell wechselnde Interessen und Modeerscheinungen, beispielsweise Smartphones mit abgerundeten Kanten, à la Galaxy S8, verlieren technische Geräte bereits wenige Wochen nach dem Erscheinen aufgrund der schnellen Innovationszyklen rapide an Wert. Fast jeder Zweite tauscht sein noch funktionstüchtiges Smartphone gegen ein leistungsstärkeres Modell und jeder Vierte aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes. Inzwischen ist die tatsächliche Nutzungsdauer eines Smartphones auf ca. zwei Jahre gesunken. Dies entspricht nicht einmal mehr der Zeit, die für die Entwicklung des Modells benötigt wird. Dieses Konsumverhalten fordert einen immensen Rohstoffeinsatz, der weit über die eigentliche Produktion hinausgeht und der Umwelt einen irreparablen Schaden zufügt.

In einem gewöhnlichen Smartphone sind um die 60 verschiedene Stoffe verarbeitet. Hierrunter fallen viele wertvolle Metalle, beispielsweise Kupfer, Palladium, Gold und Silber sowie das Element Silizium, welches in bestimmten Sanden vorkommt. Abgebaut werden diese Rohstoffe hauptsächlich in Entwicklungs- und Schwellenländern. Um an die Materialien zu gelangen werden Wälder großflächig gerodet, ganze Gesteinsschichten weggesprengt und giftige Chemikalien zum Auslösen der gewünschten Materialien aus der umgebenden Erdschicht eingesetzt. Hinzu kommt der Energieeinsatz zur Aufbereitung, der Produktion und der späteren Verwendung sowie der Brennstoffeinsatz für den Transport. Die Seite wissenschaftsjahr.de errechnet unter Einbeziehung all dieser Faktoren für ein einzelnes Smartphone einen Gesamtressourcenverbrauch von 44 kg an Materialien.

Neben der Ausbeutung der Umwelt auf der Suche nach verwertbaren Ressourcen ergibt sich ein weiteres Problem bei dem ständigen Smartphonewechsel: Was geschieht mit den älteren, zum Teil noch funktionstüchtigen Geräten? Mehr als ein Drittel verbleiben im Besitz der Nutzer, werden jedoch nicht mehr weiterverwendet. Ein Recycling der seltenen Rohstoffe ist damit nicht möglich. Im schlimmsten Fall landen die Altgeräte im Müll und belasten dadurch zusätzlich die Umwelt, da die verbauten Materialien größtenteils nicht auf natürlichem Wege abgebaut werden können.

Gibt es eine Alternative?

Unter ökologischen Gesichtspunkten ist diese Entwicklung nur schwer hinnehmbar. Doch was können die Smartphoneentwickler und vor allem wir als Endverbraucher dagegen tun? Die einfachste Antwort darauf wäre die Umstellung unseres Kauf- und Nutzungsverhaltens, was jedoch bei breiten Teilen der Bevölkerung nur schwer durchsetzbar wäre.

Ein einfacherer Schritt in die richtige Richtung wäre nicht genutzte Geräte, die noch funktionstüchtig sind weiter zu verkaufen. Was für den einen „alt“ ist, kann für den nächsten „neu“ werden. Zahlreiche Ankaufstellen existieren bereits im Internet oder als lokale Händler.

Zu alte oder defekte Geräte müssten konsequent gesammelt werden, um die seltenen, verbauten Ressourcen zu recyclen. Hierfür gibt es schon eine Menge möglicher Anlaufstellen. Recyclinghöfe, Elektronikfachgeschäfte und sogar manche Mobilfunkanbieter nehmen die Altgeräte an und sorgen für eine korrekte, umweltfreundliche Entsorgung. Die USA gehen dabei mit gutem Beispiel voran. Dort besteht in manchen Supermärkten die Möglichkeit, alte Smartphones an einer Art Pfandautomat abzugeben. Anschließend wird ein Rabatt für den nächsten Handykauf gewährt oder ein bestimmter Betrag ausgezahlt.

Weiterhin besteht die Möglichkeit in regelmäßigen Abständen an Handy-Spendenaktionen teilzunehmen. Hier arbeiten vor allem Mobilfunkanbieter mit namhaften Umweltorganisationen zusammen. Für jedes gesammelte Handy oder Smartphone kommt dabei ein bestimmter Betrag dem Umweltschutz zu Gute.

Doch die vielversprechendste Alternative zum Schutze der Umwelt liegt in den Händen der Hersteller: das modulare Smartphone. Seit Jahren ging der Trend hin zur Herstellung von „Smartphones aus einem Guss“. Letztendlich kann mittlerweile kaum noch ein Akku oder eine Speicherkarte vom Nutzer einfach gewechselt werden.  Dadurch werden Reparaturen und Aufrüstungen unnötig kompliziert und nur für erfahrene Bastler mit Spezialwerkzeugen durchführbar. Häufig lohnt es sich deswegen nicht für den Nutzer, einen defekten Bestandteil zu ersetzen. Bei modularen Smartphones könnten defekte oder technisch überholte Teile leicht ausgetauscht werden, was die Nutzungsdauer stark verlängern könnte. Außerdem wäre es dadurch möglich, das Smartphone immer wieder den Präferenzen der Nutzer anzupassen. Somit wäre ebenfalls eine Individualisierung des Smartphones möglich, welche auch die Modekäufer ansprechen könnte. Vorreiter auf diesem Markt ist das Fairphone, welches durchaus ein konkurrenzfähiges Produkt zu den bekannten Marktführern und Newcomern stellt. Leider hinkt zur Zeit bei der ökologischen Alternative die Weiterentwicklung und die Up-to-date-Setzung den Anderen hinterher. So wurde beispielsweise erst im April 2017 auf ein neues Betriebssystem geupdated. Diese Version existierte jedoch bereits bei anderen Modellen seit ca. anderthalb Jahren und wurde inzwischen schon zwei Mal geändert.

Fazit

In den kommenden Jahren wird der Nachhaltigkeitsgedanke aufgrund der Endlichkeit der Ressourcen weiterhin an Bedeutung gewinnen. Zudem scheint allmählich ein Umdenken in der Gesellschaft stattzufinden. Auch hier spielt die Nachhaltigkeit eines Produktes immer stärker in die Kaufentscheidung mit ein. Unter diesen Gesichtspunkten bleibt abzuwarten, ob diese Entwicklung ebenfalls Veränderungen in der Wirtschaft hervorrufen kann.

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