Check dein Profil, bevor es andere tun

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Bild: Eigener Screenshot

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:

Ein Film von Felipe Ascacibar
Länge: 1 Minute
Erscheinungsjahr, Produktionsland: 2011, Deutschland
Produktion: element e
empfohlen ab 11 Jahren
Schuljahre: Sekundarstufe I ab Klassenstufe 5/6 sowie Sek. II

In diesem kurzen Videoclip wird einem Bewerber ein Online-Post zum Verhängnis. Der junge Mann namens Tobias wird, als er die Tür zum Vorstellungsgespräch öffnet, mit seinem personifizierten zurückliegenden Profileintrag konfrontiert. Auch wenn der Spot schon etwas älter ist, regt er zu einer Auseinandersetzung mit den Themen kompetenter Umgang mit sozialen Netzwerken, Privatsphäre und Datenschutz sowie (Selbst-)Darstellung in Social Media an, welche damals wie heute für eine altersunabhängige Zielgruppe interessant und geeignet sind.

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • (Selbst-)Darstellung in Social Media
  • Privatsphäre
  • Datenschutz
  • Soziale Netzwerke
  • Jugendmedienschutz
  • Medienkompetenz

Soziale Netzwerke immer beliebter

Für Heranwachsende sind Soziale Netzwerke längst ein zentraler Bestandteil ihres Lebens. Durch die COVID-19-Pandemie ist die Bedeutung von Social Media für deren Lebenswelt zusätzlich gestiegen. Das lässt sich unter anderem an der erhöhten Nutzungshäufigkeit verschiedener Online-Dienste erkennen. So nutzen laut der aktuellen JIM-Studie 2020 72 Prozent der Jugendlichen in Deutschland mindestens mehrmals in der Woche Instagram, was einen Zuwachs von acht Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Daneben verzeichnen auch Twitter, Snapchat oder Pinterest jeweils deutliche Steigerungen der Nutzungshäufigkeit. Die größte Steigerung weist jedoch der Online-Dienst TikTok auf, welcher 2020 einen Anstieg von 19 Prozentpunkten in der regelmäßigen Nutzung verzeichnete. Die Gründe für die erhöhte Nutzung von Social-Media-Diensten liegen insbesondere in den Auswirkungen der Corona-Pandemie, welche zu Lockdowns, Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen und Homeschooling führte. Dass dies mit veränderten Nutzungsweisen von Online-Diensten und Social Media einherging, ist kein Zufall: Denn gerade für Heranwachsende bedeutet die Nutzung Sozialer Netzwerke Identitäts- und Beziehungsmanagement.

Junge Menschen waren von den coronabedingten Einschränkungen besonders betroffen. Durch den Wegfall von sozialen Kontakten im Alltag (Schule, Freundeskreis etc.) und die Schließung von (öffentlichen) Bewegungsräumen wie Spiel-, Sport- und Treffplätzen, wurden sie – letztlich wie Erwachsene auch – auf die digitalen Möglichkeiten verwiesen, um ihren Bedürfnissen nachzukommen. Das betrifft insbesondere den Wunsch und das Bedürfnis nach Selbstdarstellung, Aufbau und Erhalt von Freundschaften, Kommunikation u.v.m. Im Gegensatz zu Erwachsenen befinden sich Heranwachsende in einer Lebensphase, welche in besonderer Weise durch Veränderungen, Entwicklungen und Übergänge, vor allem mit Blick auf Identität und Beziehungen, geprägt ist.

Warum sind soziale Netzwerke so beliebt?

Soziale Netzwerke unterstützen und begleiten junge Menschen bei der Bewältigung dieser Übergänge und sogenannter Entwicklungsaufgaben. Genau darin liegt auch der Grund, weshalb die verschiedenen Dienste bei Heranwachsenden so beliebt sind. Denn soziale Netzwerke kommen den natürlichen Interessen von jungen Menschen entgegen. Zum einen bieten sie eine Plattform, auf der sie sich selbst darstellen und präsentieren können. Das ermöglicht – zum Teil spielerisch bzw. experimentell – Identitätsbildung und die Erfahrung von Anerkennung durch andere. Gleichzeitig können sie Nutzer:innen mit gleichen Interessen kennenlernen, sich austauschen und vernetzen. Dadurch sind sie nicht mehr von lokalen Gegebenheiten oder ihrem direkten sozialen Umfeld abhängig.

Social-Media-Plattformen bewirken so deutliche Freiheitsgewinne und bieten den Nutzer:innen Handlungs- und Entscheidungsfreiheiten. Das spricht gerade das Bedürfnis nach Autonomie, Orientierung und Selbstwirksamkeitserfahrung von Heranwachsenden an. Damit wird nochmals deutlich, warum Social-Media-Dienste während Corona so beliebt waren.

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit jener Plattformen ist, dass diese vom Grundgedanken her erwachsenenfreie Räume darstellen, wo Heranwachsende sich ausprobieren können, ohne sich der Bewertung erwachsener Personen „aussetzen zu müssen“. Deutlich wird dies u.a. an den Veränderungen der Altersstruktur der Nutzer:innen sozialer Netzwerke: War noch vor ca. 10 Jahren Facebook bei Jugendlichen das beliebteste Netzwerk (vgl. JIM 2011, S. 48), so sind diese – wie oben beschrieben – längst zu anderen Netzwerken gewechselt. Soziale Netzwerke sind also wesentlich auch entwicklungsfördernde Medien.

“Für jede:n ist was dabei”

Neben den genannten gibt es noch viele weitere Aspekte, warum Kinder und Jugendliche dermaßen von sozialen Netzwerken fasziniert sind und was sie veranlasst, auch teils sehr persönliche Informationen von sich preiszugeben. Letztlich sind diese Angebote immer multi-funktionell ausgelegt. Das bedeutet, dass sie durch die verschiedenen Möglichkeiten der Nutzung und Interaktion nahezu jede Stimmungslage ansprechen. Darin gründet auch das breite Interesse der Nutzer:innen, denn für jede:n ist etwas dabei. Ob man „nur mal eben“ seine aktuelle Stimmung posten oder mit anderen interagieren möchte oder bloß durch die verschiedenen Profile, Gruppen oder Features bzw. Applikationen swipen möchte: Soziale Netzwerke sprechen Emotionen an und rufen sie selbst hervor bzw. verstärken diese. Die Nutzer:innen verbinden diese Gefühle mit den Plattformen und fühlen sich daher besonders zu ihnen hingezogen (vgl. u. a. Lünenborg 2020).

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Zum Einsatz in der (außerschulischen) Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen

Für die thematische Umsetzung mit einer jüngeren Zielgruppe ist es erst einmal wichtig, die zuvor genannten Punkte zu verstehen. Denn darauf aufbauend ergibt sich die Bedeutung von sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche. Demzufolge sollte das Ziel nicht etwa darin liegen, ein generelles Verbot solcher Netzwerke gegenüber Heranwachsenden auszusprechen oder diese gar bei der Mediennutzung zu überwachen. Vielmehr sollte der Fokus darauf liegen, sie zu begleiten und aus einem Verständnis heraus für die Motivation von Kindern und Jugendlichen und die Bedeutung jener Dienste für sie mit ihnen über Faszination und Risiken zu sprechen.

Private Angaben in sozialen Netzwerken

Ein Risiko, das auch der Videoclip anspricht, ist der Umgang mit privaten Daten und Informationen in sozialen Netzwerken. Dazu zeigt eine aktuelle Studie von jugenschutz.net (2020, S. 5), dass ein Großteil der Heranwachsenden, welche Social-Media-Plattformen nutzen, selten reflektiert mit dem Thema Privatsphäre umgeht. Dabei sind gerade jünger Nutzer:innen besonders verletzbar, was Gefahren im Netz angeht, weil diese z.B. aufgrund von Unerfahrenheit selbst nur schwer die Folgen ihres Tuns ermessen können.

Aber auch Jugendliche können die Konsequenzen ihrer Handlungen in vielen Fällen nur unzureichend überblicken, solange das eigene Mediennutzungsverhalten unreflektiert bleibt. Egal, ob das das Posten von Inhalten ist, die zu einem späteren Zeitpunkt negativ wirken können (wie im Film) oder das Aufzeichnen und Veröffentlichen von sogenannten „Roomtouren“ oder „Morgen- bzw. Abendroutinen“, bei denen intime Einblicke in die eigenen vier Wände stattfinden.

Es ist wichtig, Heranwachsende bei der sicheren Nutzung von sozialen Netzwerken zu unterstützen und zu begleiten. Dazu ist es unabdingbar, gemeinsam die positiven und negativen Aspekte von privaten Angaben in sozialen Netzwerken zu betrachten. Denn grundsätzlich gilt: Das Netz vergisst nie! Daten, die einmal hochgeladen wurden, können sich rasend schnell verbreiten (viral gehen) und bleiben potenziell für immer im Netz.

Insofern ist eine Auseinandersetzung mit den möglichen Folgen der Preisgabe von persönlichen Angaben zwingend. Denn sie kann dabei helfen, Kinder und Jugendliche zu einer Reflexion ihres eigenen Mediennutzungsverhaltens anzuregen und hinsichtlich der Wahrung ihrer Privatsphäre im Internet zu sensibilisieren.

(Selbst-)Darstellung in Social Media

Neben den Themen Privatsphäre und Datenschutz kann eine Auseinandersetzung jedoch auch in Bezug auf das Thema (Selbst-)Darstellung in Social Media stattfinden. Denn letzten Endes unterscheidet sich die Art und Weise, wie Tobias sich online darstellt, von der, wie er sich im echten Leben gibt. Das ist keine Seltenheit; doch meist geschieht das eher umgekehrt. Neigen doch viele Nutzer:innen von Social Media dazu, sich online von ihrer besten Seite zu zeigen. Das Leben der anderen scheint durch diese Inszenierungen nahezu perfekt und sorgenlos zu sein – so auch in der Werbung. Ein Blick hinter die Kulissen verrät jedoch, dass die Realität oft ganz anders aussieht. Auch darüber kann und sollte mit der Zielgruppe diskutiert werden.

Zum Einsatz in der Arbeit mit Eltern oder mit Lehrer:innen und Pädagog:innen

Wie bereits im vorhergehenden Anschnitt angesprochen, sollten Erwachsene Kinder und Jugendliche in Bezug auf die Nutzung von Social Media begleiten und zu unterstützen. Dabei ist es, angesichts der rasanten Entwicklung und des sich stetig wandelnden Angebots digitaler und sozialer Medien, für Erwachse nicht immer leicht, die Situation zu überblicken. Um trotz dieser Herausforderungen Heranwachsende bei der Medienerziehung angemessen zu begleiten, ist wichtig, das Gespräch zu suchen. Allein dadurch, dass man ernsthaftes Interesse für die Lebenswelt junger Menschen zeigt und über die Faszination und Risiken spricht, welche Social-Media-Plattformen betreffen, kann ein verantwortungsvoller und reflektierter Umgang angeregt werden. Hilfreich kann dabei ein „innerlicher Rollenwechsel“ sein, bei dem Eltern und pädagogische Fachkräfte sich in die Rolle unvoreingenommen Lernender begeben, die sich von Kindern und Jugendlichen deren Lebenswelt erläutern lassen. Erläuterungen zu aktuellen Funktionen sozialer Netzwerke finden sich z.B. auf der Website des Projekts Act On!.

Insbesondere für pädagogische Fachkräfte ist die Thematik des Films aktuell und bedeutsam. Denn im Schulalltag oder auch in der außerschulischen Medien- bzw. Jugendarbeit, spielen digitale Angebote – und dazu zählen eben auch soziale Netzwerke – eine immer größere Rolle. Um Social Media in die Praxis z.B. an Schulen zu implementieren und für die pädagogische Arbeit nutzbar zu machen, haben unter anderem Facebook und die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) eine praxisorientierte Broschüre zum Thema „Soziale Netzwerke im Lernraum Schule“ veröffentlicht. Diese enthält hilfreiche Informationen für eine sichere Nutzung von Social Media und soll helfen, den Dialog zu diesem Thema mit Jugendlichen gestalten und aktiv zu unterstützen.

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