Wie Bilder helfen können

Titel des Buches "Annas Himmel" von Stian Hole, das den 26. Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis erhalten hat
Bild: katholisch.de

Stian Hole erhält den 26. Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis

Kinder kommen, auch wenn wir es uns sicherlich anders wünschen, mit Sterben und Tod in Berührung. Erwachsene stehen dann vor der Herausforderung, kindgerechte Erklärungen zu finden auf die Fragen, ob es nach dem Tod noch etwas gibt und wie das aussehen könnte. Dem christlichen Glauben zufolge wird uns nach dem irdischen Leben ein ewiges Leben geschenkt. Wir glauben daran, dass wir in diesem ewigen Leben Erlösung finden bei Gott, dass seine Liebe uns trägt. Doch eine genaue Vorstellung davon, wie dieses Jenseits, losgelöst von Zeit und Raum, aussehen könnte, haben wir nicht. Deshalb fällt es oft schwer, mit Kindern darüber ins Gespräch zu kommen. Dabei bietet die Bibel zahlreiche Bilder dazu an. Und Kinder sind wahre Meister darin, sich etwas bildhaft vorzustellen.

Genau daran knüpft der norwegische Bilderbuchkünstler Stian Hole an. Er erzählt von Anna und ihrem Vater. Anna, deren Mutter gerade gestorben ist, fragt sich, wie Gott uns alle im Auge behalten kann und sucht Bilder für den Himmel, in dem ihre Mutter nun ist. Hole greift dafür die biblischen Bilder des Paradieses als Garten und des himmlischen Mahls auf: So wird Annas Mama als Gärtnerin in einem Garten dargestellt, in dem biologische Gesetzmäßigkeiten keine Rolle spielen. Und bei Kaffee, Kuchen und Tee kommen Annas Mama, ihr Opa und Buster Keaton zusammen.

Für seine farbintensiven Illustrationen in dem Bilderbuch „Annas Himmel“ wurde Stian Hole mit dem 26. Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Aus 230 Einreichungen hat die Jury dieses Werk gewählt, da komplexe theologische Fragen auf einer künstlerischen, zwar ebenfalls komplexen, aber dennoch zugänglichen, Ebene thematisiert werden. Die angebotenen Jenseitsbilder sind konkret und drängen sich trotzdem nicht in den Vordergrund.

Dr. Heidi Lexe, Jurymitglied des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises, betont in ihrer Laudatio, dass sich aus diesen Bildern Kraft und Trost schöpfen lässt: „Sie zeigen, dass Anna nicht zum Objekt ihrer Trauer wird, sondern aktiv nach jenem Stück Himmel sucht, in dem ihre Mutter nun ist. Sie findet damit einen Weg, dieses Stück Himmel auch auf Erden spürbar und sichtbar zu machen“.

So wie Annas Papa, der seiner Tochter zunächst nicht folgen kann, sich dann aber doch mitreißen lässt, bietet das Bilderbuch auch Erwachsenen die Möglichkeit, sich über die kindliche Vorstellungskraft mit Bildern des ewigen Lebens auseinander zu setzen.

Zum Autor

Stian Hole, 1969 in Hokksund im Osten Norwegens geboren, absolvierte ein Studium der Visuellen Kommunikation an der Staatlichen Kunstgewerbe-Schule in Oslo. Dort lebt er auch heute mit seiner Familie. Mit Kollegen gründete er eine Agentur, die auf Buchgestaltung und Typografie spezialisiert ist. Sein 2009 erschienes Werk „Garmans Sommer“, für das er unter anderem mit dem Brage-Preis, dem wichtigsten Literaturpreis Norwegens, dem Bologna Ragazzi Award sowie dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 ausgezeichnet wurde, machte ihn international bekannt. Stian Hole zählt zu den gefragtesten Illustratoren und innovativsten Bilderbuchkünstlern Skandinaviens.

Der Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis

Mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis werden herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der religiösen Kinderliteratur gefördert. Neben dem Preisbuch stellt die Jury jedes Jahr eine Empfehlungsliste zusammen. Zu den Preisträgern des „katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises“ zählen u.a. Ottfried Preußler und Henning Mankell. Auf der Empfehlungsliste sind die Namen Kirsten Boie und Monika Feth zu lesen; Autoren, die weit über kirchliche Kreise hinaus bekannt sind.

 

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