Verschwörungserzählungen und Corona

Verschwörungstheorien - Verschwörungserzählungen - Demo Nürnberg - Plakat
Markus Spiske – unsplash.com

Webinar im Rahmen der Reihe Medienbildung – politisch und digital

Im Zuge der Corona-Krise haben zwei Themen aktuell große Aufmerksamkeit bekommen: Fake News bzw. Desinformation und Verschwörungstheorien. Die bekanntesten Beispiele reichen von 5G-Funknetz-Strahlungen, die angeblich den Covid19-Ausbruch verursacht haben, über Bill Gates, der von Verschwörungstheoretikern verdächtigt wird, an der Pandemie zumindest verdienen, wenn nicht sogar über einen Impfstoff alle Menschen mit Nanochips versehen zu wollen, bis hin zur Bundesregierung, die mit den Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung an einer weltweiten Verschwörung zur Unterdrückung aller Menschen mitwirkt. Diese und andere Verschwörungserzählungen werden auch von extremistischen Gruppierungen verbreitet und genutzt. Damit steht die Frage nach deren Motiven im Raum – und vor allem: Was können politische Bildung und Medienbildung in der derzeitigen Situation dagegen machen?

Rund 150 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen dazu am 4. Juni 2020 an einem Webinar aus der Reihe „Medienbildung – politisch und digital“ teil. Die Veranstaltung, eine Kooperation von der AKSB – Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland e.V., dem Bonifatiushaus Fulda, der Clearingstelle Medienkompetenz der deutschen Bischofskonferenz an der KH Mainz und der LPR Hessen – Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, bestand aus zwei Teilen. Am Vormittag stellten Isabel Binzer und Flemming Ipsen von jugendschutz.net dar, wie Extremist*innen die Corona-Pandemie nutzen.

Dazu konnten beide berichten, dass extremistischen Gruppierungen die momentane Unsicherheit in der Gesellschaft nutzen, um demokratiefeindliche Inhalte zu verbreiten und Feindbilder zu schüren. Diese Inhalte seien meist stark verwoben mit Verschwörungserzählungen zu den momentanen Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus. Beide Referenten waren sich auch einig in der Feststellung, dass in vielen Altersgruppen die notwendige Medienkompetenz fehle, um damit Verschwörungstheorien zu erkennen und wissenschaftliche Meldungen besser einschätzen zu können.

Verschwörungserzählungen: Bildung online vs. Extremismus?

Die Frage, wie diese Themen in Online-Bildungsveranstaltungen bearbeitet werden können, lag dem anschließenden zweiten Impuls-Vortrag zugrunde. Prof. Andreas Büsch, Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz, stellte Vor- und Nachteile von Präsenz- und Online-Formaten in der Präventionsarbeit vor und analysierte funktionale Entsprechungen für gewohnte Online-Formate. Vor allem im Bereich der an Teilnehmer*innen orientierten gemeinsamen Erarbeitung von Inhalten sah er große Vorteile der Online-Veranstaltungen. Die passenden Tools finden sich in einer Mindmap der Clearingstelle Medienkompetenz; vier Apps wurden live gemeinsam mit den Teilnehmenden ausprobiert.

Nach einer Mittagspause begann nachmittags der zweite Teil der Veranstaltung mit drei parallelen Workshops, zu denen sich die Teilnehmenden im Vorfeld anmelden konnten. Dabei ging es um Methoden und Medien, um Online-Veranstaltungen ansprechend gestalten zu können:

  • In Workshop 1 gab Vera Borngässer, Diplom-Medienberaterin (ARS) bei der Digitale Helden gGmbH Tipps für die Erstellung von Erklärvideos und deren Einsatz im Webinar. Neben zahlreichen grundsätzlichen Hinweisen stellte sie auch zwei Programme detailliert vor.
  • Workshop 2 beschäftigte sich mit interaktiven Apps zur Belebung eines Webinars. Marie-Juliette Leißner, Kultur- und Medienpädagogin M.A. bei der Digitale Helden gGmbH gab zahlreiche Hinweise auf unterschiedliche Apps und Web-Angebote.
  • „Auf die Ohren“ war der dritte Workshop überschrieben. Benedikt Geyer, Sozialarbeiter/-pädagoge (M.A.) und Gründer des Podcasts IWMM – Irgendwas mit Menschen – stellte in einem zum Thema passenden Interviewformat die Möglichkeiten von Podcasts als Chance für die Bildungsarbeit vor.

Eine ausführliche Dokumentation der Materialien finden Sie in einem eigenen Beitrag.

Fortsetzung der Tagungsreihe „Medienbildung – politisch und digital“

Das Webinar „Corona: „Ein gefundenes Fressen“ für Extremisten?“ wurde im Rahmen des Projektes „Religionssensible politische Bildungsarbeit“ durchgeführt. Innerhalb der AKSB ist Dr. Andrea Keller als Referentin dafür zuständig. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert dieses Projekt im Rahmen seines Programmes „Respekt Coaches“.

Die Veranstaltung fand zeitlich an Stelle einer Corona-bedingt abgesagten zweitägigen Fachtagung im Bonifatiushaus Fulda statt. Diese Tagung zum Thema „Wir spielen doch nur!“ Die Inszenierung von Gesellschaft in digitalen Spielen. Eine Tagung der Reihe „Medienbildung – politisch und digital“ wird am 21./22. Januar 2021 nachgeholt. Außerdem findet am 2. November 2020 ein weiteres Webinar in der Veranstaltungsreihe zum Thema „Computerspiele unterm Weihnachtsbaum“ statt.

 

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  1. Pingback: Dokumentation der Fachtagung Corona - Ein gefundenes Fressen für Extremisten?! | Clearingstelle Medienkompetenz

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