Hasskommentare im Netz

Trinkwalder in der Talkshow
Sina Trinkwalder in der Talkshow (Szenenfoto; eigener Screenshot)

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:

Ein Film von FWU Institut für Film und Bild

Länge: 24 Minuten

Erscheinungsjahr, Produktionsland: 2017, Deutschland

Produktion:  EIKON Nord Filmproduktion, Dominique Klughammer

empfohlen ab 12 Jahren, Lehrprogramm gemäß §14 JuSchG

Schuljahre: Sekundarstufe I ab Klassenstufe 7 sowie Sek. II

Hasskommentare im Netz sind alltäglich. Denn ein Kommentar ist schnell verfasst und im Netz veröffentlicht. Dabei richten sich impulsive, nicht reflektierte Äußerungen gegen Einzelpersonen oder Personengruppen. Der Film verdeutlicht, wie sich Hasskommentare und Hate Speech auf Menschen auswirken. Dabei kommen Menschen zu Wort, die solche Angriffe am eigenen Leib erfahren mussten. Derlei Angriffe verletzen die Menschenwürde und sind strafrechtlich relevant.

Wichtiger Hinweis – Triggerwarnung: In diesem Filmtipp geht es um Hate-Speech. Wer betroffen ist, kann sich z. B. an hate aid wenden.
Wer das Thema mit Adressat:innen behandelt, sollte auch Möglichkeit zur Nachbereitung geben (z. B. Gesprächsangebote).

 

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film „Hasskommentare im Netz“ angesprochen?

  • Hate Speech
  • Hasskommentare
  • Verschwörungserzählungen
  • Handlungsfähigkeit
  • Wertebildung
  • Medienethik

Von Hass Betroffene kommen zu Wort und werden handlungsfähig

Der Lehrfilm „Hasskommentare im Netz“ thematisiert verschiedene Perspektiven auf den Hass im Internet. Einerseits kommen Menschen zu Wort, die selbst Hassrede (englisch: Hate Speech) erfahren haben, andererseits zeigt der Film Wege auf, sich dagegen auch zu wehren. Eine der dargestellten Personen ist Sina Trinkwalder. Sie leitet eine ökosoziale Textilfirma (manomama), mit der sie sich für eine angemessene Vergütung der Beschäftigten und eine nachthaltige Produktion einsetzt. Allerdings bekommt sie dafür nicht nur Anerkennung. Ihr begegnen gerade auf Facebook und auch auf Twitter Hass und Shitstorms, wie sie auch auf ihrem Blog beschreibt.

Zudem kommen auch der Bürgerrechtler Eric Hattke und der SPD-Politiker Orkan Özdemir zu Wort. Hattke bezieht nicht nur aktiv eine Gegenposition zu Pegida, er ist auch Teil der Vereine „Atticus“ und „Dresden für alle“. Dadurch wird er zum Ziel von Hater:innen und lässt die an ihn adressierten Hasskommentare als „Wand der Schande“ und Mahnmal auf seinen jeweiligen Profilen stehen. Die so erzeugte Sichtbarkeit von Anfeindungen verdeutlicht die schiere Masse. Dem Politiker Özdemir wurde aufgrund der Drohungen in den Hasskommentaren von den zuständigen Behörden nahegelegt umziehen. Doch auch er will sich lieber dagegen einsetzen und öffentlich ein Zeichen setzen.

Dass das Internet nicht vergisst und Menschen hinter den öffentlichen Figuren stehen, will auch die Politikerin Katrin Göring-Eckardt deutlich machen. In einem vier Minuten langen Video liest sie die schlimmsten an sie gerichteten Hasskommentare vor. Diese wurden über Facebook an sie gerichtet und haben zumeist den Umgang Deutschlands mit der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/2016 zum Thema.

Statistik visualisiert
JIMplus 2022 (Studie des mpfs; Eigener Screenshot)

Zum Einsatz in der (außerschulischen) Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen:

Die JIMplus Studie 2022 verdeutlicht, dass es eine größere Menge von Jugendlichen (23 % der Befragten zwischen 12 und 19 Jahren) gibt, die Hate Speech nach eigenen Angaben noch nicht wahrgenommen haben. Dabei stellt sich die Frage, ob sie diese vielleicht nur nicht als solche erkannt haben. Denn umgekehrt haben immerhin 75 Prozent mindestens selten Hassrede wahrgenommen. Im Rahmen des Films steht vor allem Facebook im Fokus der Betrachtung. Für Jugendliche stehen eher andere soziale Netzwerke im Fokus.

Hate Speech ist in allen Social-Media-Plattformen ein Thema. Auch Instagram und Twitter haben großes Potenzial für Hate Speech. Soziale Medien sind Handlungs- und Sozialraum von Jugendlichen. Dort treten sie miteinander in Kontakt, geben sich gegenseitig Feedback und spornen einander zur digitalen Aktivität an. Dabei erleben auch sie negative Kontakte. Sei es durch den ungewollten Kontakt mit älteren Menschen (z.B. Cybergrooming) oder im Falle von Hate Speech auch durch Gleichaltrige. Umso wichtiger ist es zu lernen, was Hassrede mit Menschen macht. Die Prävention hat hier also zwei Aspekte: Mit gegen sich gerichteter Hate Speech umgehen lernen und selbst nicht zu Täter:innen werden. Immerhin sind viele strafrechtlichen Aspekte bereits vor dem 18. Geburtstag relevant. Das Bewusstsein dafür, wie sich Hassrede im Internet auf reale Personen auswirkt, muss in dem Kontext in den Vordergrund gestellt werden.

Zum Einsatz in der Arbeit mit Erwachsenen, Senior:innen und Pädagog:innen

Das Thema Hate Speech und dessen strafrechtliche Relevanz sind und bleiben ein aktuelles Thema. Aus einer forsa Studie der Landesmedienanstalten NRW aus dem Jahre 2021 geht hervor, dass 76 Prozent der Befragten (im Alter zwischen 14 bis über 60 Jahren) bereits mit Hate Speech konfrontiert waren. Egal ob es um Geflüchtete, COVID-19 oder andere Themen geht: Zentral bei der Hassrede sind Unzufriedenheit und die auf Menschen gerichtete Wut. Auch Erwachsene sollten also wissen, dass es Hate Speech gibt, um mit eigener, aber auch mit der Betroffenheit von Heranwachsenden umgehen zu können. Dabei sollen sie nicht nur Vorbilder sein, sondern sich mit der Thematik und den Begrifflichkeiten auskennen. Was ist ein Shitstorm? Was ist Hate Speech? Warum ist das relevant? Was ist Teil der öffentlichen Meinungsäußerung und wann handelt es sich um strafrechtlich relevante Äußerungen? Wer ist betroffen? Wie funktioniert Hate Speech? Wie kann man damit umgehen und Handlungsfähigkeit erlangen?

Fachkräfte der (medien-)pädagogischen Arbeit sollten hier besonders bewandert sein. Immerhin wirken sie als Ansprechpartner:innen und Multiplikator:innen, wenn es um den Umgang mit und die Prävention von Hassrede geht. Zudem können auch öffentliche und mediale Auftritte (medien-)pädagogischer Einrichtungen von Hate Speech betroffen sein. Für alle diese Ebenen gilt es Haltung zu zeigen und Handlungsmöglichkeiten parat zu haben, die beispielsweise hatespeechentgegentreten.de aufschlüsselt.

Beispiel für Hasskommentare
Hasskommentar im Netz (Szenenfoto; eigener Screenshot)

Anknüpfungspunkte für die aktive Medienarbeit

Einen Überblick gewinnen

Der Lehrfilm „Hasskommentare im Netz“ bietet einige Informationen zu Hasskommentaren. Darüber hinaus gibt es natürlich noch weitere Informationsmöglichkeiten. Ein Arbeitsauftrag könnte daher lauten: Sammelt gemeinsam, was alles unter „Hass im Netz“ fällt. In Gruppen von drei bis fünf Menschen werden zunächst weitere Informationen eingeholt. Orientierung bietet dabei die Broschüre Hass im Netz der Landesmedienanstalten NRW oder Informationen von no-hate-speech.de. Anschließend formulieren die Gruppen eine eigene Definition für den Begriff Hate Speech. Jene wird in Form eines Flyers oder Plakates fixiert. Danach ergänzen sie Betroffenen-Anlaufstellen wie hateaid.org

Aktuelles Geschehen

Im Rahmen des Filmes „Hasskommentare im Netz“ werden einige Personen vorgestellt, die mit Hasskommentaren konfrontiert sind. Welche weiteren Personen oder Themen fallen euch ein, bei denen dies geschieht? Ein aktuelles Beispiel ist die Situation nach dem Kauf Twitters durch Elon Musk. Dort findet nun eine Umstrukturierung statt. Musk strebt eine „Demokratisierung“ an und will eine größere Meinungsvielfalt ermöglichen. Doch zu welchem Preis? Die Veränderungen der Strukturen werden durch User:innen ausgebootet und ad absurdum geführt; alternative Netztwerke wie Mastodon erfahren massiven Zulauf. Die Adressat:innen der (medien-)pädagogischen Angebote sammeln dazu entweder eigene Erfahrungen oder recherchieren aktuelle Fälle größerer Hassrede. Ein mögliches weiteres Thema wären die NSU-Morde sowie die „Flüchtlingskrise“, welche vermehrten Hass im Internet zeigten.

Counterspeech – Gegen Hass

Wer Hassrede im Netz begegnet, hat mehrere Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Neben der Option, rechtlich gegen die Täter:innen vorzugehen (siehe dazu u.a. die Kampagne Verfolgen statt Löschen), gibt es die Gegenrede (englisch: Counterspeech). Bei Counterspeech werden Hasskommentare nicht einfach ignoriert, sondern aufgegriffen. Dabei gilt es die Aussagen zu entschärfen, zu entkräften oder in Memes ad absurdum zu führen. Hate Aid hat diesbezüglich fünf Varianten aufgeschlüsselt, welche hier grob umrissen werden:

  1. Ist eine andere Person von Hasskommentaren betroffen, hinterlasse positive Kommentare und mache auch eine andere Meinung sichtbar.
  2. Überprüfe die Aussage inhaltlich und frage vielleicht sogar nach Quellen. So lassen sich Widersprüche schnell aufdecken.
  3. Humoristisch die Aussage anzweifeln, z.B. durch ein Meme.
  4. Erinnere die Agierenden daran, dass ihre Aussagen Konsequenzen haben. Sowohl für die angegriffene Person als auch in Form von strafrechtlichen Ahndungen.
  5. Benenne die Hasskommentare als solche und decke hintergründige Diskriminierungen als solche auf.

Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie mithilfe von Counterspeech auf Hasskommentare reagiert werden kann, werden Rollenspiele gemacht. In Gruppen von drei Personen gibt es jeweils eine Person, die ein Beispiel gibt für einen Hasskommentar, und zwei, die darauf reagieren. Die einzelnen Positionen werden mit Personen aus dem Plenum ausgetauscht, sobald andere weitere Beispiele einbringen wollen (egal ob Hasskommentar oder Counterspeech). Wichtig dabei ist, dass auf alles eine Erwiderung gefunden werden muss. Außerdem muss von vorneherein deutlich gemacht werden, dass keine realen Angriffsflächen für die Hassrede genutzt werden dürfen. Außerdem können so weitere Handlungsmöglichkeiten gesammelt werden wie etwa das Profil auf privat zu stellen, die Followliste zu überarbeiten, Meldefunktionen zu nutzen und Kommentarfunktion auszustellen oder zu bearbeiten. Wen kann ich ansprechen? Wo kann ich mich mit anderen austauschen, die ebenfalls betroffen sind? Dabei sollte deutlich werden, dass die Meinungsfreiheit dort endet, wo sie Grundrechte anderer verletzt.

Ein Erklärvideo gegen Hasskommentare

Für die folgende Methode bietet es sich an, mindestens eine der vorher beschriebenen im Vorfeld durchzuführen. Die Adressat:innent teilen sich dazu auf in Gruppen von drei bis fünf Personen. Entsprechend der Thematik des Lehrfilms erstellen sie ein Erklärvideo. Mögliche Themen sind:

  • Was ist Hate Speech?
  • Wie kann man sich gegen Hate Speech schützen?
  • Eie funktioniert Counterspeech?
  • Was ist schlimm an Hatespeech?

Um zu verstehen, was es mit einem Erklärvideo auf sich hat, und wie dieses produziert werden kann, gibt es auf YouTube auch einige Anleitungen. Besonders wichtig ist es dafür zunächst einmal, gut zu recherchieren und sich gezielt zu überlegen, wie dieses Erklärvideo am besten aufgemacht wird. Zentrales Element dabei ist das Storyboard, bei dem die einzelnen Szenen definiert werden. Vorlagen hierfür gibt es beispielsweise auf Canva. Im Vorfeld wird gemeinsam die Länge des Videos ungefähr festgelegt mit beispielsweise maximal drei Minuten.

Passende Materialien zum Film:

Weitere Materialien und Anregungen zu den filmischen Themen finden sich ebenfalls in unserer Materialdatenbank mekomat.

Interessante und geeignete Artikel sind ebenfalls die bereits veröffentlichten Filmtipps:

  • Digitale Gewalt: ein Lehrfilm, der auch Hass im Netz in den Blick nimmt, mit einem Fokus auf Cybermobbing
  • Nothing Happens: ein Kurzfilm, welcher im Rahmen einer Kurzgeschichte dazu anhält, nicht zum Bystander zu werden

Für wen?

Lehrer:innen, Senior:innen, Eltern, Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren

Bezugsmöglichkeiten

Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter FWU-Mediathek möglich. (Hier sind ebenfalls einige unterstützende Arbeitshilfen zu finden.)

Fazit

Hasskommentare sind leider aus dem Internet kaum wegzudenken. Der Kurzfilm verdeutlicht die Tragweite von Hasskommentaren. Menschen, die sich mit solchen Aussagen konfrontiert sehen, haben das Recht, sich zu wehren. Wie das geht, zeigt dieser Film. Doch gibt es auch andere Möglichkeiten mit den Hassbotschaften umzugehen. Dafür bietet der Film erste Ansätze und lässt Raum für eigene Konzepte und weitere Recherchen.

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