Speed – auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Cover der DVD "Speed" (Ausschnitt)
Bild: kfw

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:

Dokumentarfilm von Florian Opitz

Länge: 97 Minuten; Deutsch, z.T. mit Untertiteln

Erscheinungsjahr, Produktionsland: 2011, Deutschland

Bonusmaterial: Arbeitshilfen als PDF über filmwerk.de

Produktion: DREAMER Joint Venture Filmproduktion GmbH, WDR; Arte; BR

empfohlen ab 14 Jahren, FSK 6

Schuljahre: Sekundarstufe I: ab Klasse 9, Sekundarstufe II

Nach mehreren Schicksalsschlägen stellt Regisseur Florian Opitz fest, dass wir ständig Zeit sparen – und trotzdem immer weniger davon haben. Warum eigentlich? Opitz begibt sich auf die Suche nach möglichen Antworten, die ihn um die ganze Welt führt. Er spricht mit Fachleuten und Aussteigern, stellt alternative Lebens- und Gesellschaftsmodelle vor und versucht, passende Lösungen für sein eigenes Leben zu finden.

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Beschleunigung durch Technologie
  • Verhelfen Medien uns zum Glück?
  • Einfluss von Technologie auf unsere Lebensführung
  • Vor- und Nachteile durch die digitale Revolution
  • Digitales Fasten
  • Arbeitsplatz 4.0
  • Medienstress, Fear of missing out (FOMO)

Zum Einsatz in der schulischen sowie außerschulischen Medienarbeit mit Jugendlichen:

In einem immer stärker von (digitalen) Medien geprägten Alltag stehen Jugendliche und Erwachsene unter ständigem Zeitdruck. Jede kleine Verzögerung im Tagesablauf sorgt für Stress und innere Unruhe. Besonders für die wirklich wichtigen Dinge wie Familie und Freunde bleibt wenig Zeit. Trotz moderner Technologien, die Prozesse beschleunigen sollen, scheint die eingesparte Zeit verloren zu gehen. Woran liegt das? Ist das ein gesellschaftliches Phänomen oder dem mangelhaften Zeitmanagement jedes Einzelnen geschuldet?

Diese Fragen will Regisseur Florian Opitz in seinem Film „Speed – auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ beantworten. Dabei trifft er auf Menschen, die ihre Zeit optimal nutzen und ausfüllen wollen. Dem gegenüber stehen Menschen, die dem Zeitdruck entflohen sind und eine gesellschaftliche Alternative gefunden haben. Durch diese verschiedenen Begegnungen spricht der Film nicht nur wirtschaftliche, sondern auch medienpädagogische Themen, wie zum Beispiel digitales Fasten in Zeiten der digitalen Revolution.

Daher bietet sich der Film für zahlreiche Anlässe in der schulischen und außerschulischen medienpädagogischen Arbeit an.

In beiden Handlungsfeldern empfiehlt es sich, den Film nach Möglichkeit in voller Länge von 90 Minuten mit den Teilnehmenden anzusehen. Das Ende des Films spricht zahlreiche Themen an, die in Form eines Referates oder einer Diskussion vertieft werden können. Ein paar Beispiele hierfür sind: Bruttonationalglück, digitale Revolution sowie sozialer und technischer Wandel. Bruttonationalglück, auf Englisch Gross National Happiness, gibt es nur im südasiatischen Königreich Bhutan. Die Regierung hat das politische Ziel, dass alle Menschen in Bhutan glücklich leben können. Dabei ist den BhutanerInnen neben Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit auch der Umgang mit Zeit sowie der Umgang mit Geschwindigkeit wichtig.

Insbesondere im Ethik- bzw. Religionsunterricht können SchülerInnen sich die Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was sie im Leben wirklich glücklich macht. Die Ergebnisse können anonym in ein Wunschglas gelegt werden, das von der Klasse selbst entworfen wird. Zu Beginn einer jeden folgenden Stunde kann ein Schüler oder eine Schülerin ein Zettel aus dem Wunschglas ziehen und ihn laut vorlesen. Dies erinnert die SchülerInnen daran, was sie im Leben wirklich glücklich macht.

Das Ende des Filmes ist eine Einladung, über sein eigenes Konsumverhalten nachzudenken. In Form einer Bildercollage können die SchülerInnen beispielsweise die Frage für sich beantworten, wohin ihre Zeit „verschwindet“ und wie es ihnen gelingt, einen vernünftigen Ausgleich in einer Welt zu finden, in der sie immer online sind.

Da der Film aber nicht nur thematisch viele Informationen liefert, sondern auch in seinem Aufbau, empfiehlt es sich, eine Filmanalyse durchzuführen. Mithilfe von Fragen und eigenständigen Notizen können die SchülerInnen die Struktur des Films analysieren. Dabei beantworten die SchülerInnen beispielsweise folgende Fragen: In welche Teile ist der Film gegliedert? Wodurch wird die Gliederung deutlich? Wer ist der Sprecher des Filmes? Ist die Stimme des Sprechers im „On“ mit sichtbarem Sprecher oder im „Off“ zu hören? Welche Stilmittel werden verwendet?

Ansatzpunkte für eine sequenzierte Betrachtung

Sollte die Zeit für eine vollständige, u.U. mehrfache Sichtung des Films nicht zur Verfügung stehen, können auch nur einzelne, für den Arbeitskontext ausgewählte Filmabschnitte gezeigt werden. So führt Opitz beispielsweise ein interessantes Interview mit Alex Rühle (Filmabschnitt 0:15:30–0:20:04), der als Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“ arbeitet und für den Medien wie Internet und Smartphone ständige Begleiter sind. Als er merkte, dass er von dieser Technik abhängig geworden war, entschied er sich für ein sechsmonatiges „digitales Fasten“.

In der medienpädagogischen Arbeit lässt sich daran z.B. anknüpfen, indem die SchülerInnen eine Woche lang während der Schulzeit auf das Smartphone verzichten. Dabei sollen sie ihre Erlebnisse und Gefühle in einem Tagebuch festhalten.

In einer anderen Interview-Sequenz trifft Opitz den Universitätsprofessor Dr. Karlheinz Geißler (0:20:44–0:25:18). Er ist der Leiter des Projektes „Ökologie der Zeit“ der Evangelischen Akademie Tutzing und Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik. Geißler ist der Meinung, das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben, komme davon, dass wir viel mehr Entscheidungsmöglichkeiten haben als noch vor einigen Jahren. Allerdings ändern sich die Abläufe der Natur nicht und lassen sich auch nicht beschleunigen. Geißler stellt dem natürlichen Rhythmus, zum Beispiel dem der Jahreszeiten, die selbstverursachte Vertaktung des modernen Menschen gegenüber, dessen Leben durch Uhren und Maschinen bestimmt wird.

Auf Grundlage der Argumentation Geißlers können sich die SchülerInnen in Einzelarbeit Gedanken darüber machen, welchen Unterschied es zwischen dem Rhythmus der Natur und dem Takt von Uhren und Maschinen gibt.

Zur Darstellung einer gegenteiligen Position gelingt es Opitz, mit der Unternehmensberaterin Dr. Antonella Mei-Pochtler ein Gespräch im Auto zu führen (0:25:55–0:30:0). Sie versteht sich als „Beschleunigerin“, die Unternehmen berät, indem sie deren Effizienz mit Technologie steigert, auch wenn das zulasten von Arbeitsplätzen gehen kann. Wie effizient ein Unternehmen durch Technologie werden kann, zeigt uns der Filmabschnitt bei Minute 0:31:00 bis Minute 0:37:00 mit dem Nachrichtenunternehmen Reuters, das Geld mit Informationen und Nachrichten für die Finanzindustrie verdient. Mithilfe von Computerprogrammen und der Nutzung von künstlicher Intelligenz ist es in der Lage, alle Preisschwankungen von Unternehmen in Bruchteilen von Sekunden zu erfassen und in Echtzeit den KundInnen zukommen lassen.

Diese beiden Stellen eigenen sich hervorragend für den Einstieg in eine Diskussion: Werden Menschen von Technik und Maschinen beherrscht? Wann sollte die Beschleunigung des technischen Fortschritts gestoppt werden?

Schließlich trifft Opitz in Chile auf Douglas Tompkins, den Gründer der Textilmarken „The North Face“ und „Esprit“. Nachdem Tompkins seine Firmenanteile verkauft hatte, gründete er in Chile ein Naturschutzprojekt. Dabei setzt er sich für nachhaltige Landwirtschaft ein und wünscht sich eine „Welt ohne Maschinen“ (01:08:10–01:17:30). Für Tompkins sind Computer und Smartphone Massenvernichtungsmaschinen, weil sie die Wirtschaft beschleunigen und so zur Zerstörung der Natur beitragen.

Hierzu bietet es sich an, SchülerInnen die Vor- und Nachteile der digitalen Revolution erforschen zu lassen, indem sie in ihrem Bekanntenkreis Interviews bzw. Befragungen durchführen und diese mit Recherchen unterlegen. Anschließend kann darüber diskutiert werden, ob die SchülerInnen Douglas Tompkins‘ Meinung teilen.

Zum Einsatz in der Arbeit mit Eltern oder in der Arbeit mit LehrerInnen und PädagogInnen:

Auch für Erwachsene sind die in der Dokumentation angesprochenen Themen relevant, da es insbesondere ihnen zum einen häufig so erscheint, als ob ihre Zeit rasend schnell vergehe. Zum anderen lässt sich in ihrer Lebenswelt feststellen, dass unzählige Prozesse digitalisiert werden, sei es auf der Arbeit oder im Supermarkt. Auch kommen sowohl sie als auch ihre Kinder verstärkt mit künstlicher Intelligenz in Berührung, so zum Beispiel mit Sprachassistenten wie Alexa von Amazon.

Anhand der unterschiedlichen Themen ermöglicht der Film „Speed – auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ Einstiege in ein Gespräch mit Erziehenden und pädagogischen Fachkräften. Zum einen könnten sich diese in kleinen Gruppen darüber austauschen, wie sie in ihrem Alltag die Beschleunigung durch Technologie erleben. Dabei bietet es sich an, über die Meinung des Regisseurs zu diskutieren: Opitz‘ These lautet, dass durch moderne Technologien Prozesse zwar beschleunigt werden, aber die eingesparte Zeit trotz allem verloren geht. Wohin verschwindet also die verlorene Zeit?

Zum anderen lohnt es sich die Sequenz mit der Unternehmensberaterin Dr. Antonella Mei-Pochtler anzuschauen (0:25:55 bis 0:30:00): Sie spricht darüber, dass Unternehmen Kosten einsparen können, wenn es ihnen gelingt, Personal durch Computertechnik oder künstliche Intelligenz einzusparen.

Dies bietet reichlich Stoff für Diskussionen: Sollte der Mensch die Digitalisierung stoppen? Was finden Menschen an ihrer Arbeit positiv und was eher negativ – welche Arbeit könnte also sinnvoll ersetzt werden? Welche Berufe wird es noch in Zukunft geben? Was bedeutet die Beschleunigung der Technologie für unsere Zukunft? Könnte mein Arbeitsplatz durch künstliche Intelligenz ersetzt werden? Und gibt es ökonomisch überhaupt Alternativen zu dieser Entwicklung?

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

  • Medientagebuch: SchülerInnen notieren innerhalb einer Woche in ein Tagebuch, wie viel Zeit sie mit Medien verbringen und welche Medien sie überhaupt im Alltag nutzen. Daraufhin gestalten die SchülerInnen eine Mindmap mit ihren persönlichen Erfahrungen.
  • Zusätzlich kann die eigene Mediennutzung auch kritisch reflektiert werden. Anregung dazu bietet die Broschüre ReSeT der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Ziel sollte sein, bewusster mit Medien umzugehen.
  • Diskussion im Fishbowl, einer Methode der Diskussionsführung in großen Gruppen: Die Diskussion könnte mit der Frage beginnen: „Würden sie die Aussage von Douglas Tompkins, dass Computer und Smartphone Massenvernichtungsmaschinen sind, teilen?
  • Filmanalyse: Die SchülerInnen arbeiten in Gruppenarbeit (max. 3 Personen) die Struktur des Filmes heraus. Wer ist der Sprecher des Filmes? Welche Stilmittel kommen im Film vor? Wie ist die Kameraführung?
  • Handy einsammeln: SchülerInnen sollen eine Unterrichtsstunde ohne ihr Smartphone verbringen. Am Ende der Stunde erläutern die SchülerInnen ihre Empfindungen. War die Konzentration besser oder hat sie sich verschlechtert?
  • Reallife Challenge: Reallife Challenge ist ein Kartenspiel, das sich im Rahmen eine Klassengruppe empfiehlt. Hierbei geht es um die Sensibilisierung für die Bedeutung persönlicher Daten und Nutzung von digitalen Spielen. Mehr dazu findet sich auf mekomat.de.
  • App-/Account-Analyse: Welche Apps habe ich auf meinem Handy? Wo bin ich überall angemeldet? Wie häufig nutze ich die Anwendungen und wie häufig werde ich von ihnen kontaktiert?

Für wen?

LehrerInnen, MedienpädagogInnen, Eltern, Kinder und Jugendliche ab 14 Jahren

Bezugsmöglichkeiten:

Der Film steht mit Vorführrecht in katholischen und evangelischen Medienzentralen als Verleih-DVD oder Download zur Verfügung und kann unter www.medienzentralen.de bezogen werden. Kreismedienzentralen haben diesen Film ebenfalls im Angebot. Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter www.filmwerk.de möglich. Hier sind ebenfalls einige unterstützende Arbeitshilfen zu finden.

Fazit:

Der Dokumentarfilm „Speed – auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Regisseur Florian Opitz regt dazu an, sich mit wichtigen wirtschaftlichen, medienpädagogischen sowie auch ethische Themen auseinanderzusetzen wie z.B. Bruttonationalglück, digitale Revolution, digitales Fasten oder Arbeitsplatz 4.0.
Der Film eignet sich nicht nur für die Sekundarstufe 1 und 2, sondern auch für die außerschulische medienpädagogische Arbeit sowie Erwachsenenbildung. Für die Sekundarstufe 1 bietet es sich an, den Film in den Fächern Sozialkunde, Politik, Wirtschaftswissenschaften, Ethik und Religion ab der neunten Klassenstufe zu behandeln. Der Dokumentarfilm ist sehr spannend und am Ende lädt er dazu ein, über den Sinn des eigenen Lebens nachzudenken.

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