Mama-Shooter

Cover Ausschnitt "Mama shooter" - Computerspiele
Bild: Katholisches Filmwerk

Worum geht`s?

Eckdaten des Film:
Deutschland, 2014

Ein Film von Gesine Enwaldt, Natascha Gillenberg

Produktion: NDR; kfw

Empfohlen: ab 14 Jahren

FSK: Lehrfilm für die nichtgewerbliche Nutzung freigegeben ab 6 Jahren

Länge des Films: 29 Minuten

„Reporterin Gesine Enwaldt hat von den Computer-Spiele-Welten ihrer Kinder nur eine vage Vorstellung. Und sie fühlt sich seltsam inkompetent und verunsichert darin, wie sie als Erziehungsberechtigte reagieren soll. Auf geht’s zum „Mama-Shooter“: dem Erfahrungsbericht einer Mutter, die selbst wissen will, wie sich Computer-Spielen anfühlt. Die Mutter zockt auf LAN-Partys die Nacht mit 300 Jugendlichen durch, lernt gemeinsam mit anderen Eltern, wie man beim Egoshooter „Counter Strike“ richtig losballert und trifft die Let’s-Player-Stars Gronkh und Sarazar: Stars unter Jugendlichen und mittlerweile reich geworden durch die Kommentierung von Computerspielen, aber völlig unbekannt in der Erwachsenenwelt. Auch in der Mainzer Ambulanz für Spielsucht und im Hirnforschungszentrum der Berliner Charité bekommt sie Hinweise, wie das Spielen der Kinder im Netz einzuordnen ist und wann es schadet oder nutzt.“ (kfw)

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Games  (Genres, Multiplayer Spiele, mobile Games, u.a.)
  • Flow-Erleben
  • Medienwirkungen von Gaming
  • Befürchtungen von Eltern in Bezug auf das Spielverhalten von Kindern und Jugendlichen/Vorurteile
  • Medienerziehung (Regeln, technische Einstellungen etc.)
  • Computerspiele und soziale Netzwerke, wie u.a. Let’s Plays
  • Exzessive Mediennutzung, Internetsucht (Prävention und Beratung)
  • Subkultur der Gamer

Zum Einsatz mit Eltern:

Mehr als die Hälfte aller Kinder ab sechs Jahren und nahezu 80% der Jugendlichen ab 12 Jahren spielen einmal oder öfter pro Woche Computerspiele (KIM- und JIM-Studie des MPFS 2014; 2015). Viele Eltern sind aufgrund der langen Spieldauern oder der Spieleinhalte verunsichert: Welche Computerspiele und Nutzungsdauer sind gut für mein Kind? Was kann ich selbst tun, um mitreden zu können? Wie treffe ich sinnvolle Erziehungsentscheidungen, die für den Nachwuchs nachvollziehbar sind?

Um diese Fragen beantworten zu können, fehlt vielen Eltern häufig der eigene Zugang zur Welt der Games, sei es durch Gespräche mit dem Nachwuchs über die Faszination von Spielen oder das eigene Austesten verschiedener Spiele. Der Film Mama-Shooter bietet viele Anknüpfungsmöglichkeiten, um mit Eltern ins Gespräch darüber zu kommen, welches Bild sie von ihren Kindern als ComputerspielerInnen haben, welche Befürchtungen und Ängste sie mit Gaming verbinden und wie sie medienerzieherisch, u.a. durch das gemeinsame Aushandeln von Regeln, aktiv werden können.

Der große Vorteil des Filmes besteht darin, dass er aus der Perspektive einer Mutter gedreht ist, die relativ unerfahren mit der Welt der Computerspiele in Berührung kommt. Hierdurch ist Gesine Enswaldt möglicherweise eine Identifikationsfigur für Eltern, die den Film an einem Elternabend zum Thema Computerspiele oder aber in einer medienpädagogischen Veranstaltung z.B. zu Medien in der Familie, zum ersten Mal sehen. Das macht den Film zu mehr als nur einen Appetithappen, um Gaming zum Thema machen zu können – Eltern können das Gesehene mit den eigenen Erfahrungen abgleichen und mit anderen Eltern oder einer/einem ReferentIn über ihre Vorerfahrungen mit (digitalen) Spielen in der Familie und ihre Gefühle sprechen.

Ebenso positiv ist hervorzuheben, dass die vorerst besorgte Mutter während des Films in die Rolle der Computerspielerin wechselt und sich somit den Zugang zum Spielen selbst erarbeitet. Eltern, die bisher wenig Interesse an der Medienwelt ihrer Kinder gezeigt haben, können sich durch Gesinde Enswaldt dazu ermutigt fühlen, auch einmal die Maus oder den Controller in die Hand zu nehmen oder aber bei ihrem Nachwuchs nachzufragen, was diesen am Spielen fasziniert.

Die Expertengespräche im Film, mit einer Forscherin des Hirnforschungszentrums der Charité und einem Mitarbeiter der Ambulanz für Spielsucht der Universitätsmedizin Mainz, geben Hinweis darüber, welche Wirkungen Computerspiele auf SpielerInnen haben können und wann sich Eltern ernsthafte Sorgen machen müssen.

Der Film kann auch dazu genutzt werden, mit Eltern über ihre Haltung gegenüber Medien zu sprechen. Gesine Enswaldt äußert im Film an vielen Stellen ihre Einstellung zu Computerspielen, verknüpft mit ihren Vorannahmen und Sorgen. Durch das neugierige Erfragen der Perspektiven der Jugendlichen und weiterer AkteurInnen im Film, gelangt die Reporterin zu dem Schluss, dass sie selbst offen bleiben muss für digitale Spiele, da sie ansonsten wenig Anknüpfungspunkte hat, um die Entscheidungen ihrer Medienerziehung, wie z.B. Spieledauern, sinnvoll begründen zu können. Hierdurch kann der Film auch Anstoß dafür sein, dass sich Eltern zusammen Umgangsregeln für das Computerspielen in der Familie erarbeiten, um diese nachher mit dem Nachwuchs zu diskutieren.

Nicht nur Computerspiele, auch das oftmals vorurteilsbelastete Bild der Gamer wird thematisiert, in dem Gesine Enswaldt mit dieser Subkultur in Kontakt tritt und ihre bisherigen Vorstellungen revidieren kann.

Im Film werden darüber hinaus verschiedene Genres von Games angesprochen, wie u.a. Adventures, (Ego-)Shooter und Konzentrationsspiele. Zudem werden unterschiedliche Geräte gezeigt, auf denen gespielt werden kann und es werden Bewegungen wie Let’s Play thematisiert. Das kann als Anknüpfungspunkt für einen Kurzinput zu Hintergrundinfos zu Games verwendet werden.

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

  • Organisation einer Eltern-LAN Party im schulischen Rahmen oder an Orten außerschulischer Medienarbeit. Unterstützung hierbei bietet spielbar.de, die Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Computerspielen.
  • Erstellung eines Lets Plays zusammen mit Kindern und Jugendlichen und hierdurch Verknüpfung von Computerspielen und eigener Medienproduktion.

Für wen?

Eltern

Bezugsmöglichkeiten:

Der Film ist als DVD mit Vorführrecht in katholischen und evangelischen Medienzentralen und Kreismedienzentren ausleihbar und unter www.medienzentralen.de online abrufbar. Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter www.filmwerk.de möglich (http://lizenzshop.filmwerk.de/shop/detail.cfm?id=2365).

Fazit:

Die Reportage Mama-Shooter berichtet unaufgeregt, aber nicht unspannend darüber, welche Vorbehalte und Befürchtungen Eltern in Bezug auf Computerspiele haben. Sie zeigt vielschichtig, wie Eltern durch das Testen verschiedener Computerspiele ein realistisches Bild von Games erhalten können. Eltern werden somit angeregt, die Entscheidungen ihrer Medienerziehung auch durch eigene Kenntnisse und Praxis zu unterfüttern.

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