#istesdaswert: Wir müssen mehr über Werte diskutieren!

Bild zur Veranstaltung #istesdaswert
Foto: Clearingstelle Medienkompetenz – Andreas Büsch

Unter dem Titel „#istesdaswert – Normen, Werte und das Netz“ stand der Fortbildungstag für LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und MedienpädagogInnen am 26.11.2018. Bereits zum dritten Mal führten der Schwerpunkt Medienpädagogik der Katholischen Hochschule Mainz und die Clearingstelle Medienkompetenz gemeinsam mit dem SWR – Bereich Medienkompetenz – eine Fortbildungsveranstaltung in den Räumen des SWR in Mainz durch. In diesem Jahr besuchten rund 70 Teilnehmende aus verschiedenen Arbeitsfeldern den mit Vorträgen und Workshops gestalteten Tag.
Im Gespräch mit Moderatorin Claudia Deeg (SWR1) erläuterte Christine Poulet, Beauftragte für Medienkompetenz beim SWR, zu Beginn der Veranstaltung die Zielsetzung und die Konzeption des Tages: Da auch der SWR einen Auftrag zur Vermittlung von Medienkompetenz hat, lag die gemeinsame Veranstaltung zu diesem wichtigen Thema nahe.

Der Vormittag wurde von drei Referent*innen mit kurzen Impulsvorträgen bestritten: Björn Schreiber, Referent für Medienbildung der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter (fsm), eröffnete unter dem Titel „Warum wir alle über Werte reden“ eine Bestandsaufnahme zu aktuellen ethischen Diskursen – um sodann ein Defizit zu konstatieren und den Titel entsprechend abzuändern: „Warum wir alle auch im digitalen Raum über Werte reden sollten“. Denn es reicht nicht aus, immer erst dann nach Werten und Normen zu fragen, „wenn Not am Mann ist und es an Orientierung fehlt. Aber ob uns die Wertedebatte tatsächlich diese Orientierung geben kann in einer immer globaler werdenden Welt, sei dahingestellt“, zitierte er Thomas Krüger, den Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung. Schreiber forderte daher, als Digital Citizens nicht nur über Werte zu reden, sondern – auch in digitalen Formaten – zu diskutieren und so das „Empörungsprinzip“ zu überwinden und „Verantwortung zum demokratischen Narrativ“ zu machen.

Björn Schreiber, Referent für Medienbildung der Freiwilligen Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter (fsm) Foto: Clearingstelle Medienkompetenz, Andreas Büsch

Prof. Andreas Büsch schloss an diese grundsätzliche Einführung in das Thema Werte und Normen an, indem er zunächst die zentralen Begriffe nochmals klärte und dann den Bezug zur medienpädagogischen Arbeit herstellte: Ziel der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in schulischen und außerschulischen Handlungsfeldern kann es nicht sein, eine Abschirmung von Medieneinflüssen zu versuchen, sondern Autonomie zu fördern – auch durch Werte-Bildung in Bezug auf Medien, in Auseinandersetzung mit Medien und vor allem durch medienpraktische Arbeit. Denn Medien rezipieren und präsentieren immer auch Werte, die es zu entschlüsseln und zu hinterfragen gilt. Dies erfordert natürlich von PädagogInnen eigene Medienkompetenz, um die naheliegenden Schnittstellen zwischen Medien- und Werte-Bildung auch nutzen zu können.

Birgit Kimmel, pädagogische Leitung des EU-Projekts klicksafe Foto: Clearingstelle Medienkompetenz, Andreas Büsch

An diese Brücke zwischen Theorie und Praxis schloss Birgit Kimmel, pädagogische Leitung des EU-Projekts klicksafe, mit ihrer Vorstellung der Arbeitshilfe „Ethik macht klick. Werte-Navi fürs digitale Leben“ nahtlos an. Sie erläuterte die in den Arbeitsmaterialien vorgesehene Vorgehensweise und stellte exemplarisch Teile zu den drei Themenfeldern der Broschüre – Privatsphäre und Big Data, Verletzendes Onlineverhalten, Mediale Frauen- und Männerbilder – vor. Derzeit wird die Broschüre nachgedruckt; eine überarbeitete Neuauflage ist in Vorbereitung.

Workshops stellen praktische Ansätze vor

Nach der Mittagspause ging es mit dem praktischen Teil der Fortbildung weiter. Die TeilnehmerInnen der Fortbildung konnten dazu aus vier Workshops wählen, welche Studierende der Katholischen Hochschule Mainz mit dem Schwerpunkt Medienkompetenz konzipiert hatten. Die Studierenden hatten sich im Rahmen eines Seminars seit letztem Semester inhaltlich mit verschiedenen Aspekten des Themas auseinandergesetzt und aus der Fülle von praktischen Ansätzen vier ausgewählt, die sie in entsprechenden Workshops den Teilnehmenden näher brachten. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der praktischen Anwendbarkeit als Unterrichtseinheiten oder als Module für außerschulische Arbeit sowie der Vorstellung entsprechender Materialien und Arbeitshilfen. Alle vier Workshops wurden zweimal parallel angeboten, so dass die Teilnehmenden nach einer Kaffeepause noch einen zweiten Workshop besuchen konnten.

In Workshop 1 unter dem Motto „Cybermobbing – Menschenwürde“ von Arlette Wendel und Hirruiy Mossazghi ging es darum, wie schnell kleine Grenzüberschreitungen in Cybermobbing ausarten – und was dagegen unternommen werden kann. Die Teilnehmenden agierten dazu in einem Rollenspiel in Kleingruppen als typische Akteure in sozialen Netzwerken und kamen so in den Austausch über Werte.

Workshop 2 wurde von Maximilian Klein und Leon König angeboten, die unter dem Titel „shameless“ die Selbstdarstellung in Social Media problematisierten. Gemeinsam wurden durch die Medien vermittelte Rollenbilder analysiert und deren Auswirkungen auf die Jugendlichen diskutiert. Anhand eines Fallbeispiels schlüpften die TeilnehmerInnen in verschiedene alltägliche Rollen und werteten aus dieser Perspektive ein fiktives Beispielprofil auf Facebook aus.

Unter dem Titel „#erzähldochmal – Das WerteVideo“ leiteten Michael Fughe und Theresa Rein ihre Teilnehmenden dazu an, Statements zu Werten mit Smartphone oder Tablet einzufangen und darüber mit der jeweiligen Zielgruppe ins Gespräch zu kommen. Auch diese Methode zielte unmittelbar auf die Übertragung in eine entsprechende Doppelstunde im Unterricht.

Der vierte Workshop von Anne-Sophie Hedwig und Clara Schmelzer stand unter dem Motto „Kurzen Prozess dem Medienstress“ und griff Phänomene wie „Smombies“ und die Angst Jugendlicher, irgendetwas zu verpassen (fear of missing out, kurz fomo), auf. In einem Experiment dazu wurden die Teilnehmenden u.a. gebeten, ihrer Mobilgeräte für die Dauer des Workshops abzugeben – und darüber zu reflektieren, wie sich dies für sie und ihre Zielgruppen wohl anfühlt.

In der abschließenden Auswertungsrunde lobten die Teilnehmenden neben der guten Gesamtorganisation vor allem die praktische Übertragbarkeit aller Workshop-Inhalte. Auch die Tatsache, dass die Studierenden passende Materialien für alle zum Mitnehmen besorgt hatten, wurde positiv hervorgehoben. Gleichzeitig betonten die Anwesenden die Notwendigkeit dieser und weiterer Fortbildungen, da vor allem an Schulen das Thema Digitalisierung und die damit verknüpften Werte-Fragen zum Teil noch eher stiefmütterlich behandelt werden.

Hinweis: Die Präsentationen zu den drei Einführungsvorträgen sind jeweils zur persönlichen Information verlinkt.

Björn Schreiber: Warum wir plötzlich alle über Werte reden

Prof. Andreas Büsch: Werte- und Medienbildung – wie geht das zusammen?

Birgit Kimmel: Wertebildung durch Medienbildung – so kann’s gehen: Ethik macht klick!

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