Invention of Trust

Titelbild: Invention of Trust
Bild: Katholisches Filmwerk e.V.

Worum geht`s?

Eckdaten des Films:

Produktion: Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) (München)

Deutschland 2016

Länge: 30 min

Produzent: Richard Lamprecht

Keine FSK-Prüfung, daher keine Jugendfreigabe (d.h. freigegeben ab 18 Jahren).

„Der Lehrer Michael Gewa wird von dem dubiosen Internetunternehmen b.good mit der öffentlichen Freigabe seiner privaten Internetdaten erpresst und kämpft bei Kollegen, Freunden und Schülern um seinen Ruf und das Vertrauen in ihn.“ (Filmfestival Max Ophüls Preis 2016)

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Datenschutz
  • Privatsphäre/Bewegungsprofile
  • Informationelle Selbstbestimmung/Recht an eigenen Daten
  • Netzpolitik
  • Cybercrime
  • Medienzeit
  • Menschenwürde im digitalen Zeitalter/Datenethik
  • Datenmissbrauch/Staatliche und unternehmerische Überwachung und Auswertung von Daten
  • Big Data/Algorithmen
  • Wert von Daten

Zum Einsatz in der politischen Bildung mit Erwachsenen:

Der Film „Invention of Trust“ eignet sich für die politische Erwachsenenbildung. An Themen wie Datenschutz, staatliche Überwachung und Überwachung seitens Arbeitgeber, Institutionen und Unternehmen sowie Big Data lässt sich durch das Anschauen des 30-minütigen Kurz-Spielfilms mit medienpädagogischer Arbeit anknüpfen.

Wir hinterlassen bei der täglichen Nutzung von Smartphone und Tablet einen digitalen Fußabdruck. Wenn wir scheinbar nichts für Apps bezahlen, bezahlen wir tatsächlich mit unseren Daten. In der Arbeit mit Erwachsenen kann es darum gehen, eine höhere Sensibilität dafür zu schaffen, wo wir beim Surfen, Online-Banking, etc. Daten hinterlassen und wie diese geschützt werden können. Hierbei soll es nicht darum gehen, digitale Medien zu verteufeln oder dazu zu raten, die Medienzeit und -nutzung einzuschränken, sondern sichere Alternativen aufzuzeigen, wie beispielsweise die Instant Messenger Threema, Telegram oder Signal statt WhatsApp zu nutzen.

Im Film reagiert die Schule, bei der der Lehrer Michael Gewa angestellt ist, sofort auf die Veröffentlichung seines Profils bei dem fiktiven Anbieter b.good. Hierbei wird offen gelassen, ob es sich um ein Zukunftsszenario handelt oder ob es solche private Unternehmen wie b.good tatsächlich bereits gibt. Soziale Netzwerke und Ranking-Seiten erlauben es Arbeitgebern, Daten über (zukünftige) Angestellte zu erfassen und auszuwerten. So sollte mit den Erwachsenen thematisiert werden, welche Daten online einsehbar sein können und wie selbstbestimmt und kompetent mit privaten Daten umgegangen werden kann. Darüber hinaus kann das „klassische“ Datenschutz-Thema der staatlichen Überwachung durch Sicherheitsdienste angesprochen und diskutiert werden. Hier soll es darum gehen, die Erwachsenen für den Wert der eigenen Daten zu sensibilisieren. An dieser Stelle eignet es sich, als Ergänzung zur medienpädagogischen Arbeit, den Film WhoamI anzusehen.

Der Film bietet Anlass auch die Hintergründe von Big Data anzusprechen und unter anderem folgende Fragen zu klären:  Was sind und wie funktionieren Algorithmen im Netz? Was verbirgt sich hinter der Filterblase? Warum sehe ich bei Facebook im News-Feed nicht alle Nachrichten? Welchen Nutzen haben Unternehmen von meinen Daten? Wie hinterlasse ich weniger Spuren im Internet? Wie weit geht Freiheit im Netz?

Viele der im Film angesprochenen Themen eignen sich für eine kritische Wertediskussion. Unter anderem macht der Film besonders deutlich, dass eine Haltung, wie der Protagonist sie zu Beginn teilt („Ich habe nichts zu verbergen“), nicht nur für ihn selbst riskant sein kann, sondern auch auf Mitmenschen Auswirkungen hat. Der sich hieraus ergebende politische Auftrag an unsere heutige Gesellschaft, sich nicht nur um sich selbst zu kümmern sondern netzpolitisch aktiv und interessiert zu sein, um am Geschehen teilzuhaben und zu beeinflussen, wird von dem Protagonisten am Ende des Films fokussiert. Hintergrundinformationen zu netzpolitischen Fragestellungen bietet zum Beispiel das Netzpolitische Papier der Deutschen Bischofskonferenz.

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

  • Mit unterschiedlicher Software können Datenspuren im Internet gesammelt und ausgewertet werden. So kann bspw. mit Hilfe der Website http://www.youronlinechoices.com/de/ analysiert werden, welche Werbetreibenden Interesse an den eigenen Daten haben.
  • Zum Thema Medienzeit: Erstellen eines Medientagebuchs – die Erwachsenen sollen eine Woche festhalten wann, wie lange und mit welchen Medien sie online gehen. Diese Eintragungen können für sich ausgewertet werden um sich den eigenen Mediengebrauch vor Augen zu führen.
  • Digitales Kennenlernen: In Zweiergruppen können die sich noch unbekannten Teilnehmer gegenseitig googlen und so ein Profil über das noch unbekannte Gegenüber erstellen. Oftmals ist es für Beteiligte dabei selbst überraschend, welche Daten so zum Vorschein kommen und online sind.

Für wen?

Jugendliche in der (außer)schulischen Medienarbeit und Erwachsene

Bezugsmöglichkeiten:

Der Film ist als DVD mit Vorführrecht in katholischen und evangelischen Medienzentralen und Kreismedienzentren unter http://www.medienzentralen.de bestell- und ausleihbar.

Fazit:

Der Film „Invention of Trust“ bringt als 30-minütiger Kurz-Spielfilm viele aktuelle netzpolitische Herausforderungen in Kürze und Prägnanz auf den Punkt. Obwohl der Film eine eher düstere Zukunftsversion vermittelt, macht der Aufruf des Protagonisten am Ende des Films auf aktuelle Handlungsbedarfe und mögliche Freiheitseinschränkungen durch die Digitalisierung aufmerksam und ermutigt damit, selbst in Sachen Datenschutz und Netzpolitik aktiv zu werden. Der Film wurde 2016 mit dem Student Academy Award in der Kategorie „Bester ausländischer Spielfilm“ ausgezeichnet.

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