DIVSI Ü60-Studie

Titelbild der DIVSI Ü60-Studie
Bild: divsi.de

Die digitalen Lebenswelten der über 60-Jährigen in Deutschland

Nach mehreren Studien u.a. zu Internet-Milieus und zur Entwicklung der „digitalen Gesellschaft“, hat das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) im November 2016 eine Grundlagenstudie zur digitalen Mediennutzung von über 60-Jährigen in Deutschland veröffentlicht.

Die Studie befasst sich mit Einstellungen und Verhaltensmustern der Menschen über 60 in der digitalen Lebenswelt. Befragt wurden diese in zwei Verfahren. Zuerst wurde eine qualitative Vorstudie mit In-Home-Interviews durchgeführt, danach eine quantitative Repräsentativbefragung der deutschen Wohnbevölkerung ab 60 Jahren in Form von persönlichen computergeschützten Interviews. Dabei ging es in erster Linie darum, detailliert zu erfassen, ob und inwiefern ältere Menschen am digitalen Leben teilnehmen, was Teilhabe dabei genau ausmacht und was die jeweiligen Treiber und Barrieren von Partizipation sind. Maßgeblich dafür sind vier Themenbereiche:

  • Digitalisierungslevel: Mit was beschäftigen sich die über 60-Jährigen im Internet? Wofür und wie lange? Wie schätzen sie selbst ihre Online-Kompetenz ein?
  • Chancen und Risiken in der digitalen Welt: Vor- und Nachteile im Netzt? Bewertung von Risiken und daraus folgenden Konsequenzen
  • Einstellungen zu Vertrauen und Sicherheit im Internet: Wie gehen sie mit den Risiken im Internet um? Welche Schutzmaßnahmen ergreifen sie?
  • Privatsphäre und Personal Data Economy: Umgang und Schutz der persönlichen Daten

Die Studie zeigt auf, dass zwar ein großer Teil der über 60-Jährigen in Deutschland „in der digitalen Welt angekommen“ ist (S.76). Sie sind „Souveräne Intensiv-Nutzer, für die das Internet nicht nur selbstverständliche Infrastruktur, sondern der digitale Lebensstil ein Abgrenzungsmerkmal gegenüber Gleichaltrigen ist.“ (S.11). Gleichzeitig wird aber der Graben zwischen Onlinern und Offlinern, die über 60 Jahre alt sind zunehmend größer, denn 48 Prozent von ihnen, also etwa zehn Millionen Menschen, nutzen das Internet gar nicht. Die Gründe dafür überraschen nicht und sind aus verschiedenen anderen Studien bekannt: je älter jemand ist und je geringer der formale Bildungsgrad sowie –meist damit korrespondierend- das Haushaltsnettoeinkommen der Person, desto wahrscheinlicher ist sie nicht online. Zwar ist das Interesse der Zielgruppe Ü60 am Internet gestiegen, gleichzeitig aber auch die Unsicherheit. Viele von ihnen „fühlen sich von der Komplexität des Internets überfordert, sehen größtenteils keinen Nutzen darin und lehnen es daher ab“ (S.9).

Ein Großteil der Studie befasst sich damit, für welche Zwecke Senioren das Netz nutzen. Die meisten von ihnen verwenden es als Informationsquelle (Wikipedia, Telefonbuch, etc.). Gut zwei Drittel der Onliner pflegen soziale Kontakte im Internet, 41 Prozent kaufen bereits online ein. Ebenfalls versucht die Studie über Gefahren und Risiken im Internet aufzuklären und Hürden für die ersten Schritte im Netz zu nehmen.

Immer mehr Dinge spielen sich im Internet ab, wie Alltagsorganisation, Erledigung, Kommunikation mit Familie und Bekannten. Soziale Teilhabe wird auf lange Sicht nicht ohne digitale Teilhabe möglich sein. Deshalb möchten auch immer mehr über 60 Jährige digitale Angebote für sich nutzen. Viele von ihnen können dies aber nicht ohne Unterstützung. Die vorliegende Studie benennt fördernde sowie hindernde Faktoren für eine digitale Teilhabe der über 60-Jährigen deutlich und liefert damit eine wesentliche Voraussetzung für (medienpädagogische sowie politische) Maßnahmen, die eine weiter gehende Partizipation ermöglichen können.

Die Studie steht als Download als PDF über die Website des Herausgebers zur Verfügung: https://www.divsi.de/publikationen/studien/
Direktlink zur Studie: https://www.divsi.de/wp-content/uploads/2016/10/DIVSI-UE60-Studie.pdf

Die DIVSI ist eine 2011 von der Deutsche Post AG gegründete und finanzierte gemeinnützige Einrichtung. Ihr Ziel ist es, einen „Dialog zu mehr Vertrauen und Sicherheit im Internet zu gestalten und mit neuen Aspekten zu beleben.“ (www.divsi.de). In der Vergangenheit hat das DIVSI bereits Studien zur Mediennutzung junger Menschen veröffentlicht, u. a. zu Internet-Milieus 2016, zum Aufwachsen von Kindern in der digitalen Welt (DIVSI U9) und zu Beteiligungsformen im Netz.

 

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