#mepps: Wertediskussion bleibt Thema der Medienbildung

Prof. Katharina Zweig trägt beim Alumni-Treffen von #mepps zum Thema Algorithmen vor
Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

Zweites Alumni-Treffen des Zertifikatskurses Medienpädagogische Praxis

Vom 07. bis 08. Oktober 2016 war es wieder so weit. Die AbsolventInnen von mittlerweile drei Jahrgängen des Zertifikatskurses Medienpädagogische Praxis (mepps) trafen sich zum Alumni-Treffen im Katholisch-sozialen-Institut in Bad Honnef. Neben der Wiedersehensfreude und der Vernetzung mit anderen AbsolventInnen, bedeuteten die zwei Tage Fortbildung auch richtige Arbeit. Themen waren u.a. Algorithmen und Digitale Ethik, Werte, Medienerziehung und Elternarbeit, Virtual Reality (VR) und Hate speech.

In Ihrem Vortrag am Freitagnachmittag vermittelte Prof. Dr. Katharina Anna Zweig, Leiterin der Arbeitsgruppe Graphentheorie und Analyse komplexer Netzwerke an der TU Kaiserslautern, das kleine ABC der Informatik – von Algorithmen über Big Date bis zu Künstlicher Intelligenz. Auf anschauliche Weise vermittelte sie die Funktion von Algorithmen und das Problem der Gewichtung – und sparte nicht mit Kritik am eigenen Berufsstand der InformatikerInnen, denen häufig nicht bewusst sei, dass und wie sie bei der Überführung von konkreten Fragen in mathematische Probleme bereits modellieren und damit Gewichtungen vornehmen: „Das Ergebnis ist immer eine Zahl, der eine Pseudo-Obektivität eigen ist und der man die dahinter liegenden Gewichtungen und Modellierungen nicht ansieht“, so Zweig. Konkret forderte sie, dass Informatik und Medienpädagogik gemeinsam sich um Medienkompetenz bemühen müssten, worunter zum einen eine Stärkung von Kindern und Jugendlichen zu verstehen sei, die ihr eigenes Verhalten und ihren Umgang mit Medien kennen und kritisch überprüfen können müssten. Sodann brauche es auch ein journalistisches Verständnis im Sinne einer Fähigkeit zur Beurteilung von Informationen und Informationsquellen. Das notwendige Lernen zu informatischen Grundlagen sei auch ohne Computer sehr gut zu vermitteln; auch die ethischen Dimension der Algorithmen ließe sich didaktisch gut aufbereiten.

Platz für die Themen und aktuelle Fragen aus dem (Berufs-)Alltag der AbsolventInnen bot das Barcamp am Samstagvormittag. Nach einer kurzen Einführung zur Methode durch Kerstin Heinemann vom JFF München, ging es in zwei Slots u.a. um Datenethik, Medienerziehung in der Grundschule, Tablets im Unterricht und Virtual Reality (VR). Letztgenannte blieb nicht nur Diskussionsgegenstand, sondern konnte im Slot mit Prof. Andreas Büsch, Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz, durch das Zusammenbasteln und Ausprobieren von VR-Brillen mit Smartphones selbst erfahren werden. Im anschließenden Austausch über Einsatzmöglichkeiten und medienpädagogische Zugänge zur VR-Technologie zahlte sich die Vielfalt der Arbeitskontexte der AbsolventInnen aus.
Das Barcamp offerierte zusätzlich allen AbsolventInnen die Möglichkeit aus aktuellen eigenen Projekten zu berichten. So präsentierten u.a. Jürgen Drewes, Lehrer am Bischöflichen Clara-Fey-Gymnasiums in NRW, zu seinen Erfahrungen mit einer „Tabletklasse“, und Friederike Mizdalski, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg, zum Einsatz des Tools „Pivot“ im Religionsunterricht.

Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

Zum Abschluss des diesjährigen Alumni-Treffens sprach Björn Schreiber, Referent für Medienbildung der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (fsm), über Hate speech. Schreiber ist Projektverantwortlicher für die Twitter-Kampagne #nichtegal und stand den AbsolventInnen Rede und Antwort zum Phänomen an sich und dem Umgang damit. Er betonte, dass es nicht nur eine Art der Hassrede gebe und somit auch nicht die eine Lösung bzw. notwendige Reaktion darauf. Die Motivationslage von HaterInnen sei unterschiedlich, zudem müsse eine – wenn auch nicht trennscharfe – Abgrenzung zwischen Hate speech und anderen Phänomenen wie Trollen vorgenommen werden. Schreiber zeigte Gegenstrategien wie Ironisieren, Moderieren, Ignorieren und Diskutieren auf und diskutierte diese mit den TeilnehmerInnen auf der Grundlage seiner gegenwärtigen Projekterfahrungen. Neben der Haltung des CounterSpeeches – also dem unermüdlichen Hinweisen auf Hate speech und dem Positionieren für ein hassfreies, demokratisches Netz – sollten wir, so Schreiber, ein (Counter-)Narrativ erzählen. Dieses Narrativ beginne da, wo Menschen darüber diskutieren, wie und auf der Grundlage welcher Werte sie im Netz miteinander sprechen möchten.

Zu Ende, wie zu Beginn spielte die Vernetzung untereinander eine wichtige Rolle.
„Es war sehr faszinierend, die anderen Teilnehmer und ihre medienpraktischen Projekte, die sie in der Weiterbildung umgesetzt haben, kennenzulernen,“ so ein Absolvent kurz vor der Heimreise am Samstagnachmittag: „Es ist immer toll, mit den anderen AbsolventInnen, der Kursleitung und hervorragenden ReferentInnen –  im Sinne kollegialer Beratung – aktuelle Herausforderungen medienpädagogischer Praxis durchzusprechen.“

Der Zertifikatskurs Medienpädagogische Praxis (mepps) sowie das Alumni-Treffen sind ein bundesweites Fortbildungsangebot für MultiplikatorInnen in medienpädagogischen Handlungsfeldern, das von der Clearingstelle Medienkompetenz gemeinsam mit Kooperationspartnern angeboten wird. Das Alumni-Treffen findet jährlich als Followup-Veranstaltung für alle AbsolventInnen des Zertifikatskurs Medienpädagogische Praxis statt und dient der Vernetzung der AbsolventInnen untereinander sowie der kontinuierlichen gemeinsamen Fortbildung. Das nächste Treffen findet vom 06.–07. Oktober 2017 statt; die Einladung erfolgt an alle Kurs-AbsolventInnen rechtzeitig im Frühsommer 2017.

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