The CLEANERS – Im Schatten der Netzwelt

Mensch vor PC; Cover The Cleaners
Bild: farbfilm verleih GmbH

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:

Doku-Thriller von Hans Block, Moritz Riesewieck und Christian Beetz

Länge: 85 Minuten

Erscheinungsjahr, Produktionsland: 2018, Deutschland

Bonusmaterial: Schulisches Begleitmaterial zum Download

Produktion: Gebrüder Beetz Filmproduktion, WDR, NDR, RBB

empfohlen ab 16 Jahren

Schuljahre: Sekundarstufe I: ab Klasse 10, Sekundarstufe II

THE CLEANERS enthüllt eine gigantische Schattenindustrie digitaler Zensur in Manila, dem weltweit größten Outsourcing-Standort für „Content Moderation“. Dort löschen zehntausende Menschen in Zehn-Stunden-Schichten im Auftrag der großen Silicon-Valley-Konzerne belastende Fotos und Videos von Facebook, YouTube, Twitter & Co. Komplexe Entscheidungen über Zensur oder Sichtbarkeit von Inhalten werden so an die „Content Moderatoren“ outgesourct. Die Kriterien und Vorgaben, nach denen sie agieren, sind eines der am besten geschützten Geheimnisse des Silicon Valleys. Die Grausamkeit und die kontinuierliche Belastung dieser traumatisierenden Arbeit verändert die Wahrnehmung und Persönlichkeit der Content-ModeratorInnen. Doch damit nicht genug. Ihnen ist es verboten, über ihre Erfahrungen zu sprechen. (farbfilm home entertainment / Lighthouse Home Entertainment)

 Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Funktionsweise und Mechanismen von Social Media / Online-Suchmaschinen
  • Hate Speech
  • Fake News
  • Darstellung von Gewalt / Pornografie im Netz
  • Meinungsbildung im Netz
  • Filterblasen / Echokammern
  • Zensur im Netz / Social Media
  • Politik im Zeitalter der Digitalisierung
  • Medienethik

Zum Einsatz in der (außerschulischen) Medienarbeit mit Jugendlichen, Erwachsenen und LehrerInnen:

Täglich surfen Millionen von Menschen im World Wide Web und greifen dabei unter anderem auf Suchmaschinen, beispielsweise den Suchalgorithmus von Google oder auf Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram zu. Solche Dienste bieten auch Menschen mit einer geringen Technikaffinität Strukturen, um sich mit anderen NutzerInnen zu vernetzen, sich auszutauschen, eigene Inhalte hochzuladen und zu teilen sowie sich über Inhalte anderer zu informieren. Doch nicht alle Inhalte sind zum gegenseitigen Austausch bestimmt, sondern stellen teilweise eine Gefährdung für andere NutzerInnen oder einen Verstoß gegen die Community-Richtlinien der Plattformen oder geltende Gesetze dar. Für die Kontrolle der geposteten Inhalte sind sogenannte Content-ModeratorInnen zuständig. Ihre Arbeit bildet den Dreh- und Angelpunkt der Dokumentation. In mehreren Interviews werden ihre Aufgaben, ihre Verfahrensweisen und ihre Arbeitsbedingungen näher beleuchtet. Hierbei ist zum einen die Sichtweise der Content-ModeratorInnen auf ihre Arbeit interessant. Diese gilt es gemeinsam mit den ZuschauerInnen zu verstehen. Die sogenannten Cleaners sehen sich als Beschützer der Internetgemeinschaft, denen eine hoch verantwortungsvolle Aufgabe zukommt; eine Aufgabe, die sie zu etwas besonderem macht. Auf diesen Aussagen aufbauend kann mit den ZuschauerInnen besprochen werden, welchem Wert sie dieser Arbeit beimessen. Sehen sie ganz allgemein eine Notwendigkeit zur Überprüfung von geposteten Inhalten? Sind ihnen Fälle bekannt, in denen eine Content Moderation sinnvoll und wichtig erscheint? Gab es eventuell schon Inhalte in ihren Timelines, die sie lieber nicht gesehen hätten?

Teilen oder löschen?

Von diesen einleitenden Aspekten ergibt sich schnell die Frage nach entsprechenden Richtlinien dieser Arbeit. Es fällt auf, dass bei der Entscheidung, ob ein Inhalt gefährlich ist oder nicht, ein großer Spielraum besteht. Das Urteil scheint keinen festen Regeln unterworfen, sondern liegt im subjektiven Ermessen des oder der Content-ModeratorIn. Gemeinsam können zu diesem Punkt die einzelnen in den Interviews genannten Regeln herausgestellt werden. Was sehen die Content-ModeratorInnen als gefährlich an? Welche Rolle spielt die Herkunft/Kultur der Content-ModeratorInnen? Welche Auswirkungen könnte dieser Spielraum bei der Entscheidung besitzen?

All diese Überlegungen leiten über zum nächsten größeren Thema in der Dokumentation, nämlich der ganz allgemeinen Frage: Welche Inhalte sollten überhaupt gesperrt werden und bei welchen ist ein öffentliches Verbreiten sogar sinnvoll? Die Antwort auf diese Frage ist äußerst komplex und bietet auch in der Zuschauergruppe enormes Diskussionspotenzial. Über verschiedene Interviews mit Angestellten von IT-Unternehmen, mit KünstlerInnen, mit JournalistInnen und mit MenschenrechtsaktivistInnen wird versucht, ein möglichst breites Meinungsspektrum zur Fragestellung abzudecken. Hier besteht in der Arbeit mit dem Film die Möglichkeit, zuerst einmal alle Position zu erfassen und die wichtigsten Argumente herauszustellen. Was ist den InterviewpartnerInnen bei ihrer Netzaktivität wichtig? Welchen Regeln folgen die einzelnen Menschen? Anschließend kann über die Hintergründe zu den Meinungen diskutiert werden. Welche Intentionen spielen bei den Aussagen eine Rolle? Worauf legen die InterviewpartnerInnen Wert? Gibt es zwischen den einzelnen Gruppen Gemeinsamkeiten? Wo liegen die Unterschiede? Sobald die einzelnen prominenten Positionen geklärt sind, können die Standpunkte der TeilnehmerInnen herausgearbeitet und verglichen werden. Was erwarten die ZuschauerInnen vom Internet und im Speziellen von Social-Media-Plattformen? Was möchten sie in ihrer Timeline haben? Worüber möchten sie im Internet informiert werden? Nach welchen Kriterien würden sie Inhalte sperren?

Meinungsfreiheit vs. Sicherheit

Eng damit verbunden ist die Diskussion über die Meinungsfreiheit im Netz. Grundlegend kann die Frage gestellt werden, was überhaupt Meinungsfreiheit für den Einzelnen bedeutet. In welchen Fällen sollte Zensur greifen? Wo endet Kunst oder Satire? Worauf legen die TeilnehmerInnen mehr Wert: auf ihre Meinungsfreiheit oder auf Sicherheit und Kontrolle im Netz? Praktisch können diese Fragen auch anhand der in der Dokumentation gezeigten Beispiele (bspw. Videos von der Bombardierung von Städten, Karikatur über Erdogan, Trump-Bild, Bild aus dem Vietnamkrieg, Hinrichtung von Saddam Hussein) besprochen werden.

Ein weiterer in der Dokumentation angesprochener Punkt, der mit der Zensur einhergeht, ist die Beeinflussung der Meinungsbildung im Netz. Vor allem Jugendliche, aber inzwischen auch ein Großteil der erwachsenen NutzerInnen beziehen ihre Informationen zu aktuellen Themen über das Internet. Damit besitzen die dort aufgeführten und diskutierten Inhalte sowie die Betreiber der entsprechenden Dienste einen wesentlichen Einfluss auf unsere Meinungsbildung. Als Einstieg in die Thematik kann bei den TeilnehmerInnen erfragt werden, woher sie ihre Informationen zu Politik und Weltgeschehen beziehen. Gibt es neben Social Media und dem Internet auch andere Quellen? Welche Seiten besuchen sie bei Recherchen? Auf diesen Fragen aufbauend können einzelne Meldungen aus Print-, Rundfunk- und Onlinemedien verglichen werden. Wie wird ein Sachverhalt dargestellt? Worin unterscheiden sich die Inhalte? Was löst die Darstellung im Rezipienten aus? Wo liegen Vor- und Nachteile der verschiedenen Medien?

Filterblasen und Eckokammern

Schon lange haben politische Akteure und Bewegungen, aber auch kommerzielle Unternehmen dieses Potential zur Meinungsmache erkannt und versuchen auf Social-Media-Plattformen die Meinungen von WählerInnen und KäuferInnen für sich zu gewinnen. Hierfür werden in der Dokumentation mehrere Beispiele aufgezeigt, unter anderem der Aufstieg Trumps, die Videobeiträge eines rechtsextremen Meinungsbloggers oder die Öffentlichkeitsarbeit des philippinischen Präsidenten Duterte. Hier kann zur Diskussion gestellt werden, wie die Sozialen Medien unser politisches Denken und Handeln beeinflusst haben. Welche Vor- und Nachteile bietet Social Media in dieser Hinsicht? Wie werden politische Debatten auf Social Media geführt? Ist die Vernetzung über diese Kanäle eher Fluch oder Segen? In diesem Zusammenhang kann auch das Phänomen der Filterblasen bzw. Echokammern eingegangen werden. Wie schätzen die ZuschauerInnen die Meinungsdiversität innerhalb ihrer Online-Freundschaften ein?

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

  • Vergleich der Darstellung von Themen in verschiedenen Medien (Zeitung, Fernsehen/Nachrichtensendungen, Internet, Social Media): Was fällt allgemein auf? Was wird gezeigt? Wo liegt der Fokus? Bestehen Unterschiede zwischen den einzelnen Medien aber auch zwischen Vertretern der selben Medienkategorie? G können speziell die von den SchülerInnen im Austausch genannten Informationskanäle näher beleuchtet werden
  • CLEANERS-Selbstexperiment – selbst zum/zur Content-ModeratorIn werden: gemeinsames Sammeln von Posts, Bildern und Videos, die auf Social Media geteilt wurden (je nach Alter der TeilnehmerInnen sollte eine Vorauswahl der zu besprechenden Inhalte durch den/die AnleiterIn erfolgen); in Gruppen können dann eigene begründete Bewertungen erarbeitet und anschließend in eine Diskussionsrunde gegeben werden.
  • Internet-Quellencheck zu aktuellen Themen, beispielsweise über den SWR Fakefinder oder dem SWR Fakefinder for School
  • Erstellen einer Mindmap zur Gegenüberstellung der verschiedenen, in der Dokumentation gezeigten Positionen (Content-ModeratorInnen, BetreiberInnen der Social-Media-Plattformen, NutzerInnen, JournalistInnen, KünstlerInnen, Regierungen / PolitikerInnen): Welche Ansichten vertreten sie allgemein zur Plattform? Welche Ansprüche stellen sie an Social Media? Welche Position nehmen sie zur Zensur ein? Möglicherweise können zu dieser Übung bereits vor dem Anschauen Gruppen gebildet werden, die sich auf eine Position konzentrieren.
  • Erstellen eines klassen- bzw. gruppeninternen Regelwerkes, welche Inhalte in Klassenchats und -gruppen geteilt werden dürfen

Für wen?

LehrerInnen, MedienpädagogInnen, Eltern und Jugendliche ab 16 Jahren

Bezugsmöglichkeiten:

Die Dokumentation steht mit Vorführrecht in katholischen und evangelischen Medienzentralen als Verleih-DVD zur Verfügung und kann beispielsweise über die Medienzentrale München bezogen werden. Ergänzende Inhalte, wie Statements der ProduzentInnen, Hintergrundinformationen zu den ProtagonistInnen oder Lehrmaterialien, sind über die dazugehörigen Website erreichbar.

Fazit:

Die Dokumentation THE CLEANERS wirft einen Blick auf die Prozesse, die hinter unserer Alltagsnutzung von Internet und im Speziellen von Social Media ablaufen. Im Fokus steht die Arbeit der Content-ModeratorInnen, die das Web auf unliebsame und gefährliche Inhalte durchforsten, um die Milliarden NutzerInnen davor zu „schützen“. Hierbei kommen schnell einige Fragen auf: Was ist gefährlich für die NutzerInnen? Wer bestimmt die Grenze zwischen teilenswerten und gefährlichen Inhalten und welche ideologischen Hintergründe gibt es? Wo endet die Meinungsfreiheit und wo beginnt Zensur? Eine allgemein gültige Antwort darauf kann und möchte die Dokumentation nicht geben, jedoch gelingt es ihr, verschiedenste Positionen in der Diskussion einzufangen und neutral darzustellen. Welcher Wert diesen jeweils zukommt, muss jede und jeder einzelne ZuschauerIn für sich selbst entscheiden und im Idealfall mit anderen ausdiskutieren.

Hinweis: THE CLEANERS enthält teilweise verstörendes Bildmaterial und detaillierte Beschreibungen des Arbeitsalltags der Content-ModeratorInnen. Dem/der Vorführenden sollte dies bei der Präsentation bewusst sein und seine/ihre ZuschauerInnen auf entsprechende Inhalte vorbereiten.

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