Rückblick #kiw19: God is the Key?

Rückblick auf die Tagung „Kirche im Web“

Lässt sich im Bereich Kirche mit Marketing-Begrifflichkeiten arbeiten? Hat Kirche so etwas wie einen Markenkern? Und, wenn ja, woraus besteht er und wie lässt er sich „vermarkten“? Unter dem Titel „God is the Key – Kirche als Marke“ beleuchtete die diesjährige Tagung „Kirche im Web“ dieses Thema. Rund 100 Menschen folgten der Einladung in die Akademie Franz Hitze Haus nach Münster.

Los ging es am Donnerstagmorgen mit einem Warming-up von Christian Schnaubelt, Kommunikationswirt aus Bochum und am Studienprogramm Medien der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) St. Georgen in Frankfurt am Main beteiligt. Ein Speed-Dating gehörte dazu, eine Umfrage und ein YouTube-Clip zum Thema „Wie funktioniert Gesellschaft?“. Darauf aufbauend wurde hinterfragt, was Christinnen und Christen eigentlich verbindet. In Kleingruppen diskutierten die Teilnehmenden diese Frage; die Antworten waren so vielfältig wie die Menschen: Ist es die Gemeinschaft, Gott oder die gemeinsame Suche nach Sinn oder doch etwas ganz anderes?

Den Eröffnungsvortrag hielt Jun.-Prof. Dr. Wolfgang Beck von der PTH St. Georgen in Frankfurt. Er fragte, was gelingende öffentliche Kommunikation überhaupt sei. Und ob kirchliche Kommunikation denn etwas bringe und nicht vielmehr ein flehender Appell sei. Er stellte auch die Prämissen für ebendiese Kommunikation infrage: Ist das Ziel, die Kirche zu retten, überhaupt das richtige? Oder mit unserem Freiheitsbegriff vereinbar, wenn man Kirchenmitglieder an sich „binden“ wolle?

Prof. Beck bei seinem Vortrag zum Thema Kirche als Marke bei der Tagung #kiw19
KOMMWIRT / Christian Schnaubelt

Wolfgang Beck plädierte dafür, von einer häufig gelebten Ein-Weg-Kommunikation hin zu einer symmetrischen Kommunikation in Form eines wirklichen Dialogs zu kommen. Doch diese setzt auch die Bereitschaft voraus, Feedback in tatsächliche Handlungen zu übersetzen. Gleichzeitig müssten auch Machtverluste in Kauf genommen werden. Anschließend diskutierten die Anwesenden mit Prof. Dr. Beck unter anderem über die im Vortrag gezeigten Marketing-Clips, über Elemente theologischen Populismus und über die Herausforderungen der Kirche(n) in diesem Bereich.

Nach der Mittagspause stand – wie bereits in den vergangenen Jahren – das KIWcamp im Mittelpunkt. 14 Sessions standen zur Auswahl: In drei Zeitslots ging es unter anderem um die Website der Zukunft oder um Livestreaming-Tools, über Fotografie in Zeiten von DSGVO und KDG, eine Sternsinger-App und darüber, wie es dazu kam, dass der Sprachassistent Alexa heute mit dem im Bistum Essen entwickelten  Skill „Etwas Gutes für mich“ Trost spenden kann.

Nach dem Abendessen stand das Kamingespräch auf dem Programm. Im Gespräch mit dem Journalisten und Vorsitzenden der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands, Joachim Frank, gab Pater Hagenkord SJ, Leitender Redakteur Vatican News, Radio Vatikan Einblicke in seine Arbeit und beleuchtete manche Kommunikationsentscheidungen des Vatikans offen und kritisch. Für ihn gehören auch dunkle Seiten wie das Thema Missbrauch zum Markenkern von Kirche. Denn kein Bericht über Missbrauch komme ohne die Erwähnung von Kirche aus. Dieser Tatsache gelte es ins Auge zu sehen, wolle man aus dieser Lage herauskommen. Daher plädiert er für Ehrlichkeit und Offenheit – auch, wenn es hart ist. Mehr dazu lässt sich in seinem Blobgeitrag nachlesen.

Kamingespräch bei #kiw19
Bild: Clearingstelle Medienkompetenz

Der Freitagmorgen startete mit einem spirituellen Impuls in Form eines Videos von Angelika Kamlage, freie Fotografin und geistliche Begleiterin. „Wann leben wir eigentlich?“, war der Denkimpuls.

Die daran anschließende Podiumsdiskussion begann mit einem Videostatement von Louisa Baron, Markenstrategin aus Berlin, die leider nicht persönlich anwesend sein konnte. Sie stellte klar heraus, dass für sie die Kirche eine Marke ist – mit dem Kreuz als Markenzeichen und einer sehr langen Markengeschichte. Daran anschließend diskutierten Ariadne Klingbeil von der MDG Medien-Dienstleistung GmbH und Dr. Martin Dabrowski, stellvertretender Leiter des Franz Hitze Haus in Münster mit Prof. Dr. Peter Kenning, Lehrstuhl für BWL an der Universität Düsseldorf, Felix Neumann von katholisch.de und Christian Weisker, Leiter des Infoservice der EKD in Hannover. Ein zentraler Punkt war das Thema Vertrauen, das vermeintlich gerade durch Social Media geschaffen werden kann. Doch Prof. Kenning warnte, dass die Nähe, die soziale Netzwerke suggerieren, sehr fragil sei. Ganz anders als die Personen vor Ort, deren Rolle er daher hervorhob.

Immer wieder kam in der Diskussion auch die Frage auf, was nun eigentlich die Marke ist, die es zu „verkaufen“ gilt und welche Vorstellungsbilder von Kirche in den Köpfen der Menschen existierten. Felix Neumann konstatierte, die aktuell der Kirche zugewiesenen Attribute („Sonntag, Weihrauch, alte Männer“) seien falsch und müssen geändert werden.

Podiumsdiskussion auf der Tagung #kiw19
Bild: Clearingstelle Medienkompetenz

Dank Felix Neumann von katholisch.de gab es einen Livestream, sodass auch nicht Anwesende via Internet zuschauen konnten – nach wie vor ist die Podiumsdiskussion auf Facebook zu sehen.

Im Feedback mit Mentimeter, moderiert von Ariadne Klingbeil, MDG, und Jeanine Wein, Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz, konnten die Anwesenden ihre Ideen zur zentralen Frage nach der Marke beisteuern, die bereits im Titel der Veranstaltung angelegt ist: Ist Kirche die Marke? Oder: God is the key?

Außerdem warfen sie einen Blick in die Zukunft und benannten anstehende Aufgaben – in der Hoffnung, dass es nicht wie auf einer Postkarte, die im Warming-up gezeigt wurde, heißt: „Tolle Idee, machen wir trotzdem nicht.“

Auswertung: Schlagwortwolke mit Mentimeter bei #kiw19

Das Feedback fiel sehr positiv aus. „Gut gefüllt“ und einige auch mit „neuen Impulsen“ kehren einige Teilnehmende zurück. Viele äußerten das Vorhaben, auch im nächsten Jahr dabei zu sein. Zumindest Termin und Ort stehen schon fest, wie Dr. Heinz Hermann Peitz verkünden durfte: Am 5. und 6. März 2020 wird die Tagung Kirche im Web wie gewohnt im Wechsel in Stuttgart in seinem Haus, in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart stattfinden.

Übrigens: In den sozialen Netzwerken wurde und wird mit dem Hashtag #kiw19 über die Tagung gesprochen.

Die Tagung Kirche im Web wird im jährlichen Wechsel veranstaltet in den Akadiemen der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Franz Hitze Haus. Die Clearingstelle Medienkompetenz ist seit 2013 Mitveranstalter dieser Tagung..

Weitere Internet-Nachlese zur Tagung:

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