Sprachassistenten: Nicht mit Alexa spielen

Amazon Echo Dot als Beispiel für Sprachassistenten
Bild: rahul chakraborty / unsplash.com

Immer mehr Menschen nutzen Sprachassistenten wie Amazons Alexa, weil es komfortabel ist. Sie zahlen ihre Bequemlichkeit mit persönlichen Daten. Dabei können auch Kinder in Gefahr geraten, warnt Medienpädagoge Prof. Andreas Büsch in einem Beitrag der Verlagsgruppe Bistumspresse.

„Alexa, wie wird das Wetter?“ Prompt kommt die Antwort: „Sonnig und warm, bis zu 25 Grad.“ „Alexa, spiel mir mein Lieblingslied.“ Schon klingen die ersten Akkorde aus den Lautsprechern. „Alexa, schreib bitte Mehl auf meine Einkaufsliste.“ Alexa gehorcht.

Immer mehr Menschen nutzen Sprachassistenten, wie Alexa von Amazon. Im Januar hat der Internetkonzern bekannt gegeben, dass weltweit mittlerweile über 100 Millionen Geräte verkauft wurden, in denen Alexa vorinstalliert ist. Für die Nutzer ist die Sprachsteuerung vor allem eines: komfortabel. Sie müssen nicht mehr einen Finger rühren, um das Licht zu dimmen oder einen Freund anzurufen. Alexa erledigt das.

Idealerweise reagiert der Sprachassistent auf Signalwörter. Alexa schaltet sich erst ein, wenn es direkt angesprochen wird. Es zeichnet das Gespräch mit und erkennt mittels eines Algorithmus, was der Nutzer möchte. Die Aufnahmen landen auf einem Computerserver von Amazon.

Heimliche Aufzeichnungen

Doch die Geräte zeichnen auch heimlich mit. „Es gibt etliche Berichte, dass diese Geräte Unterhaltungen aufzeichnen, ohne dass das übliche Aktivierungswort gesagt wurde“, sagt Andreas Büsch, Professor für Medienpädagogik an der Katholischen Hochschule in Mainz und Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Mitarbeiter von Amazon Gespräche abhören und aufschreiben, um den Algorithmus des Assistenten zu verbessern. Fremde Personen können also Gespräche im Wohnzimmer belauschen.

Viele Nutzer schreckt das aber nicht ab. Das Argument, man habe doch nichts zu verbergen, hört Büsch oft. Er findet das naiv: „Natürlich haben wir alle etwas zu verbergen“, sagt Büsch. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Privatheit und Intimität wesentlich zu unserer Personenwürde und zum Menschsein dazugehört. Ich kann nicht nachvollziehen, dass man das einfach preisgibt.“

Auch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags warnte kürzlich vor den Risiken von Alexa. Die Experten schreiben, dass regelmäßig versehentlich Daten aufgezeichnet werden, ohne dass der Nutzer es bemerkt. Gäste, die nicht wissen, dass ein Sprachassistent im Haus benutzt wird, geben unter Umständen persönliche Informationen preis und werden gewissermaßen von Alexa abgehört.

Auch Kindern und Jugendlichen kann das passieren. Mit wenigen Worten können sie Alexa aktivieren. „Kinder haben heute einen vollen Zugriff auf Waren und Dienstleistungen im Internet, noch bevor sie überhaupt lesen oder schreiben können“, sagt Büsch. Dabei können sie unbeabsichtigt auf Inhalte im Internet stoßen, die nicht für sie gedacht sind. „Im schlimmsten Fall werden sie mit Gewalt, Sexualität oder einer Sprache konfrontiert, die sie überfordern oder verstören“, sagt Büsch. Er glaubt nicht, dass ein Elternteil so leichtsinnig sei, Sprachassistenten unbeaufsichtigt ins Kinderzimmer zu stellen. „Es ist aber schon problematisch, wenn solche Geräte im Wohnzimmer stehen und Kinder dort spielen.“

Erwachsene müssen Vorbilder sein

Das Bewusstsein für die Gefahren sei bei den Erwachsenen unterschiedlich ausgeprägt, sagt Büsch. „Es gibt Eltern, die sehr darauf achten, was ihre Kinder tun. Andere fühlen sich aber auch überfordert und denken, dass schon nichts passieren wird. Aber diese Einstellung ist dramatisch.“

Büsch sagt, dass die Erwachsenen ihrer Vorbildfunktion gerecht werden müssten. Sie sollten in der Nähe sein, wenn Kinder Internetangebote nutzen, sei es über Sprachassistenten, das Smartphone oder das Tablet. Eltern sollten genau schauen und fragen: Was machst du da? „Dann kann ich zeigen, dass ich mich für das interessiere, was meine Kinder dort machen, und gleichzeitig vermitteln, dass nicht alles gut ist, was es im Internet gibt“, sagt Büsch. Bei Geräten, die über Sprachsteuerung funktionieren, sei Kontrolle aber schwierig. „Man kann aber auch einfach mal den Stecker ziehen“, rät Büsch.

Text: Kerstin Ostendorf – Copyright: Verlagsgruppe Bistumspresse

Hinweis: Auf unserer Seite mekomat.de finden sich medienpädagogische Materialien und Informationen auch zu Sprachassistenten, z.B. „Alexa, was hältst du von Jugendschutz“ von jugenschutz.net oder „Wie wir leben wollen. Chancen und Risiken der digitalen Zukunft“ von Klicksafe.

 

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