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Ankündigungsbild zum 35. GMK-Forum Kommunikationskultur 2018
Bild: © GMK

35. Forum Kommunikationskultur der GMK vom 16.–18.11.2018 in Bremen

„The same procedure as every year“ – zumindest mit Blick auf den Termin am dritten November-Wochenende stimmt das berühmte Zitat auch für die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK). Denn jedes Jahr zum gleichen Termin veranstaltet der Fachverband für Medienpädagogik sein Forum Kommunikationskultur. Die diesjährige Veranstaltung an der Universität Bremen stellte das Thema Inklusion inden Mittelpunkt.

In Vorträgen, praxisorientierten Lightning Talks und Workshops wurden dabei verschiedene Aspekte von Inklusion angesprochen. Eine inklusive Medienbildung sollte sich daher weniger am Prinzip der Barrierefreiheit orientieren, sondern vielmehr der Idee eines Universal Design folgen. Dabei geht es darum, die gesamte „von Menschen für Menschen gestaltete Umwelt für möglichst viele zugänglich und nutzbar zu machen“ (IDZ 2008 (Hg.): Universal Design, S. 17). Denn zum einen ist der Ansatz einer bloßen Kompensation von Defiziten im Prinzip schon stigmatisierend. Zum anderen zeigen Untersuchungen sehr wohl, dass Menschen mit und ohne Behinderungen von geeigneten Anpassungsmöglichkeiten an individuelle Bedürfnisse profitieren. Dabei sollte es mittlerweile selbstverständlich sein, entsprechende Lösungen mit Betroffenen und nicht für sie zu entwickeln. Und schließlich ist Inklusion nicht nur für Menschen mit offensichtlichen Einschränkungen oder Behinderungen ein Problem.

Ein zur Tagung vorgelegtes Positionspapier der Fachgruppe Inklusive Medienbildung der GMK wurde am Sonntag in mehreren Kleingruppen, orientiert an (medien-)pädagogischen Handlungsfeldern diskutiert. Neben baulichen Maßnahmen als basaler Voraussetzung wurde dabei mehrfach die Vernetzung und Kooperation mit Berufs- und Fachverbänden gefordert. Außerdem wurde der Ruf nach einer Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fachkräften in Bezug auf inklusive Medienbildung laut – die seit langem auch von der Initiative Keine Bildung ohne Medien (KBoM) gefordert wird.

Foto: Lorenz Matzat von Algorithm Watch bei seinem Vortrag
Lorenz Matzat von Algorithm Watch bei seinem Vortrag; Foto: Clearingstelle Medienkompetenz – Andreas Büsch

Im Rahmen des Forums Kommunikationskultur hat die Clearingstelle Medienkompetenz auch in diesem Jahr wieder aktiv an einem Workshop der Fachgruppe Netzpolitik mitgewirkt, der unter dem Titel „Inklusion des Exklusiven: Die Macht der Algorithmen decodieren“ stand. Denn Inklusion und Partizipation sind eindeutige Zielvorstellungen der Medienpädagogik. Algorithmen und Künstliche Intelligenz wirken dagegen oftmals exkludierend, womit auch die Frage nach (medien-)pädagogischen Konzepten zum Umgang damit verknüpft  ist.

In einem mit über 80 Teilnehmenden inklusive aller Fensterbänke und freien Bodenplätze gefüllten Seminarraum stellte Lorenz Matzat von Algorithm Watch zur Einführung einige Informationen, aber auch Mythen über Algorithmen vor. Er widersprach unter anderem der Idee einer Algorithmen-Transparenz, da diese für Nicht-Fachleute kaum nachvollziehbar und immer nur Momentaufnahmen seien. Stattdessen sprach er sich für das Prinzip der Algorithmic Accountability aus: Durch eine entsprechende Rechenschaftspflicht „soll nachvollziehbar werden, welche Entscheidungen wie durch Algorithmen getroffen oder geprägt werden“ (BLM: Tendenz 02/2017) .

Prof. Dr. Angelika Beranek (HS München) und Prof. Andreas Büsch (Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz an der KH Mainz) lieferten sich anschließend ein „Battle“ zu positiven und negativen Aspekten von Algorithmen und deren Anwendungsmöglichkeiten, um daraus zur Frage nach Handlungsmöglichkeiten für die Medienpädagogik zu kommen. Einig waren sich die Teilnehmenden der abschließenden Diskussion, dass weder Ignoranz noch Fatalismus sinnvolle Strategien des Umgangs mit den aktuellen Herausforderungen sind. Damit war zugleich der Bogen geschlagen zum nächsten Forum Kommunikationskultur, das im kommenden Jahr in München stattfinden wird und eine Positionierung jenseits der im Kontext von Digitalisierung häufig formulierten Dichotomie „zwischen Utopien und Dystopien“ suchen will.

Foto: Die Preisträger des Dieter-Baacke-Preises 2018
Die Preisträger des Dieter-Baacke-Preises 2018; Foto: Clearingstelle Medienkompetenz – Andreas Büsch

„Der Dieter-Baacke-Preis ist volljährig geworden“, begrüßte Moderator Ralph Caspers am Samstagabend die Teilnehmenden im Bremer Überseemuseum. Denn der Preis, mit dem die GMK und das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) besondere medienpädagogische Projekte in sechs Kategorien auszeichnen, wurde in diesem Jahr zum 18. Mal verliehen. In diesem Jahr wurden noch mehr Projekte eingereicht als im Vorjahr: 168 Bewerbungen lagen der Jury vor; acht herausragende Projekte wurden prämiert, eines erhielt zudem eine „Besondere Anerkennung“. Die Preisträger*innen und ihre Projekte werden auf einer eigenen Website vorgestellt. Geehrt wurde dabei auch Günter Anfang vom Medienzentrum München, der von der ersten Preisverleihung 2001 bis heute in der Jury mitarbeitet.

Die GMK ist der Fachverband für Medienpädagogik in Deutschland und geht zurück auf Dieter Baacke, den 1999 verstorbenen Bielefelder Professor für Pädagogik, der das Konzept der Medienkompetenz entwickelt hat. Die Clearingstelle Medienkompetenz ist seit 2013 institutionelles Mitglied der GMK. Die GMK ist durch ihre Vorsitzende, Sabine Eder, im Beirat der Clearingstelle Medienkompetenz vertreten.

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