Internet schon für Kinder?

Mädchen und Junge vor dem Laptop
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Das Internet gehört zur Lebenswelt der Kinder

Je älter die Kinder werden, um so öfter und regelmäßiger nutzen sie das Internet. Zu den häufigsten Internet-Tätigkeiten gehören das Senden und Empfangen von Emails, das Suchen von Informationen zu einem bestimmte Thema oder für die Schule. Gerade die Schule hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder im Umgang mit den Neuen Medien fit zu machen. So gibt es auch Grundschulklassen, die sich auf einer selbstgebastelten Homepage präsentieren. Einige Kinder pflegen bereits ihre eigene Website.

Die pädagogische Bedeutung des Internets liegt in den vielfältigen Gestaltungs-, Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten. Das World Wide Web bietet vielseitige Möglichkeiten zur schnellen weltweiten Verbreitung von Informationen. Es schafft neue Kommunikationsformen, beeinflusst das Privat- und Arbeitsleben und verändert zunehmend auch den Bildungsbereich. Auch für Kinder gibt es zahlreiche spannende, unterhaltsame und informative Internetseiten.

Allerdings sind mit diesem Medium auch erzieherische Herausforderungen verbunden, denn Kinder gehen vorbehaltlos an die Informationsfülle des Internets heran. Ob sie beim Surfen auf Informationsmüll treffen oder auf hochwertige und verständliche Websites ist nicht zu beeinflussen. Damit unsere Kinder nicht auf extrem problematische Inhalte stoßen und sie sich Stück für Stück selbständig und verantwortungsvoll im Internet bewegen, bedürfen sie unserer Begleitung.

Folgendes sollten Sie als Eltern beachten:

  • Interesse: Surfen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern im Internet! Interessieren Sie sich für deren Lieblingsseiten und lassen Sie sich die angebotenen Möglichkeiten dieser Seiten erklären. Machen Sie Ihren Kindern auch deutlich, dass man nicht alle Informationen, die man im Internet findet glauben darf.
  • Regeln: Vereinbaren Sie mit ihren Kindern Zeiten, zu denen sie surfen dürfen. Verdeutlichen Sie ihnen, dass Surfen Geld kostet und das man sich auch aus dem Grund darüber verständigen muss, wann und wie lange man online geht.
  • Anonymität: Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie ihre Email-Adresse nicht achtlos weitergeben, da sie sonst ständig Junk-Mails (Werbung) bekommen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes sollten Kinder im Internet nie ihren echten Namen angeben (etwa beim Chatten), sondern immer einen sogenannten Nickname (Deckname) benutzen. Außerdem sollte ihr Kind niemals persönliche Daten (voller Name, Adresse, Telefonnummer, Passwörter oder Verhaltensweisen der Familie) an Fremde im Internet weitergeben.
  • Vorsicht E-Commerce: Ihrem Kind sollten Sie auch keine Kreditkartennummern zugänglich machen. Diese werden von den Anbietern des E-Commerce als Quasibeweis für die Volljährigkeit des Internetbenutzers verlangt und ermöglichen den Einkauf per Mausklick.
  • Jugendschutz: Es gibt auch bedenkliche und extrem problematische Inhalte im Internet (Pornographie, Gewaltverherrlichung, Rassenhass usw.), vor denen auch Filterprogramme keinen hundertprozentigen Schutz bieten. Deshalb überprüfen Sie nach den Surftouren ihrer Kinder die gespeicherten Lesezeichen und Cache. Sollten sich dort problematische Adressen finden, sprechen Sie mit den Kindern darüber. Aktuelle Hinweise zum Jugendschutz im Internet finden Sie unter www.jugendschutz.net.
  • Lehrer , die sich mit dem Thema „Internet-Verantwortung an Schulen“ beschäftigen, sei die Web-Site www.internetverantwortung.de. empfohlen. Auf dieser Seite gibt es einen Leitfaden zum Download, der sich mit folgenden Themen beschäftigt. Medienkompetenz, Verhaltenskodizes (Vereinbarungen über Regeln im Umgang mit dem Internet), Technische Kontrolle (Möglichkeiten der Kontrollen mit Hilfe von Einwahlsystemen oder Internetfiltern) und Hinweise zur Durchsetzung der pädagogischen und technischen Regelungen an Schulen.

Am Deutschen Jugendinstitut wurde das Projekt „Internet – außerschulische Lernangebote für Kinder und Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr“ im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführt. Die Forscher stellten Informationen über das Angebot für Kinder und über die Selbstdarstellung von Kindern im Internet zusammen und analysierten das Material medienpädagogisch.

Laut Projektbeschreibung war das Ziel „zur kritischen und realistischen Auseinandersetzung von Pädagogen, Eltern und anderen interessierten Erwachsenen mit den pädagogischen Möglichkeiten des Internets beizutragen.“ Dabei gingen die Wissenschaftler davon aus, dass der Computer als Lern- und Spielort in der familialen und außerschulischen Lebenswelt von Kindern eine immer größere Bedeutung bekommt. Eine der Kernfragen des Projektes war: Welche Wissenselemente stellt die Informationsgesellschaft Kindern und Jugendlichen bis zum 14. Lebensjahr im Internet zur Verfügung und wie sind diese medienpädagogisch zu bewerten?

Zur Beantwortung dieser Frage hat das Projektteam eine Datenbank von www.Kinderseiten.de erstellt. Diese Datenbank ist als Informationsbasis für erwachsene Einsteiger ins Webangebot für Kinder gedacht, für Pädagogen, die das Experiment Internet mit den Kindern wagen wollen und nicht zuletzt für Eltern, die auf der Suche nach geeigneten Websites für ihre Kinder sind. Die einzelnen Dokumente der Datenbank sind beschrieben und nach medienpädagogischen Kriterien kategorisiert und bewertet.

Natürlich enthalten Bewertungen immer auch subjektive Momente, wie das Projektteam selbstkritisch eingesteht. Ob zum Beispiel zappelnde animierte Figuren in Pastellfarben schön, und sehr einfach strukturierte Onlinespiele interessant sind, sei nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch der Generationenzugehörigkeit, der Freude an neuen technischen Realisierungsmöglichkeiten. Weitere hilfreiche und interessante Informationen über das Projekt erhalten sie unter der Internetadresse: www.dji.de / www-kinderseiten.de.

Wo finde ich kindgerechte Angebote im Internet? Tipps und Hinweise

Eltern, die bereits Kinder im „internetfähigen Alter“ (ab circa acht Jahren) haben und die sicher sein wollen, dass ihre Kinder nicht auf sogenannte Schmuddel- oder Pornoseiten gelangen, können dazu folgendes tun: Stellen sie in ihrem Browser (z.B. Netscape-Navigator oder Microsoft-Internetexplorer) die „beste deutsche Suchmaschine für Kinder“ www.blind-kuh.de ein.
Das funktioniert beim Netscape-Navigator folgendermaßen: Sie Wählen aus der Menüleiste „Bearbeiten“ und „Einstellungen“ aus. Dann öffnet sich ein Fenster. Hier wählen Sie aus dem Menü „Navigator wird aufgerufen mit…“ die Schaltfläche „Anfangsseite“ aus und geben darunter die Adresse www.blinde-kuh.de ein und klicken „O.k.“.

Immer wenn der Browser nun gestartet wird, lädt er automatisch die „Blinde-Kuh“. Dabei handelt es sich um eine Suchmaschine, die Kinder nur auf kindgerechte Internetseiten führt. Daneben finden Kinder bei der „Blinden-Kuh“ auch noch umfassende Themen- und Mitmachseiten, Emailprojekte und vieles mehr. Anders als bei vielen anderen Seiten für Kinder im Internet stecken hinter dieser Seite keine kommerziellen Interessen.

„Bei manchen Eltern und Lehrern besteht Nachholbedarf in Sachen Internetkompetenz.“

Anhand einer Tatsache können wir zum Abschluss dieser Reihe verdeutlichen, dass die unterschiedlichen Medien zahlreiche Verknüpfungen eingehen. Interessant ist nämlich die Feststellung, dass Kinder im Internet vor allem Seiten von Fernsehsendungen, Spieleanbietern, Fernsehsendern oder Zeitschriften aufsuchen. Als Fan der Fernsehsendung „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ würde man beispielsweise dann auf www.gzsz.de gehen, um dort Zusatzinformationen zum Verlauf der Geschichte zu bekommen oder im GZSZ-Shop Fanmaterialien zu bestellen.

Insofern verwundert nicht, dass entsprechend der Beliebtheit der Fernsehsender KI.Ka und Super RTL auch die Internetseiten dieser Sender (www.kika.de und www.toggo.de) bei Kindern am beliebtesten sind. Dies verdeutlicht einmal mehr, dass bei der Medienerziehung nicht einzelne Medien getrennt voneinander zu betrachten sind, sondern man von einer „kindlichen Medienökologie“ auszugehen hat.

Diese vernetzte Mediennutzung, mit der Kinder aufwachsen, wird zwar vom Medienmarkt vorstrukturiert, aber Kindern schaffen sie auch selbst, indem sie ihre Interessen und Themen ausdrücken und kommunizieren. So geben beispielsweise 62 Prozent der Kinder an, auf unterschiedliche Angebote im Internet durch die Empfehlungen von Freunden gestoßen zu sein. Weitaus weniger Einfluss auf die Nutzung interessanter Websites haben da offensichtlich Eltern mit nur 35 Prozent und Lehrer mit nur 16 Prozent.

Möglicherweise besteht hier bei Eltern und Lehrern ein Nachholbedarf ín Sachen „Internetkompetenz“. Denn Eltern und Lehrer müssen sich mit diesem Medium und seinen Angeboten auseinandersetzen, wenn sie Kindern spannende Websites empfehlen und problematische Angebote erkennen wollen.

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