Das weiße Kaninchen

Bild: SWR

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:

Deutschland, 2016, 88 Minuten

Produktion: Studio Hamburg Enterprises

Erstausstrahlung im Fernsehen: 28.09.2016

FSK 12

Die 13-jährige Sara freundet sich im Online-Quiz mit Benny an, der angeblich 16 ist, hinter dem sich aber Simon Keller verbirgt – Familienvater, Mitte 40 und engagierter Lehrer. Keller alias Benny gewinnt Saras Vertrauen, von ihm fühlt sie sich mehr verstanden als von Familie und Freunden. Als Sara sich via Internet in Kevin verliebt, gerät sie in eine Falle. Der 17-Jährige erpresst sie mit der Veröffentlichung von Nacktfotos. Keller bietet dem verzweifelten Mädchen seine Hilfe an. Doch weder er noch die Polizei können verhindern, dass Kevin Sara vergewaltigt – und das Video davon veröffentlicht. (Das Erste)

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Cybergrooming/ Vergewaltigung
  • Sexting
  • Chatten
  • Onlinespiele
  • Bystander von Cybermobbing
  • Frauen- und Männerbilder in Medien

Zum Einsatz in der Arbeit mit Jugendlichen ab 16 Jahren in der außerschulischen Arbeit:

Wer „Das weiße Kaninchen“ mit Jugendlichen einsetzen möchte, sollte sich vorab überlegen, ob er den gesamten Fernsehfilm von 88 Minuten oder nur Ausschnitte zeigt. Zu Beginn des Films (6:33 Min.) bekommt die Protagonistin Sara von ihrem Vater einen Laptop geschenkt, den Sara dafür nutzt, ein Onlinequiz mit Chatfunktion zu spielen. Diese Szene könnte genutzt werden, um mit Jugendlichen über Onlinespiele ins Gespräch zu kommen. Die Erfahrungen der Jugendlichen mit digitalen Spielen eignen sich als Gesprächsöffner. Weiterhin könnten die Themen Berechtigungen bei Apps, In-App-Käufe, Chatten bei Onlinespielen, Medienzeit und generell Freizeitgestaltung eine Rolle spielen. Nach Vorführung der Sequenz könnten in der Gruppe verschiedene Onlinespiele ausprobiert und besprochen werden. Möglich wäre auch die Inszenierung einer USK online-Prüfung, in der die Jugendlichen als PrüferInnen über die Altersfreigaben entscheiden.

Des Weiteren kann das Thema Sexting aufgegriffen werden. Hierzu eignet sich z.B. die Szene, in der Kevin Sara dazu drängt, ihm ein Nacktfoto von ihr zuzuschicken (28:35 Min.). Nach dem gemeinsamen Ansehen der Sequenz, könnten die Jugendlichen dazu aufgefordert werden, in Kleingruppen oder in Einzelarbeit ihre eigenen Erfahrungen mit (mißbräuchlichem) Sexting mit dem im Film gezeigten Beispiel zu vergleichen. Danach kann gemeinsam darüber diskutiert werden, aus welchen Gründen und wem Jugendliche intime Fotos/Videos von sich verschicken und was sie hierbei beachten (müssen). Anschließend kann zusammen ein Flyer oder ein Poster mit Do’s and Dont’s für den sicheren Umgang mit Sexting ausgearbeitet werden.

Das weiße Kaninchen greift an mehreren Stellen das Thema Cybergrooming auf. Damit ist der gezielte Kontaktaufbau zu Minderjährigen gemeint, um sexuelle Inhalte zu erbitten oder Kontakte herzustellen. Sowohl die Onlinebekanntschaft zwischen Sara und „Benny“, als auch die Bekanntschaft zwischen Sara und Kevin eignen sich, um dieses schwierige, möglicherweise angst- und schambesetzte Thema mit den Jugendlichen zu besprechen. Wird der ganze Film gesehen oder prägnante Stellen gezeigt, kann im Anschluss besprochen werden, worum es sich bei Cybergrooming handelt.

In der medienpädagogischen Arbeit mit älteren Jugendlichen muss an erster Stelle nicht der Schutz vor riskantem Verhalten im Netz stehen. Im Vordergrund sollte stehen, Jugendliche für vorhandene Gefahren zu sensibilisieren und – noch viel wichtiger –  sie zu einem medienkompetenten und selbstbewussten Umgang zu befähigen. In Bezug auf Cybergrooming kann es demnach darum gehen, gemeinsam mit Jugendlichen Regeln für den Umgang mit unbekannten Chatbekanntschaften aufzustellen, eine Checkliste für (rechtliche) Schritte zu erstellen, die Betroffene selbst unternehmen können und auf einer Liste alle schulischen und außerschulischen AnsprechpartnerInnen zu sammeln.

Viele Sequenzen des Films Das weiße Kaninchen können auf Jugendliche angsteinflößend wirken. Auch die dargestellten Frauen- und Männerbilder im Film Das weiße Kaninchen – Sara als schüchternes Mädchen, Kevin als psychisch auffälliger sexueller Aggressor – könnten in der gendergemischten Besprechung zu ungewollten Gruppendynamiken führen; gerade im Hinblick auf mögliches Lächerlich machen des Opfers.  Der/die (Medien)-Pädagogin sollte sich auf mögliche Problematiken (u.a. in der Gruppendynamik) gut vorbereiten und zur Anschlusskommunikation für die Jugendlichen zur Verfügung stehen.

Zum Einsatz mit LehrerInnen aller Schulformen:

Der Film Das weiße Kaninchen eignet sich für den Einsatz mit LehrerInnen im Rahmen von Präventionsarbeit u.a. gegen riskantes Onlineverhalten. Nach der Filmvorführung können Hintergrundinformationen zu den Themen Sexting, Cybermobbing und -grooming vermittelt werden. Dabei ist es wesentlich, am beruflichen Alltag der LehrerInnen anzusetzen: Gab es bereits Fälle von Cybermobbing, -grooming oder Sexting an der eigenen Schule? Wie wird damit normalerweise umgegangen? Welche Schritte hat der/die LehrerIn selbst eingeleitet, wie hat die Schule darauf reagiert? Inwiefern wurden Eltern mit einbezogen? Hierbei kann auch geklärt werden, ob es im Kollegium einen Präventionsbeauftragten gibt. Hat die Schule bereits ein Konzept/einen Leitfaden/eine Checkliste, wie mit diesen Phänomenen umgegangen werden kann, können diese ggf. besprochen und auf ihre Anwendung hin (kritisch) bewertet werden. Gibt es noch keine dokumentierte Erfahrung, wie seitens der LehrerInnen und der Schule bei einem Fall vorgegangen wird, könnten in diese Richtung gemeinsam die ersten Schritte unternommen werden. Ein mögliches Ergebnis der Auseinandersetzung mit den oben beschriebenen Themen kann die gemeinsame Planung eines medienpädagogischen Elternabends (ggf. mit Schülerbeteiligung) sein.

Im Film stellt sich heraus, dass der präventionsbeauftragte Lehrer, Simon Keller, selbst Täter von Cybergrooming ist und zudem nicht eingreift, als Sara vergewaltigt wird. Aufgrund der vielen publik gewordenen Missbrauchsfälle in Internaten und Schulen, ist das im Film vermittelte Bild eines, das LehrerInnen sicherlich bekannt ist und das vielleicht auch Einfluss auf den Schulalltag hat. So kann die Anschlusskommunikation dafür genutzt werden, über dieses (möglicherweise unangenehme) Thema mit den LehrerInnen zu sprechen. Hierbei könnten auch Ängste der LehrerInnen vor Anschuldigungen oder Etikettierungen thematisiert werden. Dabei sollte der/die MedienpädagogIn mit dem möglichem Widerstand der LehrerInnen, auf einen Film, der ihren Berufsstand potenziell anzweifelt, rechnen und mit diesem möglichst reibungsfrei umgehen können.

Im Film wird das Vergewaltigungsvideo von Sara an alle MitschülerInnen verschickt, worauf Sara von ihrer Freundin aufmerksam gemacht wird. KeineR der dargestellten SchülerInnen unternimmt etwas, um Sara zu helfen. Da BystanderInnen von Cybermobbing zur Verschlimmerung von Mobbingvorfällen beitragen, sollte mit den LehrerInnen darüber gesprochen werden, wie gerade diejenigen SchülerInnen präventiv angesprochen werden können, die als MitläuferInnen die MobberInnen schützen.

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

  • Gemeinsames Erstellen eines mobilen Games (z.B. Actionbound) zu dem Thema riskantes Medienverhalten.
  • Inszenierung einer USK online-Prüfung durch die Jugendlichen und Prüfung verschiedener Onlinegames.
  • Erstellen eines Plakates für den sicheren Umgang mit Sexting.
  • Erstellen eines Flyers mit Informationen zum Thema Cybergrooming und einer Auflistung von Anlaufstellen für Betroffene.
  • Organisation eines medienpädagogischen Elternabends (gemeinsam mit SchülerInnen).
  • (Anstoß der) Konzeption eines Präventionskonzeptes für Cybermobbing, Cybergrooming u.a.

Für wen?

Jugendliche und LehrerInnen

Bezugsmöglichkeiten:

Der Film kann über die Website Planet-Wissen bezogen werden, welche vom SWR für den Einsatz im Unterricht sequenziert wurde. Dort wurde bereits eine Unterteilung in einzelne Schlüsselszenen mit kurzer Inhaltsangabe vorgenommen, die eine mögliche Gliederung für die Bearbeitung im Unterricht darstellt.

Fazit:

Das weiße Kaninchen greift ein aktuelles Thema multiperspektivisch auf. Beim Einsatz mit Jugendlichen sollte darauf geachtet werden, dass die gezeigten Inhalte bei den Jugendlichen Angst auslösen können, deshalb sollten (Medien-)PädagogInnen im Anschluss als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung stehen oder dem Alter der Zielgruppe entsprechend eventuell nur einzelne Sequenzen des Films angesehen werden. Beim Einsatz mit LehrerInnen kann u.a. an dem medialen vermittelten Bild dieser Berufsgruppe angesetzt werden. Einen aktuellen Bezug erhält der Film durch die kürzlich von den Betreibern von Jugendkultur.at veröffentlichte Studie zu Cybermobbing.

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