Fritz Lang

Schwarzes Coverbild mit der der weißen Inschrift "Fritz Lang"
Bild: kfw

Worum geht`s?

Eckdaten des Films:

Deutschland, 2016, 99 Minuten

Ein Film von Gordian Maugg

Produktion: Belle Epoque Films

empfohlen ab 14 Jahren, FSK 12
Schuljahr: Sek I: ab Klasse 9, Sekundarstufe II

Schulart: Gymnasium

Fritz Lang hat genug von Maschinen und Menschenmassen und will sich in seinem neuen Filmprojekt dem einzelnen Menschen widmen. Ein Zeitungsartikel macht ihn auf den gesuchten Mörder Peter Kürten aufmerksam. Er fährt nach Düsseldorf und beginnt auf eigene Faust zu recherchieren, sich in den Täter hineinzufühlen. Dabei wird Lang zunehmend mit seiner eigenen Vergangenheit und seinem tiefsten Inneren konfrontiert.
In einer geschickten Mischung aus Fiction und Doku nähert sich Regisseur Gordian Maugg dem legendären Regisseur Fritz Lang und erzählt gleichzeitig über menschliche Abgründe in der Form eines Krimis und ein bisschen auch des Psychothrillers. Archivmaterial bzw. Szenen aus „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ sind fast nahtlos zwischen die sorgfältig im Stil der Zeit gehaltenen, neuen Schwarz-Weiß-Bilder geschnitten. Heino Ferch als Regisseur und Hobbykriminaler, Thomas Thieme als echter Kommissar und Samuel Finzi als Mörder zum Fürchten machen ihre Sache hervorragend. (Katholisches Filmwerk e.V.)

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Filmgeschichte (Stummfilm, früher Tonfilm, film noir)
  • Storytelling
  • Dokumentation eines Verbrechens, Portrait eines Mörders
  • Atmosphäre im Film
  • Darstellungen von Kriminellen
  • Medialitätsbewusstsein

Zum Einsatz in der Arbeit mit SeniorInnen:

Wer für SeniorInnen einen oder mehrere medienpädagogische Filmtage gestalten möchte, steht vor der Herausforderung prägnante Filme herauszusuchen, die ein griffiges und lebensweltnahes Thema bearbeiten und für anschließende Diskussionen genügend Raum bieten. Fritz Lang ist, als Mischung aus Spielfilm und Dokumentarfilm, ein solcher Film. Da er ein filmisches Portrait des gleichnamigen Regisseurs zeigt, eignet er sich unter anderem gut für einen Einstieg in Filmgeschichte. Hierfür muss nicht der gesamte Film über 90 Minuten gezeigt werden, es reichen auch ausgewählte Szenen; beispielsweise zu Beginn des Films über den Erfolg der Filme von Fritz Lang. Hiernach könnten gegebenenfalls die Stummfilme Metropolis und der Tonfilm M – Eine Stadt sucht einen Mörder des Regisseurs gezeigt werden, die auch in Ausschnitten in Fritz Lang schon zu sehen sind.
Ein anschließendes Filmgespräch kann zum Beispiel die Themen Darstellung des Mörders, Atmosphäre im Film und Storytelling aufgreifen. Ein alternativer Ansatz wäre, die eigenen medienbiographischen Erfahrungen der SeniorInnen mit dem Medium Film aufzugreifen.
Wird das Thema Atmosphäre im Film aufgegriffen, könnte u.a. danach gefragt werden, welche stilistischen Merkmale zur Inszenierung der Verbrechen, der Mörder und der Filmerfolge eingesetzt wurden. Das Atmosphärische in diesem Film könnte mit einem genreverwandten Film verglichen werden, beispielsweise den Filmen von Edgar Wallace.
Wird der gesamte Film gezeigt, wäre es möglich, die im Film dargestellten biografischen Ereignisse des Regisseurs einem Faktencheck zu unterziehen. Was ist tatsächlich über die Erfolge von Fritz Lang bekannt? Welche Informationen gibt es zu seiner Karriere als Leutnant im ersten Weltkrieg? Gibt es glaubwürdige Hinweise darauf, dass der Regisseur in ein Verbrechen (den Tod seiner ersten Ehefrau) verwickelt war?
Zu Ende des Films wird darauf hingewiesen, dass der im Film thematisierte frühe Tonfilm M – Eine Stadt sucht einen Mörder von Joseph Goebbels als Propaganda-Film für die Todesstrafe gelobt und von der Linken hierfür kritisiert wurde. Diese Tatsache könnte zum Anlass genommen werden, die in Fritz Lang gezeigten Ausschnitte von M – Eine Stadt sucht einen Mörder noch einmal anzusehen und deren Wirkung kontrovers zu diskutieren.

Zum projektbezogenen Einsatz mit SchülerInnen ab 16 Jahren:

Fritz Lang kann in medienbezogenen AGen (z.B. Medien- oder Film-AG) mit älteren Jugendlichen dazu eingesetzt werden, den SchülerInnen das Thema Filmgeschichte näher zu bringen. Neben einigen Sequenzen aus Fritz Lang könnten weitere Stumm- und frühe Tonfilme gezeigt und miteinander verglichen werden.
Zudem kann eine Filmvorführung dazu genutzt werden, um über die Produktion(-sbedingungen) von Medien zu sprechen. Hierbei könnten auch Fragen wie „Wie komme ich von einer Geschichte zu einem Storyboard?“ und „Welche Erzählungen eignen sich für die Leinwand?“ eine Rolle spielen. Als ein besonderer Fokus bietet sich die atmosphärische Gestaltung (u.a. über Geräusche, Kameraeinstellungen, Effekte, Musik, etc.) von Filmen an.

Des Weiteren kann, im Anschluss an die Filmvorführung, auch über die Darstellung von „VerbrecherInnen“ in den Medien diskutiert werden. Der Film bietet viele Möglichkeiten, die Selbst- und Fremdwahrnehmungen der beiden Kriminellen zu analysieren und auch dahingehend zu hinterfragen, inwiefern diese zu gesellschaftlichen Stigmatisierungen beitragen. Es bietet sich eine Thematisierung der Wertbildung durch Medien an und deren Auswirkungen auf Vorurteile und Meinungsbildung. Hieran anschließend könnte die aktuelle Berichtserstattung von Verbrechen kritisch unter die Lupe genommen werden.

Durch medienpraktische Arbeit, wie beispielsweise die Produktion eines Stop-Motion-Films per Handykamera, können sich die SchülerInnen selbst kreativ ausdrücken und ihre Kurzfilme zum Beispiel im Rahmen einer schulischen Veranstaltung (bei einem Tag der offenen Tür oder Schulfest), auf dem eigenen Blog oder auf der Schulwebsite präsentieren.

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

  • Darstellung der eigenen medienbiographischen Erfahrungen, z.B. als graphisch aufbereiteter Zeitstrahl
  • Erstellung eines eigenen Daumenkinos
  • Drehen eines Stop-Motion-Kurzfilms unter Berücksichtigung von atmosphärischer Gestaltung
  • Produktion eines eigenen Stummfilms zu einem interessierenden Thema
  • Erstellung einer Fotocollage zu der Darstellung von Verbrechen in den Medien
  • Zeichnen eines Comics im Stil des film noir

Für wen?

SchülerInnen und SeniorInnen

Bezugsmöglichkeiten:

Der Film ist als DVD mit Vorführrecht in katholischen und evangelischen Medienzentralen und Kreismedienzentren ausleihbar und unter www.medienzentralen.de online abrufbar. Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter www.filmwerk.de möglich.

Fazit:

Der Film Fritz Lang ist nicht nur ein filmischer Genuss, er bietet einige Anknüpfungspunkte für die medienpädagogische Arbeit. Vor allem unterstützt er dabei, das Thema Filmgeschichte auf spannende Art und Weise zum Thema zu machen. Nicht zuletzt hält Fritz Lang durch seine Machart, wie durch die im Film angesprochenen Themen, viele Chancen zur Übung von Medienkritik (z.B. an der Darstellung von MörderInnen in den Medien) bereit. Neben den angesprochenen medienpädagogischen Bezügen hat Fritz Lang das Potenzial, die Diskussion vieler anderer politischer und ethischer Themen anzuregen, u.a. Vergewaltigung, Prostitution und Nationalsozialismus.

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