Mobile Medien in der Familie

gemeinsame Mediennutzung in der Familie
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Familien sind immer noch ein zentraler Ort der Mediennutzung: Smartphone, Tablet, PC & Co. haben Einzug in so gut wie jeden Haushalt gefunden (vgl. Basisdaten 2016, S. 63 ff.), Kompetenz im Umgang mit den digitalen Medien ist für die Schule, die berufliche Zukunft und auch das soziale Miteinander der Kinder und Jugendlichen unverzichtbar geworden. Aus diesem Grund sollten auch Eltern sich aktiv um eine Integration dieser Medien in das Familienleben bemühen. Welche Bedeutung der Umgang mit Medien für ein Kind hat und welchen Verlauf die Mediennutzung nimmt, ist nicht zuletzt auch ein Ergebnis medienerzieherischen Handelns. Dabei stoßen die Erwachsenen häufig selbst an ihre Grenzen. Hinsichtlich des sich ständig wandelnden Medienangebots ist es für Eltern oft schwer den Überblick zu behalten. Oder wissen Sie en détail was sich hinter Apps wie „Snapchat“, „Musical.ly“ oder „Instagram“ verbirgt?

Mediennutzung ab wann?

Eltern, die Medien als selbstverständlichen Bestandteil des Alltagslebens sehen, beschäftigt vorrangig die Frage, inwieweit ihre Kinder einen angemessen Umgang mit den digitalen Endgeräten entwickeln (können). In der Regel wird es als Teil des elterlichen Erziehungsauftrages betrachtet, die Kinder zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den mobilen Medien zu führen. In der Umsetzung dieser Erziehungsaufgabe zeigen sich jedoch teils große Unterschiede zwischen den Familien.

Ein Patentrezept gibt es im Umgang mit (mobilen) Medien leider nicht, da die Mediennutzung, der Entwicklungsstand und die Vorlieben der Kinder verschieden sind. Sind es in früheren Jahren eher das Anschauen und Spielen, kommt mit zunehmendem Alter die Kommunikation mit den Freunden hinzu. Auch wenn sich die Inhalte und Programme im Laufe der Zeit ändern, so ziehen sie in jeder Lebensphase viel Aufmerksamkeit auf sich. Und dies steht nicht immer im Einklang mit einem „geordneten Familienleben“.

 

Insbesondere die Eltern von Kindern im Kleinkindalter sollten ihre Kinder nicht mit digitalen oder mobilen Medien „beschäftigen“, sondern gemeinsam mit ihren Kindern Medien nutzen, um sie so auch vor einer Überforderung durch ungeeignete Inhalte oder ein Zuviel an Medien zu schützen. Bei älteren Kindern sind Eltern dann gefordert, eine möglichst vielseitige Auseinandersetzung mit Medien zu unterstützen, ohne die Kinder dabei zu überfordern. Im Vorschulalter gewinnen mobile Medien, Apps und Online-Angebote zunehmend an Bedeutung (vgl. MoFam-Studie 2016, S. 3). Hier sind die Eltern als Begleitende bei den Interneterfahrungen zentral.

Aber auch andere Instanzen können zu einer gelingenden Medienerziehung in diesem Alter beitragen. Viele Eltern sehen Kindergarten und KiTa eher als medienfreie Räume und lehnen den Einbezug digitaler Medien ab. Dabei scheint es aus vielerlei Hinsicht dringend notwendig dort Aktivitäten der Medienbildung und Medienerziehung in Zusammenarbeit mit den Eltern zu integrieren. Dadurch kann es gelingen, möglichst früh den Grundstein für einen souveränen Umgang mit Medien zu legen. Zudem entlastet medienpädagogische Arbeit in der KiTa Eltern in ihrem (medien-)erzieherischen Auftrag und kann die Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und außerfamiliärer Betreuung stärken.

Haben Kinder das Grundschulalter erreicht, sprechen Eltern wiederum der Schule als Bildungsinstitution eine wichtige Rolle beim Erwerb eines kompetenten Umgangs mit digitalen Medien zu. Der Medienumgang der Heranwachsenden wird zunehmend selbstbestimmter und Erwachsene werden eher als störend und weniger kompetent empfunden. Eltern müssen sich also damit auseinandersetzten, die Autonomiebestrebungen ihrer Kinder zu respektieren, auf Grenzen jedoch nicht völlig zu verzichten und ihnen weiterhin vertrauensvoll bei Fragen zur Seite zu stehen (vgl. MoFam-Studie 2016, S.3).

Unterstützung bei der sicheren Handynutzung

Nachfolgend finden Sie Tipps und Anregungen, wie Sie Kinder und Jugendliche bei der sicheren und verantwortungsvollen Verwendung von Internet, Handy & Co. unterstützen können.

  • Eine Faustregel ist sicherlich: Erkennen Sie die bedeutende Rolle von mobilen Medien für den Alltag von Kindern und Jugendlichen an. Heutzutage ist es zur Normalität geworden Freizeitaktivitäten und Treffen mit Freunden via Handy zu kommunizieren und zu koordinieren. Auch die ständige Erreichbarkeit ist speziell für Jüngere, aber auch teilweise für Erwachsene üblich geworden und deutet nicht automatisch auf ein problematisches Medienverhalten oder gar Mediensucht hin.
  • Auch die Vielfalt und ständige Weiterentwicklung von Geräten, Apps und Angeboten muss keine unüberwindbare Hürde sein: Lassen Sie sich von Ihrem Kind oder Jugendlichen ruhig zeigen, wie es sein Smartphone nutz. Die Heranwachsenden werden sich – zumindest bis zur Pubertät – meistens – darüber freuen, dass sich ihre Eltern für ihren medialen Umgang interessieren und treten gerne in der Rolle der ExpertInnen auf. Das legt außerdem einen guten Grundstein für spätere Gespräche bei möglichen Problemen.
  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind Regeln für die Mediennutzung. Wer zahlt die Mobilfunkrechnung? Wer kommt für die Kosten von Apps und In-App-Käufen auf? Muss Ihr Kind beim Herunterladen von Apps um Erlaubnis fragen? Was sind die Konsequenzen, wenn die Kosten das vereinbarte Limit übersteigen? Welche Mediennutzung ist ok, welche ist nicht ok (z.B. genutzte Inhalte, Fotos, persönliche Daten)? Und welche Nutzungsdauer ist noch in Ordnung? Gibt es auch medienfreie Zeiten, z. B. bei gemeinsamen Mahlzeiten? Hier kann ein gemeinsamer Mediennutzungsvertrag geschlossen werden..  Beachten Sie, dass beide Seiten mit den Regeln einverstanden sein müssen um sie akzeptieren zu können. Mittlerweile gibt es auf vielen mobilen Endgeräten eine Kindersicherung oder sonstige Sicherheitseinstellungen, die Ihnen bei der Umsetzung dieser Regelungen helfen können
  • Geheime Kontrollen sollten Sie dringend vermeiden, denn das führt zu Vertrauensbrüchen. Vielen Jugendlichen fällt schnell auf, wenn jemand anderes ohne ihr Wissen darüber an ihrem Smartphone Gerät war. Erkennen Sie das Recht auf Privatsphäre Ihres Kindes an.

Fazit

Das Thema des Medienumgangs der heranwachsenden Generation ist nach wie vor in vielen Bereichen der Bildung und Erziehung, Beratung, etc. präsent. Aus medienpädagogischer Perspektive besteht das Ziel darin, Kinder zu befähigen, Medien zu ihren eigenen Zwecken und in einem altersangemessenen Maß selbstständig, eigenverantwortlich und reflektiert nutzen zu können. Für die Umsetzung des elterlichen Erziehungsauftrages kann es – wie in vielen Bereichen der (Medien-)Pädagogik – kein Patentrezept geben. Dafür sind allein die Unterschiede der eigenen Medienbiographie zu groß.

Im Internet finden sich zahlreiche Angebote, die Eltern und andere dabei unterstützen, Kindern einen verantwortlichen Umgang mit Medien zu vermitteln.

 

  • Unsere Materialübersicht „Mekomat.de“ zum Thema Medienkompetenz beinhaltet eine Sammlung zahlreicher Studien, Berichte und pädagogischer Arbeitsmaterialien zum Thema Medienkompetenz, in der mit Hilfe einer breitgefächerten Stichwortsuche differenziert recherchiert werden kann. Zum Thema „Familie und Medien“ bzw. „Medien im Kindesalter“  können wir u. a. folgende Beiträge empfehlen: Kinderleicht und kindersicher online, Medien in der Familie, Medienbildung in der Familie auf einen Blick sowie Mobile Geräte in Kinderhand.
  • Die FIM-Studie bietet aktuelle Erkenntnisse zur Kommunikation und Interaktion in deutschen Familien sowie repräsentative Ergebnisse zur Mediennutzung im Familienkontext.
  • Als grundlegende Information über den Konsum von Medien von Kindern und Jugendlichen bieten sich die Studien KIM 2016 und JIM 2016 des medienpädagogischen Forschungsverbandes Südwest an. Hier kann man einen Einblick erhalten, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche mit welchen Medien verbringen und welchen Stellenwert unterschiedliche Medien haben.

 

Weiterführende Links & Quellen:

Saferinternet.at

MoFam- Mobile Medien in der Familie. Kurzfassung der Studie.

FIM-Studie

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