„Christliche Stunde“ auf der re:publica 2017

Eine Wand auf der re:publica wird bemalt. Zu sehen sind die Schriftzüge #mcb14 und Media Convention Berlin.
Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

„Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit“ vorgestellt

Auf der diesjährigen re:publica, die noch bis morgen Abend in Berlin stattfindet, sind auch die Kirchen als gesellschaftliche Player deutlich in den Blick geraten: die Veranstalter hatten zwei Beiträge aus der evangelischen und katholischen Kirche auf Bühne 8 hintereinander platziert – weshalb der Moderator von einer „christlichen Stunde“ sprach.

Johanna Haberer, Professorin für christliche Publizistik in Erlangen, entfaltete im Gespräch mit Kai Schächtele die „Lehren von der Reformation bis zur Aufklärung für das Netz von heute“ und verglich dabei Google und Facebook mit der katholischen Kirche des Mittelalters. Ganz im Sinne ihres Buches „10 Gebote für die digitale Welt“ (1. Gebot: „Du brauchst dich nicht vereinnahmen zu lassen.“) bekannte sie auch, selbst nicht aktiv auf Facebook oder Twitter zu sein – was beim netzaffinen Publikum nicht sonderlich gut ankam. Nichts destotrotz sind ihre Anregungen bedenkenswert; denn nicht zuletzt die Gültigkeit ihres 10. Gebotes „Du gestaltest die Gesellschaft, wenn du dich im Netz bewegst“ ist nicht anzuzweifeln.

Völlig unabhängig von diesem Input, von den Veranstaltern aber direkt im Anschluss auf der gleichen Bühne eingeplant, stellte der Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz, Prof. Andreas Büsch, das netzpolitische Papier der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz „Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit“ vor. Darin werden ausgehend von den vier zentralen Prinzipien der katholischen Soziallehre – Personalität, Gemeinwohl, Solidarität und Subsidiarität – einige Phänomene der Digitalisierung aufgegriffen und beurteilt. Büsch betonte, dass es der Redaktionsgruppe gelungen sei, eine durchweg positive Sicht auf digitale Medien bzw. Digitalisierung in dem Papier auszudrücken. „Der Beitrag der katholischen Kirche angesichts der Digitalisierung besteht in einem nachdrücklichen Eintreten für einen Wertediskurs und die Geltung rechtlicher sowie ethisch-moralischer Standards“, sagte Büsch, der an der Katholischen Hochschule Mainz Medienpädagogik und Kommunikationswissenschaft lehrt. Das gelte auch angesichts von Hasskommentaren und einer Verrohung im Netz. Schlussendlich müsse der Einzelne aber die Werte im Netz leben.

Saskia Esken bei ihrem Vortrag auf der re:publica
Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

Für eine „Rezension“ des Papiers hatte Büsch die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken (SPD) eingeladen, die für ihre Fraktion Berichterstatterin für digitale Bildung ist und den Antrag der großen Koalition zur digitalen Bildung mit erarbeitet hat. Inhaltliche Kritik wurde dabei nicht deutlich; im Gegenteil würdigte Esken die zentralen Themen der Bildung und Teilhabegerechtigkeit als Schlüsselfaktoren für ein gutes Leben in einer digitalisierten Gesellschaft. Sie zeigte sich dankbar für das Papier „und den Prozess der Erarbeitung eines solchen Papiers“, denn dies zeige, dass Kirche sich in dem Feld positioniere und damit ein wichtiger Gesprächspartner sei.
Ausführliche Berichte finden sich u.a. von Felix Neumann auf katholisch.de sowie bei heise.de. Ein Livestream findet sich bei YouTube, alle Sessions werden dort auch auf einem eigenen Kanal veröffentlicht.

Die re:publica ist ein Treffen von über 8.000 Bloggern, Netzaktivisten und Medienschaffenden, die sich für die Digitalisierung und Entwicklung der Gesellschaft interessieren. Sie findet in diesem Jahr unter dem Motto „Love out loud“ bereits zum elften Mal in Berlin statt.

Nachtrag 10.05.2017
Sabine Depew hat über die re:publica, die Präsenz der Kirche und unsere Session gebloggt.
Ralf-Peter Reimann fragt nach dem theologischen Programm und dem Agieren von Kirche in der Digitalisierung.
domradio.de hat heute morgen mit Prof. Andreas Büsch ein interview zur re:publica und der Rolle der Kirche im Prozess der Digitalisierung geführt.

Nachtrag 15.05.2017
Wolfgang Beck hat heute in einem Blog-Beitrag auf feinschwarz.net über Kirche und Verkündigung auf der re:publica geschrieben und das Fehlen einer wirklichen digitalen Theologie jenseits der Medienethik und Medienpädagogik beklagt.
Und auf futurezone.de gibt es ein Interview mit Prof. Andreas Büsch zum Einfluss der Kirche in der digitalen Gesellschaft.

Diesen Artikel empfehlen:

Das könnte Sie auch interessieren: