Kirche im Web 2.0 – ein Tagungsrückblick

Hinterköpfe vor einer Twitwall
Foto: Angelika Kamlage www.angelika-kamlage.de

Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Welt

Eine Kirche, die eine Kirche für die Menschen sein möchte, muss da sein, wo die Leute sind. Und das ist heutzutage das Internet. Dazu ist es notwendig, dass die Kirche die Sprache des Internets lernt. Um herauszufinden, nach welchen Regeln die Sprache des Internets funktioniert, kamen Akteure der kirchlichen Online-Arbeit zur Tagung „Kirche im Web 2.0“ (KIW) zusammen. Zwei Tage lang, vom 18. bis zum 19. März, trafen sich rund 70 TeilnehmerInnen zu einem intensiven Austausch im Franz-Hitze-Haus in Münster. Welche Möglichkeiten eröffnen sich für Kirche durch das Internet? Welchen Herausforderungen muss sie sich stellen? Und bei welchen Themen des digitalen Zeitalters muss sich Kirche einmischen?

Thematischer Schwerpunkt der diesjährigen „Kirche im Web 2.0“-Tagung war die Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Welt. Dazu war Soziologin und Ökonomin Dr. Isabelle Jonveaux vom Institut für Religionswissenschaften von der Uni Graz als Referentin eingeladen worden. Sie sprach über ihre Forschungen zum Thema „Eine neue Online-Religiosität?“. Sie betonte, dass das Internet natürlich kein Wundermittel sei, aber als Ort, an dem die Menschen Zeit verbringen zu betrachten. Dort haben sie auch Zeit, um sich mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen. Dr. Jonveaux stellte vier Ebenen vor, um mit religiösen Beiträgen das Netzpublikum zu erreichen. Auf erster Ebene können sich NutzerInnen über kirchliche Angebote informieren. Auf einer zweiten Ebene zählt das Kontakthalten mit dem/der NutzerIn. Die dritte Ebene versorgt NutzerInnen mit Glaubensinformationen und auf Ebene vier können durch Neuevangelisierung auch diejenigen erreicht werden, die durch andere Angebote nicht erreicht werden.

Darüber hinaus ging es aber auch um kirchliche Positionen zu weiteren Themen: So sprach sich Hanno Terbuyken, Portalleiter von evangelisch.de, für eine Datenethik aus, deren Mittelpunkt Menschen und nicht Daten sind. Die Schwierigkeiten des Urheberrechts im Kontext Social Media wurden von Felix Neumann, Social-Media-Redakteur bei katholisch.de, herausgearbeitet. Die Thematik Medienkompetenz und Netzpolitik wurde von Christina Enders und Julia Menz, Clearingstelle Medienkompetenz der DBK, aufgegriffen. Sie unterzogen die Digitale Agenda der Bundesregierung einer kritischen Betrachtung. Das verkürzte Verständnis von Medienkompetenz sowie fehlende Konkretisierungen nahmen Sie zum Anlass um eine Medienbildung entlang der Bildungskette zu fordern. Die Materialien zu allen Vorträgen stehen online zur Verfügung.

Foto: Angelika Kamlage www.angelika-kamlage.de

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung stand der praktische Austausch der TeilnehmerInnen und ReferentInnen über (eigene) Web-2.0-Projekte, nützliche Tools und im Vordergrund. Hierzu bestand in einem Markt der Möglichkeiten mit vorbereiteten Angeboten und auch spontan von den TeilnehmerInnen eingebrachten Angeboten Gelegenheit.

Insgesamt ging der Blick vor allem in die Zukunft: Welche Entwicklungen im Internet sind zu beobachten und wie weit soll oder muss die Kirche mitgehen? Wo sind noch Defizite auf kirchlicher Seite? Wo sollten Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit liegen?

Die Tagung „Kirche im Web 2.0“ fand bereits zum siebenten Mal statt. Veranstalter dieser Tagung sind die Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die Katholisch-soziale Akademie Franz Hitze Haus, evangelisch.de, die Goethe Universität Frankfurt a.M. und die Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz.

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