JIM Studie 2019

Jugendliche mit Smartphone JIM Studie 2019
JIM Studie 2019: Basisdaten zum Medienumgang Jugendlicher
(Symbolbild, © klicksafe.de – Philipp Pongratz)

Jedes Jahr im November kommt die neue JIM-Studie! Jedes Jahr?
Seit November 2019 wurde immer wieder vertröstet – und nun ist sie endlich erschienen. Die seit über 20 Jahren vom medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) jährlich neu aufgelegte Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Was ist in puncto Jugend, Information und Medien neu, was hat sich gegenüber den Vorjahren geändert und welche Trends setzen sich fort?

Für die repräsentative Studie wurden im Frühsommer 2019 1.200 Jugendliche telefonisch befragt – und darin liegt auch der Hauptgrund für die Verzögerung: Die bisherige computergestützte Befragung von Inhabern von Festnetzanschlüssen (CATI) macht angesichts deren abnehmender Bedeutung im Alltag Jugendlicher immer weniger Sinn. Außerdem wurde ein neues Befragungsinstitut beauftragt, was zusätzliche und geänderte Prozesse u.a. für die Qualitätssicherung erforderlich machte. Dabei galt es auch, trotz notwendiger methodischer Anpassungen die Vergleichbarkeit mit früheren Ausgaben der Studie möglichst beizubehalten.

JIM Studie 2019: Medienausstattung und Mediennutzung

Hinsichtlich der Medienausstattung der Haushalte und der Nutzung von Streaming-Angeboten gibt es keine wesentlichen Änderungen gegenüber dem Vorjahr. Auch der Gerätebesitz der Jugendlichen selbst ist weitgehend unverändert, nur Computer und Laptop haben im Vergleich zu 2018 etwas an Bedeutung verloren (6 bzw. 8 Prozentpunkte, PP). Dafür haben digitale Sprachassistenten (8%, +2 PP) und Streaming-Boxen (9 %, +1 PP) minimal zugelegt. Weiterhin ist das Smartphone (93 %, -4PP) das wichtigste Mediengerät für die Zielgruppe.

Neben der Smartphone-Nutzung (92 %) gehören Internet (89 %), Musik hören (77 %) und Online-Videos (56 %, jeweils „tägliche Nutzung“) zu den wichtigsten medialen Freizeitaktivitäten. Wie in den Vorjahren sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern vor allem zwei Stellen deutlich: während Jungen deutlich mehr digitale Spiele (80 %; Mädchen: 40 %) und Online-Videos (89 % zu 79 %) nutzen, präferieren Mädchen häufiger Bücher (40 %; Jungen 28 %) und Video-Streaming-Dienste (60 % zu 51 %). Allerdings ist Video-Streaming insgesamt etwas rückläufig: „Während sich bei der Nutzung von Video-Streaming-Diensten von 2017 auf 2018 eine enorme Dynamik zeigte (+24 PP), so ist in diesem Jahr diesbezüglich wieder ein Rückgang um sieben Prozentpunkte festzustellen.“ (S. 14) Das Lesen gedruckter Bücher hat ebenfalls etwas nachgelassen (34 %, -5PP); E-Books spielen für Jugendliche nach wie vor überwiegend keine Rolle: nur 7% nutzen digitale Bücher regelmäßig; 75 % nutzen sie gar nicht.

Wie viel Online-Zeit wofür?

Inhaltliche Verteilung der Internetnutzung JIM Studie 2019
Inhaltliche Verteilung der Internetnutzung
(Quelle: JIM Studie 2019, Angaben in Prozent, Basis: Internetnutzer, n=1.181)

Die Selbsteinschätzung der Jugendlichen, wofür sie die Online-Zeit von immerhin 205 Minuten (2018: 214 Min.; 2017: 221 Min.) täglich nutzen, zeigt ein gegenüber den Vorjahren leicht verändertes Bild. Der Anteil an „Kommunikation“ ist weiterhin rückläufig (33 %; d. h. –14 PP, jeweils im Vergleich zu 2009), ebenso die  „Informationssuche“ (10 %; -4 PP). Hingegen haben „Unterhaltung“ (30 %; +8 PP) und „Spiele“ (26 %; +8PP) deutlich zugenommen. Auch hierbei zeigen sich deutliche Geschlechter-Unterschiede: Mädchen kommunizieren online deutlich mehr (41 %; Jungen: 29 %) und nutzen häufiger unterhaltende Angebote (34 % zu 28 %). Jungen spielen dagegen deutlich mehr im Netz (34 %; Mädchen: 14 %). Der Bereich Informationssuche steht bei beiden Geschlechtern gleichermaßen an letzter Stelle mit 10 % (Jungen) bzw. 11 % (Mädchen).

„Bei der Frage nach dem liebsten Online-Angebot – drei Nennungen waren möglich – steht YouTube wie im Vorjahr mit deutlichem Abstand auf Platz 1 und wird von knapp zwei Dritteln in der spontanen Nennung als das Highlight im Netz genannt. Jeweils ein Drittel nominiert WhatsApp und Instagram, nur rund halb so häufig wird Google oder Netflix präferiert, Snapchat folgt knapp dahinter.“ (S. 27)

Gefragt nach den drei wichtigsten Apps – also mit Betonung auf die mobile Internetnutzung via Smartphone oder Tablet – führt nach wie vor WhatsApp (88 %), gefolgt von Instagram (46 %) und YouTube (41 %) sowie Snapchat (20 %) und Spotify (12 %). Nach wie vor haben drei Viertel der Jugendlichen eine WhatsApp-Gruppe mit der Familie, mehr als zwei Drittel mit der Schulklasse – die Bedeutung des Dienstes für die Alltagsorganisation ist also trotz aller Datenschutz-Bedenken nach wie vor ungebrochen. Dagegen sind YouTube und Netflix die wichtigsten Dienste für die Online-Nutzung von Sendungen, Serien und Filmen.

Die Schattenseiten der Online-Kommunikation

Expositionsrisiken: Mir sind im letzten Monat begegnet - JIM Studie 2019 (© mpfs)
Online-Risiken: „Mir sind im letzten Monat begegnet …“
(Quelle: JIM Studie 2019, Angaben in Prozent, Basis: alle Befragten, n=1.200)

Neben den Basisdaten nimmt die JIM-Studie regelmäßig auch ein Schwerpunktthema besonders in den Blick. Das Sonderthema in diesem Jahr waren die negativen Aspekte der Online-Kommunikation.

„Fragt man die Zwölf- bis 19-Jährigen, ob sie im Bekanntenkreis schon mitbekommen haben, dass jemand per Smartphone oder online fertig gemacht wurde, so bestätigen dies 31 Prozent (2018: 34 %). Mädchen (35 %) haben dies häufiger mitbekommen als Jungen (26 %) und die Mobbingfälle treten in der Altersgruppe der 16- bis 17-Jährigen am häufigsten auf (37 %, 12-13 Jahre: 20 %, 14-15 Jahre: 31 %, 18-19 Jahre: 33 %).“ (S. 50) Die Nachfrage, ob sie selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing wurden, beantworteten wie im Vorjahr 8 % der Befragten.

Beleidigungen, Fake News, Extremismus und Hassbotschaften sind für die Hälfte bzw. zwei Drittel der Befragten eine Realität. Das kann nicht wirklich verwundern angesichts der Bedeutung von Online-Kommunikation für die Zielgruppe. Allerdings sollte es Anlass für eine intensivere Medien- und politische Bildung sein! Entsprechende Materialien bietet u.a. unsere Materialdatenbank mekomat.de unter den jeweiligen Stichworten. Darüber hinaus ist den AutorInnen der Studie zuzustimmen, dass neben der Vermittlung z.B. von Netiquette, auch Beratungs- und Unterstützungsangebote und Meldestellen zur Löschung und strafrechtlichen Verfolgung einschlägiger Inhalte wichtig sind.

Die JIM-Studie 2019 selbst sowie – erfreulicher Service für alle, die damit arbeiten wollen – die Grafiken aus der Broschüre als PDF- oder Powerpoint-Datei stehen auf der Website des Medienpädagogischen Forderungsverbundes Südwest zum Download zur Verfügung.

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