Inklusion als Auftrag für die Medienpädagogik

bunte Hände als Symbolbild für Inklusion
Bild: Robert Kneschke

Seit dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahre 2009 in Deutschland gilt die Inklusion als Leitbild für jegliche Arbeit mit Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen. So hat man sich von dem Gedanken abgewendet, Eingliederung über einfache Anpassung und Normalisierung zu erreichen. Vielmehr ist nun die Öffnung der Gesellschaft hin zu einem gemeinsamen und gleichberechtigten Leben das Ziel. Jeder Mensch bringt dazu unterschiedlichste Fähigkeiten und Voraussetzungen mit und bildet dadurch je einen eigenen wichtigen Baustein in der Gesellschaft. Somit ergibt sich ebenfalls für jeden ein Recht auf gleichberechtigte Partizipation und Mitsprache. Doch welche Rolle spielen nun Medien in Bezug zum Inklusionsgedanken?

Entsprechend der Wortherkunft sind Medien ein „vermittelndes Element“. Genauer fasst dies noch das Medienverständnis der katholischen Kirche: die Medien sind als soziale Kommunikationsmittel entscheidend für den Austausch in unserer Gesellschaft. Über sie können Meinungen und Bedürfnisse an andere herangetragen, Handlungsspielräume aufgezeigt sowie Erfahrungen geteilt werden. Dadurch bilden sie die Grundlage eines sozialen Diskurses und sind Voraussetzung für eine Teilhabe aller an der Gesellschaft und an den Prozessen, mit denen wir gemeinsam unser Zusammenleben und das Gemeinwesen gestalten. Um also das Ziel einer vollständigen Inklusion zu erreichen, muss zuerst der Zugang zu Medien sowie deren Nutzung für jeden Menschen barrierefrei erreichbar sein.

Vor allem über das Internet bietet sich dabei die Chance, mit Menschen ohne Hürden in Kontakt zu treten. So entfällt beispielsweise für Gehörlose durch einen schriftlichen Austausch mit Hörenden in sozialen Netzwerken die Sprachbarriere, Blinde können sich über Audiodateien mit den neuesten Informationen versorgen oder motorisch beeinträchtigten Personen ist es möglich mit nur wenigen Klicks eine Zeitung oder ein Buch zu lesen. Zudem werden durch die Anonymität im Internet Kontakthemmnisse abgebaut und vorurteilsfreie Kommunikation ermöglicht. Ein weiterer Punkt ist die berufliche Inklusion, da viele Arbeitstätigkeiten online ablaufen und damit die Möglichkeit besteht von zu Hause aus zu arbeiten.

Diesen und weiteren Themen zur inklusiven Mediennutzung widmet sich das Projekt PIKSL (Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben) der Gesellschaft In der Gemeinde Leben gGmbH (IGL) aus Düsseldorf. Das interdisziplinäre Team besteht aus Menschen mit und ohne Behinderung, die sich mit Problemstellungen des Alltags aus der Sicht des Mediennutzers befassen. Hierbei finden die Menschen mit Behinderung die effizientesten Lösungen, da sie tagtäglich mit den entsprechenden Barrieren konfrontiert werden und somit die kompetentesten Ansprechpartner bleiben. Die Arbeit orientiert sich an folgenden Leitzielen:

  • „Moderne Informations- und Kommunikationstechnik soll Menschen mit Behinderung eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen
  • Datenschutz und ethische Fragestellungen haben hohe Priorität und werden offen diskutiert
  • Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung stehen im Zentrum der Entwicklung und Nutzung von technischen Lösungen und Assistenzsystemen
  • Schaffung eines offenen Ortes für soziale Kontakte und Kommunikation: Das PIKSL Labor
  • Interdisziplinäre Zusammenführung von Expertenwissen im PIKSL Labor: Menschen mit Behinderung sind Experten im Abbau von Komplexität und entwickeln Lösungen gemeinsam mit Fachleuten
  • Reduzierung der Abhängigkeit von professioneller Unterstützung
  • Vermeiden von Stigmatisierung durch ästhetische und qualitativ anspruchsvoll gestaltete Produkte
  • Partizipation der Nutzerinnen und Nutzer am Erfolg des Projekts
  • Gestaltung erschwinglicher Produkte und Dienstleistungen
  • Unterstützung des professionellen Hilfesystems“

[Quelle: http://www.piksl.net/projektziele.html]

Auf der Website werden verschiedenste Teilprojekte vorgestellt. Diese befassen sich unter anderem beispielsweise mit einem multioptionalen Arbeitszimmer, das für jeden Nutzer individuell angepasste Arbeitsmöglichkeiten bietet, einem Glossar für Netzinhalte in leichter Sprache, der Entwicklung eines virtuellen Assistenten oder ein barrierefreies Navigationssystem für das Smartphone.

Literatur- und Linktipps

Ergänzende Informationen zum Thema „Medienbildung und Inklusion“ finden sich über die auf der Website Mekomat.de aufgeführten Publikationen.

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