IAME: Medienbildung, Politik und Gesellschaft

Atomium in Brüssel (Symbolbild für die Tagung IAME)
Bild: Raphael Biscaldi, unsplash.com

Unter dem Titel „Media Education, Politics and Society“ fand die zweite Konferenz der International Association for Media Education (IAME) statt. Am 2. und 3. September 2019 trafen sich in Brüssel an der Hochschule für Journalismus IHECS VertreterInnen aus Frankreich, Deutschland, Rumänien, Italien, USA, Kanada, Schweden und der Schweiz. Im Mittelpunkt der Konferenz standen die Master Classes, die vier Aspekte des Tagungsthemas vertieft behandelten.

Die Eingangsrede hielt der Vorsitzende der Abteilung „Audiovisual and Media Policy“ der Europäischen Kommission, Audrius Perkauskas. Er betonte, wie wichtig für ihn die Zusammenarbeit mit Organisationen sei, die sich mit Medienpädagogik befassen. Er wies auf die Veranstaltungswoche „Media Literacy Week“ hin, die nun jedes Jahr stattfinde und bei der auch ein Preis ausgelobt werde.

Im Anschluss daran begannen die ersten beiden Master Classes „Big data, Internet der Dinge und das Privatheits-Paradox: die große Chance oder der Datenschutz-Alptraum?“ sowie „Medienkompetenz als Kompetenzen aus verschiedenen Bezügen definieren und evaluieren“. In den jeweils dreistündigen Master Classes wurden relevante Aspekte durch internationale ExpertInnen eingebracht und anschließend in unterschiedlichen didaktischen Settings mit den Teilnehmenden diskutiert und vertieft.

Der zweite Tag begann mit drei „Show and tell“-Kurzberichten über internationale medienpädagogische Projekte: Cécile Goffard stellte das Europa-Projekt „MEET: Media Education for Equity and Tolerance“ vor. Kern des Projekts war die Frage, inwiefern medienpädagogische Methoden einen Beitrag zu mehr Toleranz leisten können. Der aus dem Projekt erwachsene Werkzeugkoffer („Toolkit“) ist in mehreren Sprachen, u.a. auch auf Deutsch, verfügbar.

Unter dem Titel „From Minecraft to Read & Writecraft“ berichtete Martin Hättich von der Interkantonelen Hochschule für Heilpädagogik der Schweiz (HfH) von Erfahrungen im Einsatz von Minecraft für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen (Dyslexie).

Martin Culot informierte über das einjährige Tandem-Projekt in Frankreich, das darauf abzielte, eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Schule und Zuhause in Medienfragen zu etablieren.

Die nächsten zwei Master Classes schlossen sich daran an. Unter dem Titel „Global Efforts in Media Literacy: Challenges and Opportunities – international perspectives“ berichtete Carolyn Wilson über aktuelle internationale Vorhaben zur  Medienkompetenzvermittlung, darunter auch Unesco-Projekte „Media and information literacy (MIL)” sowie GAPMIL, die von der UNESCO initiierte weltweite Allianz von Partnerschaften zur Medien- und Informationskompetenz.

Regulierungsphantasien und ethische Kriterien

Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) übernahm das Thema Regulierungsphantasien und ethische Kriterien unter der Überschrift „Between Protection and Scoring – How does Media Education relate to Controle and Regulation“ mit Beiträgen von Benjamin Thull, Referent für Jugendmedienschutz bei der Landesmedienanstalt Baden-Württemberg (LFK), und Prof. Andreas Büsch, Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz an der Katholischen Hochschule Mainz. Thull stellte aus Sicht der Landesmedienanstalten, deren Aufgabe in Deutschland vor allem in der Medienregulierung besteht, Herausforderungen für den Jugendmedienschutz vor. Auch wenn Ansätze der Regulierung häufig als Einschränkungen der Freiheit von Medien-NutzerInnen wahrgenommen werden, braucht es ein intelligentes Risikomanagement, das ein sinnvolles Zueinander von Schutzbemühungen und Medienkompetenzvermittlung umfasst.

Büsch schloss daran an und problematisierte die unterschiedlichen Ansätze von Regulierung und Jugendschutz auf der einen Seite und der auf Autonomie und Partizipation zielenden Medienpädagogik andererseits. Der scheinbaren Dichotomie hielt er die Frage nach Werten als mögliches Scharnier zwischen den verschiedenen Handlungsfeldern entgegen. Demnach müsste Medienpädagogik stärker als bisher die Schnittstellen zur Wertevermittlung in den Blick nehmen und pädagogische Fachkräfte entsprechend qualifizieren.

Auf der im Rahmen der Konferenz stattfindenden Generalversammlung wurde der Vorstand von IAME in gleicher Besetzung wiedergewählt. Somit ist die GMK weiterhin durch Dr. Ida Pöttinger im Vorstand vertreten.

Auf der Tagung wurde deutlich, dass IAME mit den Master Classes ein Format bietet, das nicht nur auf aktuelle Themen aufspringt, sondern diese auch mit Gründlichkeit diskutiert. Außerdem konnte durch viele Gespräche das internationale Netzwerk erweitert und gefestigt werden.

Ausführlichere Informationen zur Organisation und zu den jährlichen Konferenzen finden sich auf der Website www.iame.education.

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