Homevideo

Titelbild: Homevideo
Bild: Katholisches Filmwerk e.V.

Worum geht`s?

Eckdaten des Films:
Deutschland, 2011,
Länge: 90 Minuten

Produktion: Kilian Riedhof Produktion: Teamworx im Auftrag von NDR, BR, ARTE.
Lizenz: Studio Hamburg
empfohlen ab 14 Jahren, FSK 12

„Der Fernsehfilm ist inspiriert von den zum Teil extremen Entwicklungen in sozialen Netzwerken im Internet und den verstärkt auftretenden Fällen von sogenanntem „Cyber-Bullying“, Mobbing im Internet. Zum Inhalt: Jakob (Jonas Nay) ist ein verschlossener, sensibler 15-Jähriger mitten in den Wirren der Pubertät. Er filmt alles mit seiner Videokamera, was ihn gerade bewegt, und liebt ungewöhnliche Fotos. Seine Eltern Claas (Wotan Wilke Möhring) und Irina (Nicole Marischka) wissen wenig von ihm, zu sehr sind sie mit sich selbst beschäftigt. Sie stecken in einer Ehekrise – beinahe täglich wird Jakob Zeuge eines Streits. Als Jakobs Mutter ihm eröffnet, dass sie sich von Claas trennen und ausziehen wird, zieht er sich noch mehr in sich zurück.

Auch in der Schule bekommt Jakob Probleme, doch eigentlich ist ihm das alles egal, denn er hat nur Augen für Hannah (Sophia Boehme), in die er verliebt ist. Als er gerade beginnt, ihr näher zu kommen, gerät ein selbstgedrehtes, kompromittierendes Video von Jakob in die Hände seiner Mitschüler. Noch bevor Jakob es sich zurückholen kann, stellt es ein Mitschüler ins Internet – in kürzester Zeit verbreitet sich das Video in der ganzen Schule. Von allen Seiten wird Jakob daraufhin ausgelacht und gemobbt. Über das Internet erhält er in Chatrooms dutzende Hassbotschaften. Auch Hannah bricht den Kontakt ab.“ (kfw)

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

– Künstlerischer Ausdruck durch Fotografie

– Erstellen von intimen Filmen/Sexting

– Chatten vs. face-to-face Kommunikation

– Cybermobbing, Happy Slapping

– Konsequenzen für Opfer von Cybermobbing/Happy Slapping

– Kommunikation in der Familie/mit FreundInnen

– Umgang mit peinlichen Fotos/Videos von anderen

– Teilen von Fotos, Videos in sozialen Netzwerken und mögliches Vorgehen bei bereits geteilten Inhalten

– Medienerziehung in der Familie

– Suizid

Zum Einsatz in der außerschulischen Medienarbeit mit Jugendlichen:

Der Fernsehfilm Homevideo thematisiert einige aktuelle Themen, wie u.a. Cybermobbing und Happy Slapping und wird häufiger in der medienpädagogischen Arbeit eingesetzt. Er muss nicht in der vollen Länge von 90 Minuten gezeigt werden, je nach interessierendem Thema, können auch einzelne Sequenzen herausgesucht und vorgeführt werden. Beispielsweise könnte es in der medienpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen darum gehen, wie sie miteinander kommunizieren und mit den sensiblen Daten anderer umgehen möchten. Hierzu könnte die Sequenz gezeigt werden, in der Henry und Eric die Videos von Jakob ansehen (ab 21:36 Min.).

Als Gruppenaufgabe könnten Jugendliche dazu aufgefordert werden, mehrere Szenarien eines möglichen Umgangs mit intimen Filmen eines/einer MitschülerIn durchzusprechen. Danach könnte (als Netiquette oder Kontrakt) verschriftlicht werden, welchen Umgang die Jugendlichen sich mit ihren eigenen personenbezogenen Daten durch andere wünschen. Außerdem könnte die Filmvorführung zum Anlass genommen werden, um generell über das Thema Sexting zu sprechen. Auch wenn es sich hierbei um ein möglicherweise schambesetztes Thema handelt, haben die Jugendlichen ggf. Fragen oder benötigen Unterstützung beim Schutz ihrer Daten.

Betroffene von Cybermobbing haben, wie im Film deutlich gezeigt wird, oft Angst davor, sich Gleichaltrigen, Eltern oder LehrerInnen anzuvertrauen. Die öffentliche Diffamierung oder das Veröffentlichen peinlicher Fotos und Videos wird oft als schambesetzt erlebt und löst bei Betroffenen unterschiedliche Gefühle wie Wut, Scham und Einsamkeit aus, die sich als Ohnmacht ausdrücken können. Hierdurch wird leider oftmals verhindert, dass FreundInnen oder Erwachsene frühzeitig etwas unternehmen können, um den Betroffenen zu helfen. Gemeinsam mit Jugendlichen könnte erarbeitet werden, an wen sich Betroffene wenden und was sie selbst im Netz (z.B. Anschreiben von Betreibern eines Netzwerkes zum Löschen von Fotos/Videos) dagegen tun können. Darüber hinaus wäre es von Vorteil, Jugendliche dazu zu bestärken, sich bei Problemen wie Cybermobbing und ähnlichem, bei einer Vertrauensperson Hilfe zu suchen. Daneben könnte auch über die Funktion von MitläuferInnen sog. BystanderInnen von Cybermobbing gesprochen werden; dazu eignet sich die Vorführung der Schlägerei (53:20 Min.), die Jakob mit einem Bekannten von Henry anfängt. Mögliche Anschlussfragen wären dazu: Warum helfen die umstehenden Jugendlichen Jakob nicht? Wer profitiert davon? Wie hätte die Szene ausgehen können, wenn ein/e der Umstehenden eingegriffen hätte? Zur Ergänzung der Filmszenen eignet sich unser Clip zu Cybermobbing der Serie „…und es hat Klick gemacht“.

Bevor Homevideo eingesetzt wird, sollte sich der oder die (Medien-)PädagogIn überlegen, ob sie den Schluss des Filmes zeigen möchte oder nicht. Der Schluss zeigt, wie sich der in die Enge getriebene und ohnmächtige Jakob suizidiert. Diese Schlussszene kann heftige Emotionen bei Jugendlichen auslösen und muss in anschließenden Gesprächen aufgefangen und eingeordnet werden. Wird der Schluss gezeigt, sollte daraufhin gewirkt werden, weitere Lösungsmöglichkeiten der für Jakob als aussichtlos scheinenden Situation aufzuzeigen. Auf den Wunsch von Jugendlichen nach Anschlusskommunikation zum Thema Suizid sollte eingegangen werden, beispielsweise dadurch, dass darüber aufgeklärt wird, wie man als FreundIn eines Mitschülers/einer Mitschülerin Suizidabsichten bemerken und hierauf reagieren kann. Zusätzlich könnten gemeinsam Anlaufstellen wie u.a. Vertrauenslehrer, Onlineberatung oder Telefonseelsorge herausgesucht werden.

Zum Einsatz in der Elternarbeit oder in der Arbeit mit LehrerInnen:

Homevideo eignet sich gut für die Elternarbeit oder die Arbeit mit LehrerInnen. Im Film wird an vielen Stellen gezeigt, wie Erwachsene (Eltern, LehrerInnen) mit der Veröffentlichung der intimen Filme von Jakob umgehen. Gerade in der Elternversammlung (ab 1:02:07) an der Schule werden verschiedene Haltungen von Eltern und der Lehrerin zum Thema offensichtlich. Diese Szene könnte zum Anlass für eine kontroverse Diskussion genommen werden – z.B. darüber, ob die Eltern Jakob als Täter oder Opfer sehen. Es wäre hierfür auch denkbar, diese Szene als Rollenspiel mit Eltern oder LehrerInnen selbst zu inszenieren.

Gerade Jakobs Eltern haben zu Beginn des Films sehr viele eigene Probleme, die sie davon abhalten, Jakobs Probleme frühzeitig zu erkennen. Knappe Zeitressourcen aber auch wenig Hintergrundwissen zur Medienerziehung können ein Auslöser dafür sein, dass Eltern in diesem Bereich für Jugendliche keine AnsprechpartnerInnen sind. An einem medienpädagogischen Elternabend könnten deshalb

Fakten zu Cybermobbing und Happy Slapping, auch in Abgrenzung zu Hate speech und anderen Phänomenen dysfunktionaler Kommunikation, geklärt werden. Der/die (Medien-)PädagogIn sollte hierbei eine Haltung vertreten, die verdeutlicht, dass jedeR davon betroffen sein kann und dass es nicht darum geht, Betroffene für ihr möglicherweise riskantes Onlineverhalten zu verurteilen, sondern Jugendliche dabei zu unterstützen, selbstbewusst und selbstbestimmt soziale Medien zu verwenden. Ggf. haben einige Eltern bereits Erfahrung im Umgang mit Cybermobbing eines Kindes; bestenfalls kann eine Mutter/ein Vater aus erster Hand erzählen, wie sie/er vorgegangen ist, welche Schritte durch sie, durch Freunde oder die Schule unternommen wurden. Der/die MultiplikatorIn sollte hierbei Fingerspitzengefühl beweisen und eine Haltung vertreten, die betroffene Eltern nicht (möglicherweise zusätzlich) anprangert.

Darüber hinaus könnte das Thema Sexting aufgegriffen werden. Hierbei sollte vor allem im Vordergrund stehen, Eltern die Angst davor zu nehmen und sie darüber aufzuklären, welche (auch positiven) Funktionen Sexting für Jugendlichen hat.

Schließlich sollte jedoch auch problematisiert werden, dass im Film als wesentliches Motiv für Jakobs Verhalten und seine Ohnmacht die Konflikte seiner Eltern herangezogen werden. Dieses filmische Statement könnte Anlass dafür sein, eine Diskussion über die Verantwortung der Schule, der Eltern, der FreundInnen und Jakob selbst anzuregen.

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

– Produktion eines Kurzfilms über ein alternatives Ende von Homevideo. Mögliche Fragestellungen liefert die Arbeitshilfe des Katholischen Filmwerks (S. 29)

– Produktion eines Comics zu einem Fall von Cybermobbing, an dem BystanderInnen aktiv in das Geschehen eingreifen.

– Erstellen eines Plakates, das alle nötigen Informationen und AnsprechpartnerInnen für von Mobbing Betroffene (an einer Schule/in einem Gemeinwesen) aufzeigt.

– Inszenierung einer FSK-Prüfung mit Eltern: für welches Alter sollte Homevideo freigegeben werden?

– Planung und Durchführung einer fiktiven Elternversammlung mit der Abstimmung einer Intervention. Hierzu kann der Film auch nur bis zum Beitrag der Lehrerin angesehen werden und die Eltern den Auftrag erhalten, sich ein Ende der Versammlung auszudenken.

Für wen?

Jugendliche ab 14 Jahren

Bezugsmöglichkeiten:

Der Film ist als DVD mit Vorführrecht in katholischen und evangelischen Medienzentralen und Kreismedienzentren ausleihbar und unter www.medienzentralen.de online abrufbar. Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter www.filmwerk.de möglich.

Fazit:

Homevideo ist in der medienpädagogischen Szene bekannt und seine Einsatzmöglichkeiten werden kontrovers diskutiert. Wer Homevideo in der Arbeit mit Jugendlichen und Eltern/LehrerInnen einsetzen möchte, der sollte sich vorher gut überlegen, welche Haltung er vermitteln möchte. Das ausweglose Ende des Films, der Suizid von Jakob, sollte durch geeignete Lösungsalternativen – wie z.B. das sich Anvertrauen an Erwachsene, Schulwechsel oder Umzug – ergänzt werden.

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