Embrace

Titelbild: Embrace
Bild: kfw

Worum geht’s?

Eckdaten des Films:

Dokumentation von Taryn Brumfitt

Länge: 87 Minuten + 32 Minuten Bonusmaterial

Erscheinungsjahr, Produktionsland: 2016, Australien

Bonusmaterial: Zusätzliche Interviews mit Taryn Brumfitt und Nora Tschirner, nicht verwendete Szenen

Arbeitshilfen als PDF über www.filmwerk.de

Produktion: Screen Australia, South Australian Film Corporation, Transmission Films

empfohlen ab 12 Jahren

Schuljahre: Sekundarstufe I: ab Klasse 6, Sekundarstufe II

Medien, Werbung und Gesellschaft geben ein Körperbild vor, nach dem wir uns selbst und andere immer wieder bewerten und verurteilen. Die australische Fotografin und dreifache Mutter Taryn Brumfitt wollte das nicht mehr hinnehmen. Sie postete ein ungewöhnliches Vorher-/Nachher-Foto ihres fast nackten Körpers auf Facebook und löste damit einen Begeisterungssturm aus. Durch ihren Post, der über 100 Millionen Mal in den sozialen Netzwerken angesehen wurde, rückte sie das Thema Body Image in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Gleichzeitig befreite sie sich selbst von dem ungesunden Streben nach dem „perfekten Körper“. Mit ihrem Dokumentarfilm möchte Brumfitt allen, die unter den vermeintlichen Schönheitsidealen leiden, einen Gegenentwurf vorstellen. Taryns Botschaft lautet: Liebe deinen Körper, wie er ist, du hast nur den einen! (kfw)

Welche medienpädagogischen Themen werden im Film angesprochen?

  • Dargestelltes und vermitteltes Schönheitsideal in den Medien
  • Frauenbild in den Medien
  • Medienwirkung (Schönheitswahn, Body Image, Fat Shaming)
  • Affected Reality (Eingriff in unsere Wahrnehmung der Welt durch Bearbeitung von Videomaterial)
  • Hintergründe der Medienbranche
  • Selbstdarstellung in Social Media
  • Cybermobbing

Zum Einsatz in der schulischen sowie außerschulischen Medienarbeit mit Jugendlichen:

Schon früh werden Kinder und Jugendliche über die Medien mit einem nahezu unerreichbaren Schönheitsideal konfrontiert. In Magazinen, auf Plakaten und in Castingshows sind bildhübsche Frauen zu sehen, ohne irgendwelche Anzeichen von Pickeln oder nur ein überschüssiges Gramm Fett an den Hüften. In Filmen und Videospielen dominieren breitgebaute, muskulöse Männer, denen am Ende dann die Damen reihenweise zulaufen. Dieses stereotype, idealisierte Körperbild setzt sich dadurch in den Köpfen der Jugendlichen fest und sie versuchen ihren Vorbildern nachzueifern.

Im Jugendalter besitzen somit die Themen Body Image und Selbstdarstellung eine sehr hohe Brisanz. Nicht selten artet die Orientierung daran sogar auf der einen Seite in Mobbing von Menschen mit anderem Aussehen oder anderer Kleidung oder auf der anderen Seite in Essstörungen oder hoher seelischer Belastung aus.

Zur Thematisierung all dieser Aspekte bietet der Film eine gute Ausgangsgrundlage. Innerhalb der Gruppe oder im Klassenverbund kann darüber diskutiert werden, wie man sich selbst in der Öffentlichkeit und im Speziellen in sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter oder Instagram) darstellt. Interessant ist auch die Frage, ob es gut und richtig ist, sich an medialen Vorbildern zu orientieren.

Bei dieser Debatte kann ebenfalls herausgearbeitet werden, ob bei der eigenen Person irgendwelche Makel empfunden werden oder ob man Zweifel gegenüber seinem Äußeren hegt. In der Dokumentation hatte nahezu jede interviewte Frau etwas an ihrem Körper auszusetzen. Dies könnte bei einigen Jugendlichen Hemmungen mindern, sich zu diesem Thema offen zu äußern, da sie erkennen, dass es anderen Personen ähnlich geht. Neben den Straßeninterviews eignen sich zur Anregung der Diskussion ebenfalls das Interview mit Taryn Brumfitt über ihre Miss-Australia-Karriere oder das Interview mit dem australischen „Plus-Size“-Model.

 

Anschließend daran kann dann über einen selbstbewussten und unabhängigen Umgang mit den eigenen Makeln und den Makeln anderer gesprochen werden. Wie gestaltet sich in diesem Zusammenhang der eigene Alltag? Wie viel Zeit verbringt man vorm Spiegel oder auf der Waage? Ist Körpergewicht und Aussehen in der Klasse/Gruppe ein großes Thema? Wie gehe ich mit negativen Kommentaren (vor allem auf Social-Media-Plattformen) um? Passend hierzu finden sich in der Dokumentation die Interviews mit der durch einen Tumor in der Mimik beeinträchtigten Frau, der Frau, deren Haut fast vollkommen verbrannt ist oder das Interview mit der bärtigen Dame. Beim Aspekt des Fat Shamings oder Mobbings könnten in der Gruppe Alternativen und Gegenmaßnahmen in Form von Counterspeech erarbeitet und in Form eines Klassen- oder Gruppenvertrages für alle verbindlich gemacht werden.

Über den Film kann des Weiteren anhand der Interviews mit der Verlegerin und der Fotografin eines Modemagazins der Einfluss der Medien auf unser Schönheitsempfinden thematisiert werden. Besonders beeindruckend sind dabei die Bearbeitungsmöglichkeiten eines Fotos über Bildbearbeitungsprogramme sowie die Veränderung des Schönheitsideals in den Medien über die letzten Jahrzehnte hinweg.

Ein letzter Anknüpfungspunkt wäre der wahnhafte, exzessive Aspekt des Schönheitsideals. Die Dokumentation bietet hierfür das Interview mit einer magersüchtigen Frau, die ihr Abrutschen in die Erkrankung und ihren langen Rehabilitationsweg beschreibt. Neben dem abschreckenden Faktor können dadurch gezielte Informationen an die Jugendlichen vermittelt werden. Es kann besprochen werden, wo Grenzen zwischen gesundem und ungesundem Essverhalten liegen und wie man agieren sollte, falls in seinem eigenen Umfeld solche Auffälligkeiten auftreten. Vielleicht besitzen einige Jugendliche selbst Erfahrungen in diesem Bereich, die sie mit der Gruppe teilen möchten.

Zum Einsatz in der Elternarbeit oder in der Arbeit mit LehrerInnen und PädagogInnen:

Im Erwachsenenalter sollte die jugendliche Unsicherheit in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild eigentlich überwunden sein. Jedoch zeigen die Dokumentation sowie einige andere Studien, dass auch noch bei Erwachsenen dem Schönheitsideal nachgeeifert wird. Spätestens wenn sich die eigenen Kinder wieder in der Pubertät befinden, müssen sich ihre Eltern erneut mit dem Thema auseinandersetzen.

Aus diesem Grund haben auch alle oben angesprochenen Anknüpfungspunkte eine Relevanz in Erwachsenengruppen. Hierbei gestaltet sich die Ausarbeitung ähnlich wie bei den Jugendlichen. Im Austausch sollte zusätzlich die Weitergabe des Schönheitsideals und die elterliche oder erzieherische Vorbildfunktion eine Rolle spielen. Welche Haltung zum eigenen Körper vermittle ich meinem Kind? Wie gehe ich mit diesbezüglichen Unsicherheiten um?

Ebenfalls eröffnet sich in Bezug zum Aussehen bei alternden Menschen ein weiterer Blickwinkel auf das Thema: Kann ich meine eigenen Makel und mein Älterwerden problemlos akzeptieren? Wie kaschiere ich mein Alter bzw. muss ich dies überhaupt?

Anknüpfungspunkte für aktive Medienarbeit:

  • Führen von Interviews zum eigenen Körperbild: Was gefällt mir an meinem Körper, was nicht? Wie werde ich von anderen gesehen?; spätere Gegenüberstellung möglich: Stimmen Selbst- und Fremdwahrnehmung überein? (erfordert eine hohe Reflexions- und soziale Kompetenz, nicht für jede Klasse/Gruppe geeignet)
  • Erstellen einer eigenen „Embrace“-Bilderwand/-Präsentation
  • Veranstalten einer eigenen „Modenshow“ mit der Präsentation von verschiedenen Schönheitsidealen (Kleidung, Accessoires verschiedener Kulturen)
  • Erstellen einer Fotocollage zu Männern und Frauen aus Magazinen und Zeitschriften, Entwickeln einer „Gegen“-Collage mit Fotos aus der Klasse/Gruppe/Alltag
  • Analyse der Darstellungen von Frauen und Männern in den Medien (Zeitschriften, Fernsehen, Werbung, Musikvideos)
  • Analyse von Social-Media-Profilen: Worauf achte ich, wenn ich Bilder von mir hochlade? Wie stelle ich mich selbst dar? Orientiere ich mich an bekannten Vorbildern/ Stars? Welche Stereotype spreche ich an?
  • Veranstaltung eines Bildbearbeitungs-Workshops: Welche Möglichkeiten der Bildbearbeitung habe ich? Wie weit kann ich damit Bilder manipulieren?

Für wen?

LehrerInnen, MedienpädagogInnen, Eltern, Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren

Bezugsmöglichkeiten:

Der Film steht als DVD mit Vorführrecht in katholischen und evangelischen Medienzentralen und Kreismedienzentren zur Verfügung und kann unter www.medienzentralen.de online abgerufen werden. Ein Direktbezug der DVD mit Vorführrecht ist unter www.filmwerk.de möglich. Hier sind ebenfalls einige unterstützende Arbeitshilfen zu finden.

Die Dokumentation ist ausschließlich in Englisch mit optionalen deutschen Untertiteln erhältlich.

Fazit:

Die Dokumentation „Embrace“ erzählt eine bewegende Geschichte von einer Reise um die gesamte Welt und wirft einen kritischen Blick auf das vorherrschende und von den Medien präsentierte, nahezu gelebte, Schönheitsideal. Hierbei wird auf die Entstehung dieses Idealbildes, auf den beeinflussenden Faktor der Medien und auf die teils krassen Auswirkungen dieses Trends hingewiesen. Vor allem jedoch versucht er dem Zuschauer ein positives Selbstbild und eine gute Einstellung zum eigenen Körper zu vermitteln. Dieser Einstellung können praktisch alle Altersgruppen etwas abgewinnen, weswegen der Film viele Einsatzmöglichkeiten bietet. Aufgrund der Länge des Films und der Breite an angesprochenen Aspekten können auch je nach Themenwahl einige Interviews oder treffende Szenen herausgegriffen werden.

Neben diesen vielen positiven Aspekten zeigt die Dokumentation jedoch auch einige schwere Schicksalsschläge, die nicht für jede Person geeignet sind. Der/die Vorführende sollte sich dieser Szenen bewusst sein, um gegebenenfalls negative Emotionen auffangen zu können. Da bei der Dokumentation ebenfalls einige Nacktszenen gezeigt werden, empfiehlt es sich bei minderjährigen Rezipienten eine elterliche Erlaubnis einzuholen.

 

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