Familie 2020: Medienpädagogische Trendtagung fand großen Anklang

Menschen in einer Diskussion bei der Tagung Familie 2020
Bild: Clearingstelle Medienkompetenz

Tagungsband zu Computerspielen in Familie 2020 vorgestellt

Die erste medienpädagogischen Trendtagung Familie 2020 der Kooperationspartner AKSB, Bonifatiushaus Fulda, Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, Institut für Medienpädagogik und Kommunikation in Hessen und Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz am 2. Dezember fand großen Zuspruch: Rund 40 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet tauschten sich im Bonifatiushaus in Fulda mit Expert/-innen aus dem Medienbereich, der Bildungsarbeit und dem Jugendmedienschutz zu aktuellen Trends aus.

Nach der Begrüßung durch Gunter Geiger, Direktor des Bonifatiushaus Fulda, und einer inhaltlichen Einführung von Prof. Andreas Büsch, Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz, richtete Dr. Christiane Florin, Redaktionsleiterin von Christ&Welt in der ZEIT, zu Beginn der Tagung einen gesellschaftskritischen Blick auf Computerspiele. Abseits der dramatischen Ereignisse eines „Amoklaufes“ werden aus ihrer Sicht Computerspiele kaum medial beachtet. Die Relevanz bei den Eltern sei jedoch eine andere. Dort sei das Thema bestimmend und löse bei den Eltern hinsichtlich der Sorge um die richtige Erziehung des Kindes eine „Angstverkrampfung“ aus. Aus ihrer Sicht sei es für Eltern gar nicht so leicht, mit Kindern und Jugendlichen das „Für“ und „Wider“ von Computerspielen zu diskutieren. „Eltern wollen eine klare Ansage, was geht und was nicht.“ Nur so lasse sich der Erfolg der Publikation von Spitzer „Digitale Demenz“ erklären, der einer Nutzung digitaler Medien eine klare Absage erteile und damit den Eltern „Erlösung“ in einer strittigen Frage biete. Spielen sei heute nicht mehr zweckfrei, sondern bedürfe einer „Umwegrentabilität“. Digital müsse schlau machen, damit das Gewissen der Eltern beruhigt sei. Ist dann noch eine Medienethik für Computerspiele notwendig? Aus Sicht von Dr. Florin ist dies überflüssig. Die beste Medienethik sei das aufrichtige Interesse am Kind, und dies sei in der heutigen, schnelllebigen Zeit schon schwer genug. Also was tun? Dr. Florin empfiehlt: Wer keine Computerspiele in der Familie will, der soll sie nicht kaufen. Medienkompetenz dürfe aber nicht reduziert werden auf die Fragen „Was ist erlaubt und was nicht?“. Medienkompetenz bedeute eher „den Anschluss verlieren, tatsächlich wissen, was gespielt wird und im Blick behalten, was auch ohne Medieneinsatz gespielt werden könnte.“ All das entlaste aber die Hersteller der Spiele nicht davon, sich – wie Journalisten – auf ethische Codices zu verpflichten und es entlaste die Politik nicht davon, diese auch durchzusetzen, etwa mit den Mitteln des Jugendschutzes.

Die Zukunft der Buchverlage mit Blick auf die digitalen Entwicklungen betrachtete Miriam von Maydell vom Verlag Barbara Budrich. Sie sieht das E-Book zwar auf dem Vormarsch, das gedruckte Buch sei aber „noch nicht tot“. Verlage seien „die Hufschmiede des 21. Jahrhunderts“. Die rund 8000 Autoren des Budrich Verlages würden zeigen, dass die aktuelle Verlagsarbeit geschätzt werde.

Sandra Bischoff vom LPR Hessen betonte die Aufgaben aktueller Medienbildung: Aufklärung, Aufzeigen von Chancen und Risiken sowie Anleitung zum verantwortlichen Umgang mit Medien. Prof. Dr. Murad Erdemir, ebenfalls vom LPR Hessen, gab einen Einblick in die Rechtsgrundlagen des Jugendmedienschutzes gab. Ein zeitgemäßer Jugendmedienschutz müsse Jugendliche als Akteure im Internet wahrnehmen und sie präventiv zum selbstbestimmtem Zeitmanagement und zum Selbstschutz anleiten sowie ethisch herausfordern. Dabei sollte nicht nur die Mittelschicht in den Blick genommen werden, sondern besonders die Zielgruppe der benachteiligten Kinder und Jugendlichen.

Prof. Andreas Büsch sieht als Herausforderungen für die katholische Kirche u.a. die Themen Transparenz und Partizipation und den Kinder- und Jugendmedienschutz. Dabei hält Prof. Büsch die Etablierung einer verbindlichen Medienbildung für ein wichtiges Ziel, das Kirche nur durch eine stärkere Vernetzung mit bestehenden personellen, materiellen und ideellen Ressourcen erreichen könne. Wichtig sei weiterhin eine Verankerung der Medienbildung in pastoral und pädagogisch relevanten Studien- und Ausbildungsgängen sowie Berufsbildern und natürlich eine zeitgemäße digitale Ausstattung der Bildungseinrichtungen.

Für AKSB-Geschäftsführer Lothar Harles ist ein internationaler Blick auf den Medienschutz erforderlich. Dabei komme der politischen Bildung die besondere Aufgabe zu, die Welt durchschaubarer zu machen. Dazu müsse sie Kindern und Jugendlichen die Fähigkeit vermitteln, in der digitalen Welt sprach- und urteilsfähig zu sein. Dies könne die politische Bildung nicht alleine leisten, sondern müsse sich weiterhin mit kompetenten Partnern aus der Medienbildung und -pädagogik vernetzen.

Die neuesten Trends im Bereich des E-Learning zeigte Claudia Bremer, Geschäftsführerin studium digitale der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Bei allen Angeboten müsse genau abgewogen werden, wieviel online-Angebot und wieviel Präsenz-Veranstaltung dem Studierenden zugemutet werde. Denn gerade die Online-Lehrangebote würden extreme Anforderungen an die Lernmotivation stellen. Aus ihrer Sicht werden die Lernangebote mit mobilen Apps, das Tablet Computing, Learning Analytics und die Gamifizierung von Lernen zunehmen.

Die abschließende Podiumsdiskussion vertiefte die thematische Auseinandersetzung mit den Inhalten der Impulsreferate, an deren Ende der Direktor des Bonifatiushauses, Gunter Geiger, ein positives Resümee ziehen konnte: „Mit der Trendtagung sind wir am Puls der digitalen Entwicklungen. Wir werden diesen Austausch fortsetzen.“ Der Termin für den nächsten Austausch steht bereits fest: die Tagung „Medienbildung zwischen Elternhaus und Schule“ am 28. und 29. Mai 2014 im Bonifatiushaus in Fulda.

Die Veranstaltung wurde aus Mitteln der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb gefördert.

Neue Publikation beim Verlag Barbara Budrich: „Was wird hier gespielt? Computerspiele in Familie 2020“

 

Rechtzeitig zur medienpädagogischen Trendtagung am 2. Dezember 2014 konnten die Kooperationspartner ihre neue Publikation beim Verlag Barbara Budrich präsentieren. „Was wird hier gespielt? Computerspiele in Familie 2020″ lautet der Titel des 170 Seiten starken Bandes, in dem Autor/-innen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven das Thema informativ und analysierend beleuchten und damit einen grundlegenden Einblick in die „Faszinationswelt Computerspiel“ geben. Bereits seit 2011 begleiten die Kooperationspartner die Auswirkungen der digitalen Medien auf die Gesellschaft und besonders auf die Familie fachlich mit der jährlichen Tagungsreihe „Familie 2020″. In 2012 erschien die erste gemeinsame Publikation „Familie 2020. Aufwachsen in der digitalen Welt“, ebenfalls beim Verlag Barbara Budrich. Der Band kann beim Verlag Barbara Budrich bestellt und erworben werden: Link zur Bestellung.

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