Check the web

Menschen mit Smartphones in den Händen (Check the web)
Bild: fotolia.de – sebra

Cybermobbing vorbeugen durch Medienbildung an Schulen

Durch die zunehmende Nutzung von digitalen Medien und des Internets durch jüngere Kinder und Jugendliche, steigen die sogenannten Onlinerisiken durch dysfunktionale Nutzung an. Ein zentrales Risiko ist Cybermobbing. Doch welche Nutzungskompetenzen haben einen Einfluss auf die Beteiligung an Cybermobbing und lassen sich somit im Umkehrschluss als Ziel für eine präventive Medienbildung an Schulen festlegen? Und wie sieht die Umsetzung in der Realität aus? Als Beispiel für ein Präventionsprojekt wird „check the web“ des Trägers medienundbildung.com aus Rheinland-Pfalz vorgestellt.

Welche Rolle spielt Medienkompetenzförderung in der Prävention?

Das Ziel von Prävention im Zusammenhang mit Jugendmedienschutz besteht darin, entsprechende Schädigungen oder Entwicklungsbeeinträchtigungen zu verhindern oder zumindest die Wahrscheinlichkeit von deren Auftreten zu verringern.
Hierbei bildet die Medienkompetenzförderung eine Verbindung zwischen Prävention, Jugendschutz und Jugendmedienschutz.

Bild: Abgrenzung der Handlungsfelder Prävention, Jugend(medien)schutz und Medienkompetenzförderung (Wagner/Gebel, 2015, S. 8).

In der Prävention zu fördernde Fähigkeiten

In einem Kooperationsprojekt der Universität Duisburg-Essen und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, wurde der Einfluss verschiedener Internetnutzungskompetenzen auf die Beteiligung an Cybermobbing untersucht. Das Ziel der Studie war es, „den präventiven Wert des Fähigkeitenbündels, das im Rahmen der Medienerziehung häufig unter dem Begriff der Medienkompetenz subsumiert wird, zu prüfen“ (Stodt et al., 2015, S. 129) und daraus Handlungsmöglichkeiten abzuleiten.

Bei dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass vor allem drei Kompetenzfelder direkt oder indirekt im Zusammenhang mit dem Auftreten von Cybermobbing stehen:

„1. Reflektive Kompetenz

Eine verstärkte Reflexion des eigenen Verhaltens im Internet (Posten von Bildern, Angabe von persönlichen Informationen) sowie eine kritische Analyse bereits existierenden Materials im Internet stellen wichtige Faktoren zur Vorbeugung von Cyber-Mobbing dar.

2. Interaktive Kompetenz

Eine gewissenhafte Interaktion und Kommunikation im Internet (z. B. in Sozialen Netzwerken), vor allem beim Preisgeben von persönlichen Informationen oder Kommentieren von Nachrichten oder Meldungen anderer, verringert die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Cyber-Mobbing zu werden oder selbst aktiv oder passiv an Cyber-Mobbing beteiligt zu sein.

3. Regulierende Kompetenz

Personen, die ihren eigenen Internetkonsum regulieren und kontrollieren können, also nicht mehr Zeit online verbringen als beabsichtigt, haben ein geringeres Risiko, Täter oder Opfer von Cyber-Mobbing zu werden“

(Kretschmer/Müssgens 2016, S. 21 nach Stodt et al., 2015).

Medienbildung an Schulen in Rheinland-Pfalz

Zentrale Institutionen für Medienbildung an Schulen in Rheinland-Pfalz (RLP) sind das Ministerium für Bildung, das pädagogische Landesinstitut Rheinland-Pfalz, die Landeszentrale für Medien und Kommunikation und der Bildungsträger medien+bildung.com. Letzterer wurde zur praxisnahen Förderung der Medienbildung als Tochtergesellschaft der Landeszentrale für Medien und Kommunikation von ebendieser gegründet.

Zur Unterstützung von Schulen bei der Vermittlung von Medienkompetenz, hat die Landesregierung 2007 das Zehn-Punkte-Programm „Medienkompetenz macht Schule“ geschaffen und damit einen Grundstein für die strukturelle Verankerung von Medienbildung an Schulen in RLP gelegt. In diesem Zusammenhang hat die Landesregierung das Konzept „Medienbildung in der Primar- und Sekundarstufe I – Baustein für eine veränderte Lehr- und Lernkultur“ entworfen.

Um die Medienbildung an Schulen in RLP zu fördern, wurden außerdem verschiedene Praxisprojekte ins Leben gerufen. Dazu zählt der Modellversuch „Digitale Medien in der Grundschule“, die „Initiative Medienkomp@ass“, das Projekt „Medienscouts“ und das Projekt „check the web“.

Check the web

Das Projekt „check the web“ von medien+bildung.com wurde mit dem Ziel erschaffen, die Internetkompetenz der Jugendlichen zu fördern und eine Auseinandersetzung mit dem Thema Jugendmedienschutz anzustoßen.

Das Projekt ist grundsätzlich für SchülerInnen der Jahrgangsstufen fünf bis acht konzipiert, wird aber in veränderter Form auch in anderen Klassenstufen oder außerschulischen Bildungseinrichtungen durchgeführt. „check the web“ ist als Projekttag mit sechs Unterrichtsstunden entworfen; ergänzend zum Projektangebot für die SchülerInnen, kann die Schule eine Informationsveranstaltung für Eltern und Lehrkräfte dazu buchen.

„Check the web“ enthält verschiedene Bausteine, die jede Schule individuell zusammenstellen kann. Die Inhalte des Projektes sind aktuell und entsprechend der medialen Lebenswelt von Jugendlichen ausgewählt. Dabei lassen sich sechs Themenfelder unterscheiden:

  1. Das digitale Ich

Dieses Themenfeld bearbeitet Datenhandel und Datenspuren im Netz, also Fragen rund um den Datenschutz und Sicherheitseinstellungen. Zudem wird der Fokus auf das eigene Profil und eventuelle Selbstdarstellung im Netz gelegt. Insbesondere liegt ein Schwerpunkt auf den Themengebieten persönliche Daten, Sexting und Persönlichkeitsrechte.

  1. Download for free!?

In diesem Feld werden mit den Schülern die Themen Urheberrecht und freie Lizenzen, Filesharing und das Recht auf Privatkopien besprochen.

  1. Cybermobbing

Dieser Themenblock widmet sich dem Thema Mobbing und der Belästigung über mediale Wege.

  1. Angelockt und abgezockt

In diesem Arbeitsbereich werden Kostenfallen im Internet und Smartphone-Sicherheit besprochen. Zudem wird das Thema „Jugendgefährdende Inhalte im Netz“ besprochen, das zum Beispiel Gewalt und Pornographie umfasst. Ein weiterer Aspekt von „angelockt und abgezockt“ ist die Sicherheit im Netz, hierbei geht es um sichere Passwörter, aber auch um die technischen Aspekte.

  1. Gefangen im Netz

Das fünfte Themengebiet dreht sich um die exzessive Internetnutzung, wie sie zum Beispiel bei Glücks- und Computerspielsucht vorkommt.

  1. Gesucht und gefunden?

Der letzte Themenblock widmet sich dem Umgang mit Suchmaschinen und Informationsbeschaffung. Zudem werden die Themen Bilderrechte und Quellenauswahl behandelt.

Kompetenzerwerb im Projekt „check the web“

In einer Untersuchung im Rahmen einer BA-Thesis an der KH Mainz (Büsch, 2017) konnte gezeigt werden, dass das Projekt „check the web“ genau die Kompetenzen fördert, die nach Stodt et al. (2015) einen Einfluss auf die Entwicklung von Cybermobbing an Schulen haben: Die reflektive, die interaktive und die regulierende Kompetenz.

Erstere wird durch die kritische Betrachtung des eigenen Mediennutzungsverhaltens gefördert. Durch das Aufstellen von Regeln für die Klassenkommunikation, vor allem im Hinblick auf die Kommunikation über digitale Medien, wird die interaktive Kompetenz gefördert.

Im Projekt wird diese Selbstregulation durch den Themenblock „Gefangen im Netz“ behandelt. Dieser beinhaltet Themenstellungen zur exzessiven Nutzung von Internetangeboten.

Fazit

Das Risiko von Cybermobbing kann durch Präventionsarbeit reduziert werden, wenn der Schwerpunkt der Präventionsprojekte auf der Medienkompetenzerweiterung von Kindern und Jugendlichen liegt. Hierzu müssen die Präventionsprojekte ihre Ziele, Ansätze und Strategien genau auf die Adressaten abstimmen.

Theresia Büsch

Literatur

Büsch, Th. (2017): Medienbildung an Schulen als Element des präventiven Jugendmedienschutzes am Beispiel des Risikobereiches Cybermobbing und des Projekts „check the web“. BA-Thesis im Fachbereich Soziale Arbeit der Kath. Hochschule Mainz (unveröff. Mskr.).

Kretschmer, C. / Müssgens, M. (2016): Ratgeber Cybermobbing – Informationen für Eltern, Pädagogen, Betroffene und andere Interessierte. In: klicksafe.de (Hrsg.) – Mehr Sicherheit im Internet durch Medienkompetenz; Düsseldorf.

Stodt, B. / Wegmann, E. / Brand, M. (2015): Geschickt geklickt?! – Zum Zusammenhang von Internetnutzungskompetenzen, Internetsucht und Cybermobbing bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In: Landesanstalt für Medien Nordrhein- Westfalen (Hrsg.), Schriftenreihe Medienforschung, Band 78; Düsseldorf.

Wagner, U. / Gebel, C. (2015): Prävention als Element des Intelligenten Risikomanagements. In: JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis: Expertise für das I-Kiz – Zentrum für Kinderschutz im Internet. Abrufbar unter: http://www.i-kiz.de/wp-content/uploads/2016/02/Expertise_pr%C3%A4vention_JFF.pdf. (Zugriff: 01.05.2017)

Diesen Artikel empfehlen:

Das könnte Sie auch interessieren: