Jugendmedienschutz – was geht mich das an?

Referentin auf der Tagung zum Jugendmedienschutz
Anne Sauer von spielbar.de – Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

Kluger und kreativer Umgang in Schule und Jugendarbeit

Am 29. November kamen im SWR Funkhaus Mainz über 60 LehrerInnen, SozialpädagogInnen, MedienpädagogInnen und PsychologInnen zusammen, um über aktuelle Entwicklungen des Jugendmedienschutzes zu diskutieren. Die Fortbildung ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Katholischen Hochschule Mainz – Zusatzqualifikation Medienkompetenz, dem SWR – Stabsstelle Medienkompetenz – und der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz, das in der Form bereits zum zweiten Mal stattgefunden hat. Mit einem Mix aus Kurzvorträgen am Vormittag und Workshops unter der Leitung von Studierenden am Nachmittag war Ziel des Tages, ein medienpädagogisches Thema in Theorie und Praxis zu vermitteln.

Nach der Begrüßung durch Christine Poulet, Medienkompetenzbeauftragte des SWR, und Prof. Andreas Büsch, Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz und Professor für Medienpädagogik an der KH Mainz, die das Seminar konzipiert und den Fortbildungstag gemeinsam mit den Studierenden vorbereitet hatten, wurde die Fortbildung am Vormittag mit interessanten Vorträgen eingeleitet: Sebastian Gutknecht, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle NRW e.V. (AJS), informierte die TeilnehmerInnen über die rechtlichen Aspekte des Jugendschutzes und erläuterte wie der staatliche Schutzauftrag speziell zum Thema Jugendmedienschutz umgesetzt werden kann. Hierbei nahm Gutknecht die Perspektive des Kinder- und Jugendhilferechts SGB VIII ein.

Anschließend referierte Anne Sauer von spielbar.de unter dem Titel „Außer Zocken nichts gewesen?“ über Computerspiele und deren Einsatzmöglichkeiten in der pädagogischen Praxis mit Kindern und Jugendlichen. Sie problematisierte außerdem die Außenwahrnehmung von GamerInnen durch die Gesellschaft, die nach wie vor mit einem negativen Image besetzt ist. Seitens der Medienerziehung in den Familien regte Sauer an, dass Eltern zusammen mit ihren Kindern zocken um auch für sie Ansprechpartner zum Thema Games zu sein.

Den Abschluss der theoretischen Einheit am Vormittag machte Prof. Andreas Büsch, indem er nach dem Zusammenhang von Medienbildung und Jugendschutz fragte: während für jüngere Kinder der Schutz vor sie gefährdenden Medien an erster Stelle steht, sollten ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene befähigt werden, kompetent mit Medien umgehen zu können. Insofern ist Medienbildung ein unverzichtbarer Bestandteil des Jugendmedienschutzes, der niemals allein mit gesetzlichen Regelungen zu erreichen ist.

Prof. Büsch trägt auf der Fortbildung Jugendmedienschutz zum Thema Medienbildung vor.
Prof. Andreas Büsch – Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

Nach einer Mittagspause ging es mit dem praktischen Teil der Fortbildung weiter. Die TeilnehmerInnen der Fortbildung konnten zwischen fünf Workshops wählen, welche von den Studierenden der Katholischen Hochschule Mainz mit dem Schwerpunkt Medienkompetenz, konzipiert wurden. Die Studierenden hatten sich im Rahmen eines Seminars seit letztem Semester inhaltlich mit verschiedenen Aspekten des Jugendmedienschutzes auseinandergesetzt und aus der Fülle von Aspekten fünf ausgewählt, die sie in entsprechenden Workshops den Teilnehmenden näher brachten. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf der praktischen Anwendbarkeit als Unterrichtseinheiten oder als Module für außerschulische Arbeit sowie der Vorstellung entsprechender Materialien und Arbeitshilfen.

Im Workshop 1 „Komm schon, jetzt noch ein Bild ohne Höschen!“ ging es um den Trend Sexting – dem Erstellen und Versenden von (Nackt-)bildern via Smartphone. Durch eine theoretische Einführung in das Thema nahmen die Referentinnen Jessica Krob, Sonia Otto und Robin Julia Theis Stellung zum Umgang mit dem besonders von Eltern und PädagogenInnen als jugendgefährdenden eingestuften Themas. Hierbei machten sie deutlich, dass Sexting für Jugendliche eine digitalisierte Form der sexuellen Entwicklung und Beziehung ist. Aufgrund der Unterschätzung von viraler Verbreitung braucht es gerade deswegen in der (außer-)schulischen Medienpädagogik eine präventive Sensibilisierung.

Im Workshop 2 „Alles nur Sucht?!“ stand die exzessive Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen im Fokus. Die TeilnehmerInnen konnten verschiedene Onlinegames praktisch ausprobieren und somit selbst den potenziellen Suchtcharakter von Spielen erleben. Die Referenten Alexandra Limbart und David Nork klärten, ab wann von exzessiver Mediennutzung oder aber von Internetsucht gesprochen werden kann. Zudem informierten sie über verschiedene Hilfsangebote für Betroffene.

Hannah Ballmann und Elisabeth Müller forderten die Teilnehmer im Workshop 3 „Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters?!“ dazu auf, sich über eigene Schönheitsideale bewusst zu werden. Mithilfe medienpädagogischer Methoden wurde aufgezeigt, wie man Kindern und Jugendlichen einen kritischen Umgang mit Medien vermitteln kann, sodass diese vorgegebenen Schönheitsideale nicht unreflektiert als erstrebenswertes Ziel annehmen und die Subjektivität von Schönheit erkennen.

In Workshops wird über Aspekte des Themas Jugendmedienschutz diskutiert.
Engagierte Diskussionen in den Workshops – Foto: Clearingstelle Medienkompetenz

Im Workshop „Smartphone vs. Tafel“ von Mirjam Heinz und Ngoc-Linh Truong konnten die TeilnehmerInnen anhand einer QR-Code-Rallye quer durchs SWR-Funkhaus den Einsatz des Smartphones in der schulischen Arbeit kennen und nutzen lernen. Zudem ging es um die Reflexion des eigenen Umgangs mit dem Smartphone, der durch eine Live-Online-Umfrage festgehalten wurde. Die Referentinnen nahmen Bezug zu der aktuellen JIM-Studie 2016 des mpfs.

Natalie Bauer, Theresia Büsch und Sebastian Schlitz diskutierten mit den TeilnehmerInnen des Workshops „Medienbildung und Jugendmedienschutz“ wie Medienbildung in der Praxis umgesetzt werden kann. Es ging noch einmal darum, die Grenzen und Anschlussmöglichkeiten zwischen Medienbildung und Jugendmedienschutz auszumachen und einen Bezug zur eigenen Tätigkeit herzustellen.

Jeder Teilnehmer der Fortbildung hatte die Möglichkeit zwei der 90-minütigen Workshops zu besuchen und konnte so sein Wissen zu verschiedenen Themen des Jugendmedienschutzes vertiefen. Durch die Fortbildung wurde erneut deutlich, dass das komplexe Thema Jugendmedienschutz für MultiplikatorInnen viele Anknüpfungspunkte für deren Arbeitsalltag mit Kindern und Jugendlichen beinhaltet. Gegen 17 Uhr wurde nach einer abschließenden Reflexionsrunde die Fortbildung erfolgreich beendet.

Die Landesschau aktuell des SWR drehte einen Beitrag über die Fortbildung.

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