Newsletter 02-21

Woran wir gerade arbeiten – Februar 2021

Prof. Andreas Büsch
Prof. Andreas Büsch
Bild: Sascha Draheim

Liebe Leserinnen und Leser,

kommenden Montag wäre es also so weit gewesen: Der Facebook-Konzern hätte für den 2014 eingekauften Messenger WhatsApp Änderungen an seinen AGB durchgeführt, die einen weitergehenden Datenaustausch mit Facebook ermöglicht hätten. Seit Ende Dezember ploppten entsprechende Hinweise auf – wer nicht mitgehen wolle, könne die App dann eben nicht mehr verwenden. Nach erster Kritik beeilte sich Facebook zu betonen, dass die Änderungen nicht für Kunden in der EU gelten sollten. Ob es eine Möglichkeit gegeben hätte, nicht zuzustimmen, erfahren wir nun frühestens im Mai – bis dahin wurde nach massiver weiterer Kritik die Änderung verschoben.

Vielleicht ist das aber auch gar nicht mehr so wichtig, denn seit Wochen verzeichnen andere Messenger wie Threema, Signal oder Telegram einen massiven Zulauf – so massiv, dass Signal Mitte Januar vorübergehend „technische Probleme“ einräumen musste. Bei den beiden letztgenannten bekommen Nutzer*innen den Zuwachs mit, weil immer mehr Einträge aus dem eigenen Adressbuch als neue Nutzer vorgestellt werden. Threema nutzt dagegen überhaupt keine persönlichen Daten, sondern Zufallskennungen, und ist insofern der datenschutzfreundlichste Messenger. Anleitungen zum vollständigen Löschen von WhatsApp gibt es u.a. neben Informationen zu den Alternativen bei mobilsicher.de, dem Serviceangebot von iRights e.V.

Interessant ist dabei allerdings auch, warum ausgerechnet jetzt so viele Menschen das Dilemma zwischen einem Grundbedürfnis nach Austausch und Kommunikation einerseits und der Auslieferung an GAFAM andererseits für sich anders auflösen als bisher. Gehen Datenschutz-Aktivitäten etwa ebenso viral wie Meinungen? Oder passiert das alles mehr so aus einem Bauchgefühl heraus – und WhatsApp hat einfach den Bogen überspannt? Freie und bessere Alternativen gibt es ja nicht erst seit gestern, auch wenn der Wechsel bisweilen etwas Arbeit macht und das Gesetz der großen Zahl aka „Alle sind da“ sicher auch gilt. Zumindest bislang!

Währenddessen macht eine neue App von sich reden: Clubhouse – die wie bisher schon Facebook, WhatsApp usw. Vollzugriff auf das Adressbuch haben will. Darüber hinaus müssen Nutzer*innen explizit zustimmen, dass der in den USA ansässige Betreiber die Daten nutzen darf. Das Ganze gilt zwar nur für iOS-Nutzer, da die App bislang für Android nicht verfügbar ist. Aber angeblich ist die ganze Netz- und Kreativ-Bubble da aktiv … #DSGVO egal? Immerhin hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) die Betreiber von Clubhouse mittlerweile sogar abgemahnt.

Wir werden weiterhin mit kritischer Reflexion Trends begleiten – und freuen uns auf den Austausch darüber mit Ihnen!

Herzliche Grüße
Prof. Andreas Büsch
Leiter der Clearingstelle Medienkompetenz

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Tagungen und Termine

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SID2109.02.2021: Safer Internet Day 2021

„Meinungsbildung in der digitalen Welt“ – Fake News, Verschwörungstheorien, Desinformationen sind Themen, die uns 2020 intensiv begleitet und immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt haben. Unter dem oben genannten Motto findet der Safer Internet Day 2021 statt. Hierzu bieten wir eine Übersicht der aktuellen Materialien passgenau zum Thema.

Wir spielen doch nur – ein NachberichtWir spielen doch nur – ein Nachbericht

Am 21. und 22. Januar fand die Online-Fortbildung zum Thema „Wir spielen doch nur – Die Inszenierung von Gesellschaft in Digitalen Spielen“ im Rahmen der Reihe mepodo statt. Rund 150 Interessierte haben daran teilgenommen. Auf der Website dokumentieren wir die Tagung und zahlreiche weitere Infos.

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Kirche im Web #kiw2111.–12.03.2021: #KIW21. Netz gestalten

Unter dem Thema „Netz gestalten – die Rolle der Kirchen in der Digitalen Gesellschaft“ findet vom 11. bis 12. März 2021 die nächste Veranstaltung der Reihe „Kirche im Web“ (#KIW) statt. Durch die Veränderungen im Kontext von Digitalität steht die Kirche vor großen Herausforderungen: Wie kann sie ihre Aufgaben auch ohne Face-to-Face-Kontakte wahrnehmen?

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Filmtipp Play„Play“

Die 17-jährige Jennifer ist süchtig nach Online-Spielen. Nach einem Umzug mit ihrer Familie findet sie keinen Anschluss in ihrem sozialen Umfeld.  Jennifer beginnt die schulischen und familiären Verpflichtungen zu vernachlässigen. Zunehmend setzt sie sich über die Autorität der Erwachsenen hinweg, um jede freie Minute online verbringen zu können.

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Mekomat

Scout TitelbildIch sehe was, was du nicht siehst

In Sachen Mediennutzung sind Kinder und Eltern oft unterschiedlicher Meinung. Dies ist das Thema der vorliegenden Ausgabe des Medienmagazins scout der Medienanstalt HSH mit dem Titel: „Wie Eltern und Kinder Risiken im Netz unterschiedlich wahrnehmen. Welche Probleme das macht. Und wie man die in den Griff bekommen kann.“

700. Mekomat Beitrag

Diesen Monat erscheint unser mekomat Nummer 700! Fast auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Start unseres Serviceangebots. Derzeit werden jede Woche dienstags und donnerstags neue Besprechungen in die Datenbank eingestellt.  So wächst die bundesweit einzige träger- und institutionenübergreifende Sammlung von Materialien zum Erwerb von Medienkompetenz weiter.

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Kooperationspartner

Online-Info-TalkOnline Info-Talk

Die Katholische Hochschule Mainz bietet seit diesem Jahr einen Live-Talk mit Studiengangleiter*innen und Berater*innen an. Interessierte können fachbereichsbezogen alle Fragen zu Inhalten, Zulassungsverfahren und beruflichen Perspektiven klären. Die Termine für die einstündigen Online-Talks werden laufend ergänzt.

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Bericht Islamismus im Netz„Islamismus im Netz 2019/2020“

Auf Instagram und Youtube werden für islamistische Propaganda bevorzugt  emotionale Themen wie Ausgrenzung, Ungerechtigkeit oder Ohnmacht genutzt, um Jugendliche gezielt ansprechen zu können. Diese sowie weitere Informationen wurden im Bericht von jugendschutz.net für den Zeitraum von Januar bis Dezember 2019 festgehalten und ausgewertet.

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Fundstücke des Monats

Online-Plattform ZEBRANeue Plattform Zebra

Die unendlichen Weiten des WWW warten mit immer neuen Überraschungen und vielen großen und kleinen Entdeckungen auf. Alle User*innen sind einerseits überinformiert aber andererseits auch immer wieder überfordert. Genau hier setzt ZEBRA, die neue Plattform der Landesmedienanstalt NRW, an, als offizielle Anlaufstelle für Fragen des digitalen Alltags.

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Unsichtbare Stimmen

Wie sozial sind Social Media eigentlich? Sind Extremismus und Desinformation nur individuelle Probleme – oder bilden sie eine Bedrohung demokratischer Gesellschaften? Was tun Extremisten, wenn eine Plattform geschlossen wird? Diesen und anderen Fragen widmet sich der siebte Forschungsmonitor Informationsintermediäre der LfM NRW in Kooperation mit iRightsLab.

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Wo stehen wir mit der Digitalisierung unserer Einrichtung?

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet einen Online-Fragebogen, der helfen kann, den „digitalen Reifegrad“ der eigenen Organisation zu erheben. Fünf Themenfelder werden anhand von zahlreichen Fragen beleuchtet; die Antworten sowie eine Auswertung werden den Nutzer*innen am Ende anonym zur Verfügung gestellt.

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